Der frühere schleswig-holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) hat seiner Partei geraten, sich für eine themenbezogene Zusammenarbeit mit der AfD zu öffnen. Als Beispiel nannte er die anstehende Regierungsbildung in Mecklenburg-Vorpommern.
Es wäre womöglich einfacher, wenn die Sozialdemokraten wie in Dänemark als Erste bei bestimmten Themen mit Rechtspopulisten zusammenarbeiteten, so Albig. Es gehe um jene Themen, die SPD-Wähler derzeit in die Arme der AfD trieben.
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Konkret könne er sich vorstellen, dass nach der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) ihre Mehrheiten im Landtag je nach Thema suche, sagte Albig. Vielparteienbündnisse mit CDU, Linken, Grünen oder BSW belasteten die Leistungsfähigkeit der Demokratie und ließen nur frustrierte Wähler zurück, so der Politiker gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung.
Einer aktuellen Umfrage zufolge kommt die AfD in Mecklenburg-Vorpommern auf 36 Prozent der Stimmen. Die SPD liegt bei 27 Prozent. Auf den dritten Platz kam die Linke mit 13 Prozent und überholte damit die CDU, die auf zehn Prozent abrutschte. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) erreichte fünf Prozent und würde so den Einzug in den Landtag schaffen. Die Grünen kämen mit vier Prozent derzeit nicht ins Parlament, ebenso wenig die FDP. In Mecklenburg-Vorpommern wird am 20. September ein neuer Landtag gewählt.
Eine Zusammenarbeit bedeute nicht, dass die SPD das ideologische Gedankengut von Rechtspopulisten teile, sagte Albig der Zeitung. Vielmehr wolle man verlorenen Wählern signalisieren: „Wir haben verstanden – kommt wieder nach Hause." Alte Genossen träten eins zu eins in die AfD ein, und das sicher nicht, weil sie alle Nazis geworden seien, sondern weil sie bei der SPD etwas vermissten.
Albig: AfD ist nicht „Ausgeburt der Hölle“
„Wenn 30 Prozent diese Partei wählen, können wir nicht auf Dauer so tun, als wäre das die Ausgeburt der Hölle“, sagte Albig. Ein Festhalten am bisherigen Kurs berge die Gefahr, dass es die Sozialdemokratie hierzulande bald nicht mehr gebe.
Albig war von 2009 bis 2012 Oberbürgermeister von Kiel und anschließend bis 2017 Regierungschef in Schleswig-Holstein. Nach einer verlorenen Landtagswahl wechselte er in die Wirtschaft, seit 2023 arbeitet der 62-Jährige als Lobbyist für den Tabakkonzern Philip Morris.
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