Palästina

Gaza-Waffenruhe wackelt: Israelischer Angriff auf Polizeiposten fordert sechs Todesopfer

Bei einem israelischen Luftangriff im Gazastreifen wurden sechs Menschen getötet, darunter ein 13-Jähriger. Israel und die Hamas werfen einander Bruch der Waffenruhe vor.

Lea Brüggemann
Lea Brüggemann
3 Min
Die „gelbe Linie“ markiert die im Rahmen der Waffenruhe vereinbarte Rückzugsposition Israels.

Die „gelbe Linie“ markiert die im Rahmen der Waffenruhe vereinbarte Rückzugsposition Israels.

© Ahmed Ibrahim/dpa

Ein israelischer Luftangriff auf einen palästinensischen Polizeiposten im nördlichen Gazastreifen hat am Samstag laut der von der Hamas kontrollierten Polizeibehörde mindestens fünf Polizisten und einen 13-jährigen Jungen getötet. Mehrere weitere Personen seien verletzt worden, teilte die Polizeidirektion mit, die seit der von den USA im Oktober vermittelten Waffenruhe für die Sicherheit in den von der Hamas kontrollierten Gebieten zuständig ist. Zwei Raketen hätten den Posten im Gebiet Tawam getroffen, so die Behörde laut der Nachrichtenagentur Reuters. Das israelische Militär äußerte sich zunächst nicht zu der Anfrage.

Die israelische Armee meldete zwei separate Vorfälle, bei denen Soldaten der Fallschirmjägerbrigade im Süden sowie der 14. Brigade im Norden des Gazastreifens mehrere „Terroristen“ getötet hätten. Diese hätten die sogenannte gelbe Linie überschritten und sich den Truppen bedrohlich angenähert. Die gelbe Linie markiert die im Rahmen der Waffenruhe vereinbarte Rückzugsposition Israels. Das Militär verwies darauf, im Einklang mit dem Abkommen jede unmittelbare Bedrohung abzuwehren.

Israel und Hamas werfen sich Bruch der Waffenruhe vor

Hamas und Israel werfen sich gegenseitig vor, die seit Oktober 2025 geltende Waffenruhe zu verletzen, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Hamas-Sprecher Hasem Kassem verwies auf die Bombardierung von Wohnhäusern und die dadurch ausgelöste Flucht der Bevölkerung. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bestätigte, dass Israel inzwischen 60 statt zuvor 50 Prozent des Gazastreifens militärisch kontrolliert, wie die dpa berichtet.

Nach Angaben der dpa warnte Nikolaj Mladenow, der Gaza-Sondergesandte des von US-Präsident Donald Trump eingesetzten Board of Peace, am Donnerstag vor dem UN-Sicherheitsrat: Ohne eine Entwaffnung der Hamas drohe sich die Lage im Gazastreifen dauerhaft zu verschlechtern. Eine Finanzierung des Wiederaufbaus werde ohne Niederlegung der Waffen ausbleiben. Mladenow nannte die Hamas das „Haupthindernis“ für die Waffenruhe, weil sie eine überprüfbare Entwaffnung ablehne.

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Kritiker werfen dem Board of Peace laut dem Guardian mangelnde Ausgewogenheit vor. Israel habe seine Pflichten nicht erfüllt, etwa die Zulassung von 600 Hilfslastwagen täglich, und kontrolliere mehr Gebiet als vereinbart. Laut palästinensischen Gesundheitsbehörden wurden seit Beginn der Waffenruhe mehr als 880 Palästinenser getötet. Mindestens vier israelische Soldaten kamen bei Angriffen ums Leben, wie Reuters berichtete.

Der israelisch-britische Analyst Daniel Levy sagte dem Guardian, die Hamas sei zur Übergabe der Regierungsgewalt bereit, werde sich aber nicht ergeben. Gershon Baskin kritisierte, Israel blockiere die Einreise der in Kairo wartenden Mitglieder des palästinensischen Verwaltungskomitees NCAG in den Gazastreifen. Das Gremium aus Fachleuten soll dort die Verwaltung übernehmen.

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