Der Iran-Krieg verändert Europas Gasmarkt schneller als erwartet. Während die EU eigentlich aus russischem Gas aussteigen will, steigen die LNG-Importe aus Russland wieder deutlich an. Gleichzeitig wächst Europas Abhängigkeit von Flüssigerdgas aus den USA weiter rasant.
Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Analyse des amerikanischen Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA). Demnach haben sich Europas LNG-Importe aus den USA zwischen 2021 und 2025 bereits mehr als verdreifacht. 2026 könnten die Vereinigten Staaten laut IEEFA bereits rund zwei Drittel aller europäischen LNG-Importe liefern. Bis 2028 könnte ihr Anteil sogar auf 80 Prozent steigen.
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IEFA-Analystin: Europa bei LNG noch abhängiger von den USA und Russland
Gleichzeitig erreichten Europas Importe von russischem LNG im ersten Quartal 2026 ein Rekordniveau. Russland bleibt damit trotz des geplanten EU-Gasausstiegs weiterhin der zweitgrößte LNG-Lieferant Europas.
„Der Krieg im Nahen Osten hat Europa noch abhängiger von seinen beiden größten LNG-Lieferanten gemacht: den USA und Russland“, erklärte die IEEFA-Analystin Ana Maria Jaller-Makarewicz.
Die Angriffe auf den Iran und die Unsicherheit rund um die Straße von Hormus hatten den globalen LNG-Markt massiv unter Druck gesetzt. Die LNG-Exporte aus Katar fielen zeitweise deutlich niedriger aus.
Trotz geplanten Ausstiegs: Russische LNG-Exporte in die EU bereits um 16 Prozent gestiegen
Besonders bemerkenswert ist dabei die Entwicklung bei russischem LNG. Trotz der europäischen Ausstiegspläne ab 2027 nahmen die Importe aus Russland im ersten Quartal 2026 laut IEEFA um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Frankreich, Belgien und Spanien gehörten erneut zu den wichtigsten Abnehmern.
Parallel dazu steigen auch Russlands Einnahmen aus dem Energiegeschäft wieder deutlich an. Nach Berechnungen des Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA), einer unabhängigen Forschungseinrichtung mit Hauptsitz in Helsinki, erreichten Russlands fossile Exporterlöse im April 2026 mit rund 734 Millionen Euro pro Tag den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren.
CREA: EU wichtigster Käufer von russischem LNG
Besonders stark legten die Einnahmen aus LNG zu. Laut CREA stiegen sie im April um 25 Prozent auf 58 Millionen Euro pro Tag. Die EU blieb dabei der wichtigste Käufer russischen LNGs und nahm mehr als die Hälfte aller russischen LNG-Lieferungen ab.
Die Analysten sehen darin einen geopolitischen Widerspruch: Europa wollte sich nach dem Ukraine-Krieg eigentlich unabhängiger von russischer Energie machen. Mit dem Wegfall der Nord-Stream-Mengen sowie des Gastransits aus der Ukraine sind die gesamten Gasimporte aus Russland tatsächlich stark gesunken. Gleichzeitig steigen die LNG-Importe kontinuierlich an und zeitweise auch die Pipeline-Importe über TurkStream. Nun profitiert Russland ausgerechnet wegen der neuen Energiekrise wieder von hohen Gaspreisen und steigender LNG-Nachfrage.
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Gleichzeitig warnt die IEEFA davor, dass Europa immer weiter auf LNG setzt, obwohl der Gasverbrauch langfristig eigentlich sinken dürfte. Das amerikanische Institut erwartet, dass Europas LNG-Nachfrage bis 2030 um rund 23 Prozent zurückgeht.
Trotzdem planen viele europäische Staaten weiterhin neue LNG-Terminals. Laut IEEFA könnte Europas LNG-Importkapazität bis 2030 sogar deutlich höher liegen als der tatsächliche Bedarf.
Damit wächst nach Ansicht der Analysten nicht nur die geopolitische Abhängigkeit Europas, sondern auch das Risiko milliardenschwerer Fehlinvestitionen in kaum ausgelastete Infrastruktur.
„LNG ist zur Achillesferse der europäischen Energiestrategie geworden“, warnte Jaller-Makarewicz. Europa bleibe dadurch hohen Gaspreisen und neuen Formen von Lieferunterbrechungen ausgesetzt.
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