Energie

Kraft Sibiriens 2: Putin drängt in China auf Milliarden-Deal mit Gazprom

Putin reist am Dienstag nach China, um bei Kraft Sibiriens 2 endlich Bewegung zu erzwingen. Doch Xi hält Russland beim Milliardenprojekt seit Jahren hin.

4 Min
Luftaufnahme einer Bohranlage auf dem Öl- und Gasfeld Chayandinskoye in Jakutien aus dem Jahr 2015. Die Anlage ist Teil des Projekts „Sila Sibiri – Kraft Sibiriens“ von Gazprom. (Symbolbild)

Luftaufnahme einer Bohranlage auf dem Öl- und Gasfeld Chayandinskoye in Jakutien aus dem Jahr 2015. Die Anlage ist Teil des Projekts „Sila Sibiri – Kraft Sibiriens“ von Gazprom. (Symbolbild)

© imago stock&people

Wladimir Putin reist am Dienstagnachmittag erneut nach China – und wieder steht das gleiche milliardenschwere Energieprojekt im Mittelpunkt: die neue Gaspipeline Kraft Sibiriens 2 (Russisch: Sila Sibiri 2).

Kreml-Berater Juri Uschakow erklärte, das Projekt stehe offiziell auf der Agenda der Gespräche mit Xi Jinping und solle „sehr detailliert“ besprochen werden. Bereits zum fünften Mal seit dem Beginn der Invasion der Ukraine im Februar 2022 versucht der Kreml-Chef, Chinas Staatschef Xi zu einem endgültigen Deal über die Pipeline zu bewegen. Diesmal könnte der Iran-Krieg Putins Chancen tatsächlich verbessern.

Besuch in China: Putin setzt auf Kraft Sibiriens 2

Denn der Konflikt im Nahen Osten und die Blockade der Straße von Hormus haben rund 20 Prozent der weltweiten LNG-Ströme beeinträchtigt. Genau dadurch gewinnen stabile Gaslieferungen über Pipelines für China plötzlich wieder stärker an Bedeutung.

Darauf setzt offenbar auch Moskau. Die Krise im Nahen Osten könnte Chinas Haltung bei den seit Jahren festgefahrenen Preisverhandlungen verändern.

Russland verfolgt das Projekt Kraft Sibiriens 2 bereits seit Jahren. Die Pipeline soll jährlich bis zu 50 Milliarden Kubikmeter Gas von Russland über die Mongolei nach China transportieren. Sie würde die bereits bestehende Pipeline Kraft Sibiriens ergänzen, über die Gazprom seit Ende 2019 Gas nach China liefert. Seit Ende 2024 liefert Kraft Sibiriens laut Gazprom jährlich rund 38 Milliarden Kubikmeter Gas nach China und hat damit ihre bisherige Kapazität erreicht.

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Neue russische Gaspipeline nach China: Seit über zehn Jahren keine Einigung

Bei der neuen Pipeline konnten sich die beiden Seiten trotz jahrelanger Verhandlungen bis heute nicht auf zentrale Punkte einigen. Vor allem der Gaspreis bleibt umstritten. China verlangt seit langem deutlich niedrigere Gaspreise und orientiert sich dabei teilweise sogar am russischen Inlandspreis. Russland war bislang jedoch nicht bereit, diese Konditionen zu akzeptieren.

Dabei ist die neue Pipeline für Russland strategisch enorm wichtig. Seit dem Stopp der Nord-Stream-Lieferungen nach Europa und dem geplanten EU-Gasausstieg ab 2027 sucht Gazprom dringend neue Großabnehmer in Asien.

Bloomberg berichtet, Gazprom habe China inzwischen ein besonders günstiges Preisangebot unterbreitet. Trotzdem habe Peking bislang keine endgültige Zustimmung signalisiert.

Iran-Krieg verändert Chinas Blick auf Energiesicherheit

Der Krieg im Nahen Osten verändert nun jedoch die geopolitische Lage. Experten sehen darin einen möglichen Wendepunkt für die Pipeline-Verhandlungen.

„Die Krise rund um den Iran zeigt, dass die Sicherheit traditioneller Transportwege nicht mehr selbstverständlich ist“, sagte Wang Yiwei von der Renmin University laut Bloomberg. Dadurch müsse China alternative Versorgungsrouten stärker absichern.

Auch die Oxford-Expertin Michal Meidan erklärte gegenüber der Exil-Zeitung The Moscow Times, die Blockade wichtiger LNG-Routen mache Pipelines für China strategisch attraktiver. Gleichzeitig erinnert sie daran, dass China traditionell vermeiden wollte, zu abhängig von russischen Pipeline-Lieferungen zu werden.

Bislang sei deshalb weiter offen, ob Peking dem Projekt tatsächlich grünes Licht geben werde.

Russland reist mit riesiger Delegation nach Peking

Wie wichtig Moskau das Treffen nimmt, zeigt auch die Größe der russischen Delegation. Laut dem Kreml-Vertreter Uschakow reisen insgesamt 39 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Staatskonzernen nach China.

Neben Außenminister Sergej Lawrow und Zentralbankchefin Elwira Nabiullina nehmen unter anderem Gazprom-Chef Alexej Miller, Rosneft-Chef Igor Setschin sowie Novatek-Chef Leonid Michelson an der Reise teil.

Nach Angaben des Kremls sollen rund 40 Dokumente unterzeichnet werden. Neben Energiefragen stehen auch Transportkorridore, Industrieprojekte, Rohstoffe, Arktisrouten und Finanzkooperationen auf der Agenda.

Die offiziellen Gespräche zwischen Putin und Xi beginnen am Mittwochmorgen in Peking. Am Abend ist zusätzlich ein informelles Treffen der beiden Staatschefs bei Tee vorgesehen. Gerade dort dürften die sensibelsten geopolitischen Fragen besprochen werden, darunter auch die Zukunft von Kraft Sibiriens 2.

Trotz neuer Hoffnungen bleibt jedoch ein entscheidender Punkt offen: Russland braucht die Pipeline heute deutlich dringender als China.

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