Gesundheit

Auch zu viel Schlaf lässt schneller altern: Studie zeigt optimale Dauer

Wer zu wenig schläft, lebt ungesund – das ist bekannt. Doch auch zu viel Schlaf hat seinen Preis. Forscher haben nun den Bereich ermittelt, in dem der Körper am langsamsten altern soll.

4 Min
Die optimale Schlafdauer beeinflusst laut einer aktuellen Studie Alterungsprozesse im Körper.

Die optimale Schlafdauer beeinflusst laut einer aktuellen Studie Alterungsprozesse im Körper.

© Samsung Electronics/Ketchum Germany/obs

Die Auswertung von Daten einer halben Million Erwachsener zeigt: Wer regelmäßig zwischen rund sechs und acht Stunden täglich schläft, weist nach mehreren biologischen Altersuhren das geringste Alterungstempo auf. Sowohl kürzerer als auch längerer Schlaf ist demnach mit beschleunigtem Altern in Gehirn, Herz, Lunge und Immunsystem verbunden.

Das berichtet ein internationales Forschungsteam um Junhao Wen von der US-amerikanischen Columbia University im Fachmagazin Nature. Grundlage der Analyse waren Daten der britischen Langzeitstudie UK Biobank mit rund 500.000 Teilnehmern im Alter von 37 bis 84 Jahren. Die Forscher verknüpften die selbstberichtete Schlafdauer mit 23 sogenannten biologischen Altersuhren, die das Alter einzelner Organsysteme anhand von Bildgebung, Blutproteinen und Stoffwechselprodukten abschätzen.

U-förmiger Zusammenhang in mehreren Organsystemen

In 9 der 23 untersuchten Altersuhren zeigte sich nach Angaben der Autoren ein statistisch signifikantes U-förmiges Muster, das sich über sieben Organsysteme erstreckte. Die geringste biologische Alterung trat bei einer Schlafdauer zwischen 6,4 und 7,8 Stunden auf – abhängig von Organ und Geschlecht. Wer weniger als sechs oder mehr als acht Stunden schlief, alterte demnach im Mittel schneller.

Besonders deutlich war der Zusammenhang bei Altersuhren für Gehirn, Lunge, Leber, Immunsystem und Haut, die auf Blutproteinen beruhen, sowie bei bildgebenden Altersuhren für Gehirn, Bauchspeicheldrüse und Fettgewebe. „Unsere Studie zeigt, dass zu wenig und zu viel Schlaf mit schnellerem Altern in nahezu jedem Organ verbunden sind“, sagte Studienleiter Wen laut einer Mitteilung der Columbia University.

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Unterschiedliche Risiken bei kurzem und langem Schlaf

Mit kurzem Schlaf (weniger als sechs Stunden) waren laut Studie unter anderem verbunden: depressive Episoden und Angststörungen, Bluthochdruck und koronare Herzkrankheit, Herzrhythmusstörungen und Typ-2-Diabetes.

Mit langem Schlaf (mehr als acht Stunden) zeigten sich vor allem Zusammenhänge zu neuropsychiatrischen Erkrankungen wie Depression, Schizophrenie und bipolarer Störung.

Sowohl kurzer als auch langer Schlaf hingen zudem mit folgenden Erkrankungen zusammen: chronisch obstruktive Lungenerkrankung, Asthma und Verdauungsstörungen wie Gastritis und Reflux. Beide Muster waren darüber hinaus mit einem erhöhten Sterberisiko aus jeglicher Ursache verknüpft.

Unterschiedliche Wege zur Altersdepression

Bei der Altersdepression – also depressiven Erkrankungen, die erstmals im höheren Lebensalter auftreten – deuten die Ergebnisse auf zwei unterschiedliche biologische Mechanismen hin, je nachdem, ob Betroffene zu kurz oder zu lang schlafen.

Kurzer Schlaf wirke sich nach den Analysen offenbar direkt auf das Krankheitsbild aus, etwa über akuten körperlichen Stress, eine gesteigerte Aktivität des Nervensystems sowie Entzündungsprozesse, die die Stimmungsregulation beeinflussen. Langer Schlaf hingegen sei nicht unmittelbar mit der Erkrankung verknüpft, sondern wirke vor allem indirekt: Er gehe mit einem beschleunigten Altern von Gehirn und Fettgewebe einher, das wiederum das Risiko für eine Altersdepression erhöhe. Langer Schlaf könnte den Autoren zufolge daher weniger eine Ursache als ein Anzeichen für bereits ablaufende Alterungsprozesse oder unerkannte Erkrankungen sein.

„Unsere Studie legt nahe, dass es bei Lang- und Kurzschläfern unterschiedliche biologische Pfade geben könnte, die zum gleichen Ergebnis führen – einer Altersdepression. Und wir sollten sie nicht gleich behandeln“, sagte Studienleiter Junhao Wen laut Mitteilung der Columbia University. Aus den Ergebnissen ließen sich künftig möglicherweise gezieltere Ansätze für Schlafmedizin und Therapie ableiten.

Studie könnte helfen, altersbedingte Krankheiten zu behandeln

Die Autoren weisen darauf hin, dass die Schlafdauer auf Selbstauskunft beruht und die Ergebnisse keinen ursächlichen Zusammenhang belegen. Auch sei unklar, ob sie sich auf andere Bevölkerungsgruppen außerhalb des überwiegend europäischstämmigen UK-Biobank-Kollektivs übertragen lassen.

Die Ergebnisse zeigen jedoch, dass eine Verbesserung der Schlafdauer ein Weg sein könnte, das Risiko altersbedingter Krankheiten zu verringern, sagt Abigail Dove, die nicht an der Studie beteiligt war in einem begleitenden Artikel in Nature. „Schlaf beeinflusst jedes Organ des Körpers“, sagt sie. „Und Schlaf lässt sich bis zu einem gewissen Grad verändern. Das ist ein Instrument, das helfen könnte.“

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