Der Bundestag hat den Weg für die weitere Planung mehrerer Milliarden-Bahnprojekte freigemacht, darunter eine Neubaustrecke von Dresden bis zur tschechischen Grenze, die Teil eines internationalen Hochgeschwindigkeitskorridors zwischen Berlin, Prag und Wien werden soll.
Außerdem geht es um die Neubaustrecke Augsburg–Ulm sowie den Ausbau der „Marschbahn“ von Niebüll nach Westerland in Schleswig-Holstein. Dem Beschluss waren lange Vorplanungen der Deutschen Bahn vorausgegangen. Das Bundesverkehrsministerium legte dem Bundestag dazu Berichte mit jeweils einer „Vorzugsvariante“ vor, zu denen der Verkehrsausschuss Beschlussempfehlungen erarbeitete.
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30-Kilometer-Tunnel durch das Erzgebirge
Kern der geplanten Neubaustrecke zwischen Dresden und der tschechischen Grenze ist nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums ein 30 Kilometer langer Tunnel durch das Erzgebirge. Die Reisezeit zwischen Dresden und Prag soll sich von 2,5 Stunden auf künftig eine Stunde verkürzen.
Die neue Trasse soll den Engpass auf der durch das Elbtal verlaufenden Bestandsstrecke auflösen und die vom Lärm betroffenen Anwohner im oberen Elbtal entlasten. Der Güterverkehr soll auf die Neubaustrecke verlagert werden. Die geschätzten Gesamtkosten liegen bei mindestens rund 5,6 Milliarden Euro.
Der Baubeginn ist nach Angaben der Bahn-Infrastruktursparte InfraGO für Dezember 2032 vorgesehen, die Inbetriebnahme für Ende 2044. Sofern der Bundestag der Fortführung zustimme, könne ein Staatsvertrag mit Tschechien unterzeichnet werden, hieß es aus dem Ministerium – vorausgesetzt, die Haushaltsmittel seien geklärt.
Neue Hochgeschwindigkeitsstrecke Augsburg–Ulm
Die bisherige, rund 85 Kilometer lange Schienenverbindung zwischen Augsburg und Ulm ist nach Angaben von InfraGO etwa 170 Jahre alt und entspricht nicht mehr den Anforderungen einer modernen Hochgeschwindigkeitsstrecke. Ein Ausbau sei nicht möglich. Die neue Strecke soll weitgehend parallel zur Autobahn 8 verlaufen, die Fahrtzeit der ICE soll sich von mehr als 40 auf 26 Minuten verkürzen.
Die Züge sollen künftig bis zu 300 Kilometer pro Stunde fahren können. Damit sollen die Anforderungen des geplanten „Deutschlandtakts“ erfüllt werden. Die geschätzten Gesamtkosten liegen bei mindestens knapp 8,2 Milliarden Euro.
Marschbahn nach Sylt soll ausgebaut werden
Die Strecke nach Sylt gilt als Nadelöhr und ist stark belastet. Geplant ist ein zweigleisiger Streckenausbau zwischen Niebüll und Klanxbüll sowie zwischen Morsum und Tinnum. Auf dem Abschnitt zwischen Niebüll und Klanxbüll sollen die Züge künftig statt 100 dann 140 Kilometer pro Stunde fahren können. Die Gesamtkosten werden auf mindestens rund 426 Millionen Euro geschätzt.
Finanzierung noch offen
Der Baubeginn liegt bei allen Projekten noch viele Jahre in der Zukunft. Zudem muss die Finanzierung sichergestellt werden. Das Bundesverkehrsministerium sieht für den Ausbau von Bahnstrecken in den kommenden Jahren Milliardenlücken in der Finanzplanung.
Ein Sprecher sagte, das Ministerium arbeite an einer Lösung. Die Grünen-Haushälterin Paula Piechotta erklärte: „Es braucht eine große Lösung im Haushalt für echte zusätzliche Investitionen in die Verkehrswege.“ (mit dpa)
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