US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat bei der Sicherheitskonferenz Shangri-La-Dialog in Singapur scharfe Kritik an europäischen Verbündeten geübt und zugleich vor einem wachsenden Machtanspruch Chinas im Indopazifik gewarnt. „Wenn unsere Interessen auseinandergehen, passen wir uns pragmatisch an – ohne Drama oder Moralisieren. Ich denke, Westeuropa könnte sich daran ein Beispiel nehmen“, sagte Hegseth am Samstag.
Die Äußerung gilt als eine der deutlichsten öffentlichen Attacken eines hochrangigen Mitglieds der Trump-Regierung auf europäische Partner seit Monaten.
Zugleich erneuerte der Pentagon-Chef die Forderung Washingtons nach höheren Verteidigungsausgaben der Verbündeten. „Die Ära, in der die Vereinigten Staaten die Verteidigung wohlhabender Nationen subventionieren, ist vorbei“, sagte Hegseth. Die USA bräuchten „Partner, keine Protektorate“.
Pentagon: Gegner orten offenbar US-Truppen über gekaufte Standortdaten
USA kürzen offenbar für Bündnisfall vorgesehene Streitkräfte in Europa
Warnung vor Chinas Machtanspruch
Mit Blick auf den Indopazifik warnte Hegseth vor einer möglichen Vorherrschaft Chinas in der Region. Die Vereinigten Staaten wollten verhindern, dass ein einzelner Staat das strategische Gleichgewicht zerstöre. „Kein Staat, einschließlich China, darf seine Hegemonie durchsetzen“, sagte Hegseth laut AFP. Es gebe berechtigte Sorgen über den historischen Ausbau der chinesischen Streitkräfte und die zunehmenden militärischen Aktivitäten Pekings.
Der Minister betonte jedoch zugleich, Washington strebe keine Konfrontation an. Die USA wollten ein „wirklich stabiles Gleichgewicht“ in Asien und setzten auf „respektvolle Beziehungen“ zu China. Hegseth bedauerte, dass Chinas Verteidigungsminister Dong Jun erneut nicht an dem Treffen teilnahm.
Mehr Waffen statt mehr Konferenzen
Die Verbündeten in Asien forderte Hegseth auf, ihre Verteidigungsausgaben deutlich zu erhöhen. Als Beispiele nannte er Japan, Südkorea, Australien und die Philippinen.
„Wir brauchen nicht mehr Konferenzen, wir brauchen mehr Kampfkraft“, sagte der Minister. Mit Blick auf das Treffen in Singapur fügte er hinzu: „Weniger Shangri-La, mehr Schiffe, mehr U-Boote.“
Geheimer Pakt: Haben Trump und Xi der EU gerade einen schweren Schlag versetzt?
Verhandlungen zwischen USA und Iran: Trump pocht auf "rote Linien", Einigung über Waffenruhe bleibt aus
Diskussion über Taiwan
Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Rede auch wegen der Taiwan-Frage. Hegseth erklärte, die Beziehungen der USA zu Taiwan seien unverändert. Entscheidungen über künftige Waffenlieferungen lägen jedoch bei Präsident Donald Trump. Die US-Regierung hatte vor Kurzem Waffenverkäufe der USA an Taiwan ausgesetzt.
Zuletzt hatten Äußerungen Trumps nach seinem Besuch in China Spekulationen ausgelöst, Washington könnte seine Unterstützung für Taiwan als Verhandlungsmasse gegenüber Peking einsetzen. China betrachtet die demokratisch regierte Insel als Teil seines Staatsgebiets und droht seit Jahren mit einer gewaltsamen Eingliederung.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]