Die US-Regierung hat die Teilnahme am Permanent Joint Board on Defense (PJBD), einem seit 1940 bestehenden Beratungsgremium für die gemeinsame Verteidigung Nordamerikas, ausgesetzt. Wie der US-Unterstaatssekretär für Verteidigungspolitik, Elbridge Colby, am Montag auf der Plattform X mitteilte, habe Kanada „keine glaubwürdigen Fortschritte bei seinen Verteidigungsverpflichtungen“ erzielt.
Colby schrieb, nur durch Investitionen in eigene Verteidigungsfähigkeiten könnten Amerikaner und Kanadier sicher und wohlhabend bleiben. Er verwies dabei auf eine Rede von Premierminister Mark Carney beim Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar, in der dieser von einem „Bruch der Weltordnung“ gesprochen hatte, ohne US-Präsident Donald Trump direkt zu erwähnen.
Nach Angaben der kanadischen Nachrichtenagentur The Canadian Press hat Kanada seine Verteidigungsausgaben deutlich erhöht und 2025 mit 63,4 Milliarden Dollar erstmals das Nato-Ziel von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreicht. Carney bezeichnete dies als „größte jährliche Steigerung der Verteidigungsinvestitionen seit Generationen“. Auf Nato-Ebene haben sich die Mitglieder inzwischen auf eine Anhebung auf fünf Prozent des BIP bis 2035 verständigt, wie CBC News berichtet.
Schritt der USA „zutiefst fehlgeleitet“
Der ehemalige konservative Parteichef Erin O'Toole bezeichnete den US-Schritt laut The Canadian Press als „zutiefst fehlgeleitet“. Fen Osler Hampson, Professor für internationale Beziehungen an der Carleton University in Ottawa, nannte die Maßnahme „bedrohlich“ und warnte, die Trump-Regierung schieße sich „selbst ins Knie“. Es könnte sich laut Hampson auch um einen Warnschuss vor anstehenden Beschaffungsentscheidungen handeln – insbesondere mit Blick auf die Lockheed-Martin-Kampfjets F-35, deren Bestellung von 88 Maschinen die liberale Regierung seit über einem Jahr überprüft.
Der frühere kanadische Co-Vorsitzende des Gremiums, John McKay, äußerte gegenüber CBC News Enttäuschung. Die Entscheidung werfe Fragen zur Modernisierung des NORAD-Kommandos, zur militärischen Zusammenarbeit in der Arktis und zu Kanadas künftigen F-35-Käufen auf. Der Sicherheitsexperte Imran Bayoumi vom Scowcroft Center for Strategy and Security der US-Denkfabrik Atlantic Council nannte die Aussetzung gegenüber CBC News eine „unnötige Provokation“, die auch als Druckmittel zum Kauf weiterer US-Rüstungsgüter dienen könnte.
Verteidigungsminister David McGuinty erklärte laut CBC News, Kanada werde mit „vertrauenswürdigen Partnern“ zusammenarbeiten und bleibe gesprächsbereit. Das Pentagon lehnte weitere Stellungnahmen ab.
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