Das US-Justizministerium hat offenbar ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren gegen die Schriftstellerin E. Jean Carroll eingeleitet, die US-Präsident Donald Trump sexuellen Missbrauch vorgeworfen hatte. Im Zentrum steht der Vorwurf des Meineids im Kontext ihrer Zivilklagen gegen den Präsidenten.
Wie der Sender CNN und die New York Times unter Berufung auf mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen berichteten, geht es um eine Aussage der 82-Jährigen aus dem Jahr 2022. Carroll habe in einer Vernehmung erklärt, keine externe Finanzierung für ihren Rechtsstreit erhalten zu haben. Später sei jedoch bekannt geworden, dass der Milliardär und LinkedIn-Mitgründer Reid Hoffman einen Teil der Anwaltskosten übernommen habe.
Das Verfahren wird laut New York Times von Andrew S. Boutros geführt, dem von Trump ernannten Bundesstaatsanwalt für den nördlichen Bezirk von Illinois. Hintergrund für die Zuständigkeit in Chicago sei, dass eine mit Hoffman verbundene gemeinnützige Organisation dort ansässig sei. Carrolls Anwaltsteam lehnte gegenüber CNN eine Stellungnahme ab. Ein Sprecher Hoffmans reagierte zunächst nicht auf Anfragen.
Der amtierende Justizminister Todd Blanche habe sich von dem Verfahren zurückgezogen, da er Trump zuvor als persönlicher Anwalt in den Berufungsverfahren gegen Carroll vertreten hatte, hieß es aus mit dem Vorgang vertrauten Kreisen. Die Aufsicht liege bei anderen Mitarbeitern im Büro des stellvertretenden Justizministers.
Verfahren führte zu Millionenurteilen gegen Trump
Eine New Yorker Jury hatte Trump im Mai 2023 für schuldig befunden, Carroll Mitte der 1990er Jahre in einer Umkleidekabine des Kaufhauses Bergdorf Goodman sexuell missbraucht und sie später verleumdet zu haben. Carroll wurden fünf Millionen US-Dollar zugesprochen. In einem zweiten Verleumdungsverfahren im Januar 2024 wurden ihr weitere 83,3 Millionen Dollar zugesprochen. Beide Urteile wurden von einem Berufungsgericht bestätigt. Trump hat Berufung beim Obersten Gerichtshof eingelegt, der eine Entscheidung über die Annahme bereits zwölfmal vertagt hat.
Das Verfahren reiht sich nach Darstellung der New York Times in eine Serie von Ermittlungen gegen mutmaßliche Gegner Trumps ein. Zuletzt waren unter anderem der frühere FBI-Direktor James Comey und die New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James ins Visier der Justiz geraten.
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