Im Südosten Lettlands ist am Samstagmorgen gegen 8 Uhr eine Drohne in den Dridza-See in der Gemeinde Krāslava gestürzt und beim Aufprall auf die Wasseroberfläche explodiert. Das teilte die lettische Staatspolizei auf X mit. Verletzte gab es nach Polizeiangaben nicht. Informationen über Herkunft und Bauart des Flugkörpers liegen zunächst nicht vor.
Die Polizei rückte nach Hinweisen von Anwohnern zum Unglücksort aus und fand dort mutmaßliche Drohnentrümmer, wie der lettische Sender LSM meldet. Wegen der weitläufigen Suchzone wurden zusätzliche Kräfte mobilisiert: eine weitere Polizeieinheit mit eigener Drohne, Mitarbeiter des Staatlichen Feuerwehr- und Rettungsdienstes mit einem Boot sowie die Nationalen Streitkräfte (NBS). Die Arbeiten am Ort dauerten an.
Auffällig ist, dass das Militär nichts bemerkte: Die Sensoren der Streitkräfte hätten kein in den lettischen Luftraum eindringendes Fluggerät registriert, sagte Māris Tūtins, Leiter der Abteilung für Informationsanalyse beim Generalstab der NBS, gegenüber LSM. Deshalb sei auch keine Handy-Warnung an die Bevölkerung verschickt worden. „Die Sensorinformationen reichten nicht aus, um die Mobilfunk-Warnung auszulösen“, so Tūtins.
Die amtierende Ministerpräsidentin Evika Siliņa erklärte auf der Plattform X, sie stehe mit den zuständigen Diensten in Kontakt und erwarte möglichst detaillierte Angaben zu den Umständen des Vorfalls. Sie rief die Anwohner auf, den offiziellen Informationen zu folgen.
Regierungskrise durch Drohnenvorfälle
Augenzeuge Vadims Stepanovs, der am See angelte, schilderte dem Sender Latvian Radio den Vorfall: Das Objekt habe wie ein Moped geklungen, sei über den See und eine Insel geflogen, dann sei der Motor ausgegangen und das Gerät in den See gestürzt und explodiert. Er sei etwa ein bis anderthalb Kilometer entfernt gewesen. Der Dridza-See ist langgestreckt und rund zehn Kilometer lang.
Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, liegt der See rund 20 Kilometer von der belarussischen und etwa 100 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. In den vergangenen Monaten kam es laut dem Portal tvnet wiederholt zu Vorfällen, bei denen mutmaßlich im Ukraine-Krieg eingesetzte Drohnen in den lettischen Luftraum eindrangen oder dort detonierten. Am 7. Mai traf eine solche Drohne ein kaum genutztes Öllager in Rēzekne.
Dieser Zwischenfall führte laut dpa zunächst zum Rücktritt von Verteidigungsminister Andris Spruds und anschließend zum Sturz der von Siliņa geführten Regierung. Verhandlungen über eine neue Regierung laufen, bis dahin bleibt Siliņas Kabinett geschäftsführend im Amt.
Für zusätzliche Spannungen sorgten nach dpa-Angaben Vorwürfe aus Russland. Der russische Auslandsgeheimdienst SWR behauptete ohne Belege, ukrainische Drohnen würden von lettischem Gebiet aus gestartet, und drohte dem EU- und Nato-Land. Riga wies die Darstellung als Lüge zurück; EU und Nato stellten sich hinter Lettland.
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