Sexualstrafrecht

Kenia: Gericht schützt Teenager vor Strafverfolgung bei einvernehmlichem Sex

Der High Court stoppt zwei Verfahren gegen Jugendliche. Polizei und Staatsanwaltschaft müssen künftig zwischen Missbrauch und Beziehungen Gleichaltriger unterscheiden.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Verhütung und Beratung: Kenias High Court verweist auf das Recht Jugendlicher auf Gesundheit und Privatsphäre.

Verhütung und Beratung: Kenias High Court verweist auf das Recht Jugendlicher auf Gesundheit und Privatsphäre.

© James Wakibia/imago

Der High Court in Kenia hat zentrale Bestimmungen des Sexual Offences Act, des kenianischen Sexualstrafgesetzes, für verfassungswidrig erklärt, soweit sie auf einvernehmliche sexuelle Beziehungen zwischen etwa gleichaltrigen Jugendlichen angewandt werden. Das berichtete am Donnerstag die Tageszeitung Daily Nation. Richter Bahati Mwamuye entschied, dass die Paragrafen 8, 9 und 11 des Gesetzes nicht greifen, wenn es keine Hinweise auf Zwang, Missbrauch oder ein Machtgefälle gibt.

Zwei Verfahren gestoppt

Laut Daily Nation verletzt die bisherige Praxis mehrere Verfassungsartikel, darunter das Recht auf Würde, Privatsphäre und Gesundheit. Das Gericht stoppte zwei Verfahren gegen Jugendliche.

Die Nachrichtenagentur Reuters schildert die zugrundeliegenden Fälle: Ein 17-Jähriger wurde im Februar 2025 wegen sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen angeklagt, nachdem die Polizei ein Zimmer durchsucht hatte, das er mit seiner 16-jährigen Freundin teilte. Ein weiterer 17-Jähriger geriet nach einer Schwangerschaft in einer Beziehung unter Gleichaltrigen ins Visier der Justiz; die Anklage wurde im Mai 2025 zurückgezogen. Als erwachsen gilt in Kenia, wer 18 Jahre oder älter ist.

Kenia ist ein junges, weiter wachsendes Land: Der UN-Bevölkerungsfonds UNFPA schätzt die Bevölkerung 2025 auf 57,5 Millionen Menschen, 36 Prozent davon sind jünger als 15 Jahre. Die nationale Demografie- und Gesundheitsstudie KDHS kam 2022 für die Bevölkerung in Privathaushalten sogar auf 40 Prozent unter 15 Jahren. Die durchschnittliche Kinderzahl je Frau ist zwar auf 3,4 gesunken, doch die Altersstruktur stellt Schulen, Ausbildungssystem, Arbeitsmarkt und Gesundheitsversorgung vor wachsende Aufgaben. Hinzu kommen frühe Schwangerschaften: 15 Prozent der Mädchen und jungen Frauen zwischen 15 und 19 Jahren waren laut KDHS 2022 bereits schwanger oder Mutter.

Klage von Organisationen und Jugendnetzwerk

Eingereicht hatten die Klage laut Reuters im August 2025 das Centre for Reproductive Rights und das Reproductive Health Network Kenya, zwei Organisationen für reproduktive Rechte, im Namen dreier Jugendlicher, sowie das panafrikanische Jugendnetzwerk Network for Adolescent and Youth of Africa (NAYA).

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Sie argumentierten, das Gesetz unterscheide nicht zwischen Ausbeutung und üblichen Beziehungen unter Jugendlichen und liefere Minderjährige Festnahmen, Untersuchungshaft und langen Haftstrafen aus. Die Paragrafen 8, 9 und 11 sehen für sexuelle Handlungen bei Minderjährigen teils jahrelange bis lebenslange Haftstrafen vor.

Auflagen für Justiz und Polizei

Die Generalstaatsanwaltschaft muss laut Urteil verbindliche Leitlinien für solche Fälle ausarbeiten und im Amtsblatt veröffentlichen. Die nationale Polizei soll ihre Ermittlungs- und Festnahmepraxis bei Minderjährigen entsprechend anpassen. Die Behörden für Gesundheit, Bildung und Kinderschutz wurden verpflichtet, gemeinsame Regeln zu entwickeln, damit Jugendliche ohne Furcht vor Strafverfolgung Beratung zu sexueller und reproduktiver Gesundheit erhalten.

Der Richter stellte laut Daily Nation klar, dass das Urteil Übergriffe nicht deckt. Ermittler und Staatsanwälte müssten einvernehmliche Kontakte unter Gleichaltrigen klar von Zwang, Missbrauch oder Manipulation trennen. Behörden hatten die bisherigen Regeln mit dem Schutz vor erwachsenen Tätern begründet.

Victor Rasugu, Geschäftsführer von NAYA Kenya, sagte gegenüber Reuters, junge Menschen in Kenia hätten in Angst gelebt, eine Klinik aufzusuchen oder mit Erwachsenen zu sprechen, weil eine Beziehung in einer Polizeizelle enden konnte. Die Organisation werde auf eine umfassende Reform des Sexualstrafrechts dringen.

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