Wer den Sommerurlaub 2026 plant, muss sich auf höhere Ticketpreise und stärkere Preisschwankungen einstellen. Der Weltluftfahrtverband IATA meldet in seinem Fuel Monitor, einer regelmäßig aktualisierten Übersicht der Kerosinpreise, für die vergangene Woche einen weltweiten Durchschnittspreis von 162,55 US-Dollar je Barrel. Ein Barrel entspricht 159 Litern. Ursprünglich hatte die IATA für 2026 mit 88 US-Dollar je Barrel gerechnet. Treibstoff macht laut einer Analyse des Versicherers Allianz 30 bis 35 Prozent der Kosten von Fluggesellschaften aus. Preissprünge können sich deshalb rasch in höheren Ticketpreisen niederschlagen.
Die europäische Flugsicherungsorganisation Eurocontrol bezifferte den durchschnittlichen Kerosinpreis in Europa Anfang Mai auf 3,94 US-Dollar je US-Gallone; Ende März waren es 4,73 US-Dollar. Eine US-Gallone entspricht 3,785 Litern. In den USA lag der durchschnittliche Einzelhandelspreis für Jet-A-Kerosin im Mai laut Aviation Week bei 8,57 US-Dollar je US-Gallone, einschließlich Steuern und Gebühren. Die Werte sind deshalb nur bedingt vergleichbar.
Besonders betroffen ist Europa. Laut der Allianz produziert der Kontinent nur rund 50 Prozent seines Kerosinbedarfs selbst, etwa 70 Prozent der Importe stammen aus dem Golf. Die Lieferungen aus dem Nahen Osten nach Nordwesteuropa brachen im März um 90 Prozent gegenüber dem Vormonat ein, im April lagen sie bei nahezu null. Die Lieferungen aus Nahost und den USA gingen insgesamt um 82 Prozent zurück.
Airlines senden unterschiedliche Signale
Die Reaktionen der Fluggesellschaften fallen unterschiedlich aus. Ryanair-Chef Michael O'Leary sagte dem Guardian, sein Unternehmen habe „fast keine Bedenken“ mehr bezüglich der Treibstoffversorgung in Europa, da Lieferungen aus Westafrika, Norwegen und Amerika fließen. Ryanair hat 80 Prozent seines Kerosinbedarfs bis April 2027 zu rund 67 US-Dollar (63 Euro) pro Barrel abgesichert. Finanzchef Neil Sorahan rechnet nicht mit Versorgungsengpässen im Sommer.
Auch der britische Ferienflieger Jet2 erklärte in einer Mitteilung vom 20. Mai, der Sommerflugplan solle wie geplant laufen. CEO Steve Heapy verwies auf erhöhte Produktion und zusätzliche Importe aus nicht vom Konflikt betroffenen Regionen. Jet2 garantiert seinen Kunden zudem, keine Treibstoffaufschläge auf bereits gebuchte Flüge zu erheben. Laut Konzernchef Sheikh Ahmed bin Saeed Al Maktoum hat sich Emirates wiederum bis 2028/29 gegen Preisrisiken abgesichert. American Airlines rechnet laut Guardian dagegen mit Mehrkosten von vier Milliarden US-Dollar (3,7 Milliarden Euro) durch teureren Treibstoff allein in diesem Jahr.
Der Finanz- und Rohstoffdatenanbieter S&P Global meldet bereits konkrete Folgen: Flugkapazitäten werden in Europa und Asien gekürzt, Preise steigen. Die Allianz erwartet bei internationalen Strecken Fahrpreiserhöhungen von 5 bis 15 Prozent sowie Kapazitätskürzungen von 2 bis 5 Prozent in Europa. Treibstoffzuschläge liegen demnach bei 20 bis 60 US-Dollar (19 bis 26 Euro) auf Kurz- und Mittelstrecken sowie bei 80 bis 150 US-Dollar (75 bis 140 Euro) auf Langstrecken. Die Allianz geht davon aus, dass selbst bei einer Wiederöffnung der Straße von Hormus drei bis sechs Monate bis zum vollständigen Hochfahren der Raffinerien dauern wird.
Bei Ryanair fallen die Preise sogar
Eine Besonderheit zeigt sich bei Europas größtem Billigflieger: Ryanair meldet im Quartal bis Juni sogar sinkende Ticketpreise und erwartet für den Sommer 2026 Tarife auf Vorjahresniveau. Ursprünglich war ein leichter Anstieg prognostiziert worden. Der Grund ist die Verunsicherung der Verbraucher durch den Nahost-Konflikt: Viele Reisende warten mit der Buchung ab, die Nachfrage in der Vorausbuchungsphase ist schwach. Airlines senken deshalb die Preise, um ihre Maschinen zu füllen.
Wer kurzfristig bucht, profitiert davon allerdings nicht. Ryanair-Finanzchef Neil Sorahan warnte im Guardian, wer spät buche, müsse mit höheren Preisen rechnen. Denn die Last-Minute-Nachfrage sei weiterhin hoch und treffe dann auf ein knappes Sitzplatzangebot. Dan Coatsworth vom Broker AJ Bell sagte dem Guardian, der Markt sei derzeit „zu fragil“, um Preise anzuheben – die ohnehin hohe Inflation drücke die Konsumausgaben zusätzlich.
Verbraucherschützer und Branchenbeobachter raten Reisenden laut S&P Global und Allianz zu früher Buchung, Direktflügen, flexiblen Tarifen und großzügigen Umsteigezeiten. Mit flächendeckenden Flugausfällen rechnet aktuell keine der zitierten Quellen. Sowohl Eurocontrol als auch die befragten Airlines erwarten für den Sommer jedoch häufigere Verspätungen, kurzfristige Preissprünge und vereinzelte Streckenstreichungen, vor allem auf weniger nachgefragten Verbindungen.
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