Nach dem Einsturz eines Wohnhauses im sächsischen Görlitz hat die Polizei die Hoffnung auf Überlebende unter den Trümmern noch nicht aufgegeben. „Wir gehen derzeit davon aus, dass wir noch Überlebende finden können“, sagte ein Polizeisprecher der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung und der Berliner Zeitung am Mittwochvormittag. Die Einsatzkräfte arbeiteten „auf Hochtouren“. Nach wie vor werden drei Menschen vermisst.
Kräfte des THW bei der Arbeit
© Lennart Zielke
Plötzlich war es still
Gegen 19:30 Uhr herrschte plötzlich völlige Stille am Unglücksort. Feuerwehrleiterin Anja Weigel sagte: „Wir sind bei den Beräumungsarbeiten nun im ersten Obergeschoss angekommen. Dabei wurden mehrere Hohlräume freigelegt.“
Die Einsatzkräfte setzten zeitweise Sonden und Sonargeräte ein, um Lebensäußerungen wie Stimmen oder die Atmung von den vermissten Personen aufzuspüren. Bislang jedoch ohne Erfolg.
„Die Einsatzkräfte sind erschöpft, können nach stundenlanger Arbeit leider noch keinen Fund verbuchen“, so Weigel. Sie sprach bei Einbruch der Dunkelheit aber trotzdem von einem „Hoffnungsschimmer“.
Zur Bergung sind nach Polizeiangaben derzeit zwei schwere Kräne im Einsatz, im Hintergrund arbeiten das Technische Hilfswerk (THW) und die Feuerwehr. Eine dreistellige Zahl an Einsatzkräften ist im Dreischichtbetrieb tätig. Bei dem eingestürzten Gebäude handelte es sich um einen Bau mit Erdgeschoss, zwei Obergeschossen und Spitzdach.
Schweres Gerät im Einsatz
„Auf beiden Seiten der Unglücksstelle wird mittlerweile mit schwerem Gerät gearbeitet, mit Kränen, Radladern, Baggern“, sagte Feuerwehrsprecherin Anja Weigel. Immer mal wieder stießen THW und Feuerwehr auf Hohlräume. Gefunden wurde bislang jedoch nichts. „Je tiefer wir kommen, desto höher liegen die Chancen, dass wir etwas finden“, so Weigel.
Doch noch immer kann schweres Gerät nicht komplett eingesetzt werden. „Der Schutthaufen muss größtenteils per Hand beräumt werden, da durch den Einsatz von schwerem Gerät Verletzungsgefahr für die Opfer besteht“, sagt Daniel Hofmann, Pressesprecher des THW für Sachsen.
Die Kameraden seien aus der Region, aber auch aus dem Bundesgebiet. „Viele der 50 bis 60 THW-Kräfte waren auch nach der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 im Einsatz. Die Kameraden werden psychosozial betreut. Niemand weiß, wie er reagiert, wenn er auf einen leblosen Körper trifft. Das ist ein klassischer Bergungseinsatz, den wir so auch immer wieder üben“, erklärt Hofmann.
Feuerwehrsprecherin Weigel und Oberbürgermeister Ursu
© Lennart Zielke
Auch Oberbürgermeister Octavian Ursu (CDU) kam am frühen Nachmittag zum Unglücksort und dankte den Helfern. „Kameraden aus den umliegenden Gemeinden und dem gesamten Landkreis Görlitz sind vor Ort. Die Hilfsbereitschaft in der Stadt ist riesig.“
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Weitere Vermisstenanzeigen liegen nicht vor
Ob sich zum Zeitpunkt des Einsturzes weitere Personen vor dem Gebäude aufhielten, ist nach Angaben der Polizei bislang unklar. Weitere Vermisstenanzeigen lägen aktuell nicht vor. Sollten Leichenteile gefunden werden, würden Kriminaltechniker die Arbeit und damit auch die Ermittlungen aufnehmen.
Große Anteilnahme in Rumänien
In Rumänien ist das Interesse an dem Unglück groß. Journalist Cristian Popovic vom Nachrichtensender antena 1 aus Bukarest sagte der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung und der Berliner Zeitung: „Wir haben gestern vom Außenministerium erfahren, dass zwei unserer Staatsbürgerinnen vermisst werden. Jeder Sender und jede Zeitung in Rumänien berichtet darüber.“
Im Umfeld des Unglücksortes hält sich auch der Verlobte einer der beiden Vermissten auf. Er berichtete, dass seine Freundin Kopfschmerzen bekommen habe und er deshalb Medikamente kaufen war. Genau in dieser Zeit sei das Haus eingestürzt. Ursprünglich hätten er, seine Verlobte und eine Bekannte der beiden nach Frankfurt am Main weiterreisen wollen, um dort eine Arbeit aufzunehmen.
Lage für Anwohner
Gebäude im äußeren Radius der Sicherungszone entlang der James-von-Moltke-Straße sind nach Angaben der Polizei wieder bewohnbar. Der Zutritt zu den Häusern im inneren Radius ist für die Bewohner nur zeitweise und in Begleitung der Polizei möglich. Ein Großteil der Evakuierten ist bei Verwandten und Bekannten untergebracht, in der Stadt steht eine Notunterkunft bereit.
18 Haushalte sind derzeit ohne Gasversorgung und damit auch ohne Heizung und Warmwasser. Die Explosionsgefahr sei dadurch gebannt, hieß es von der Polizei. Sie ist weiterhin zur Sicherung des Unglücksortes im Einsatz.
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