Ukraine-Krieg

Lukaschenko droht Ukraine mit Angriff auf „strategisch wichtiges Ziel“

Ein ukrainischer Drohnenkommandeur erklärt, seine Truppen hätten 500 mögliche Angriffsziele in Belarus erfasst. Machthaber Alexander Lukaschenko reagiert mit einer Drohung gegen die Ukraine.

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Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko

Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko

© Belarusian Presidential Press Service/dpa

Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko hat der Ukraine mit einem Angriff auf ein „strategisch wichtiges Ziel“ gedroht. Laut dem regierungsnahen Telegram-Kanal Pul Pervogo sagte er, Belarus verfüge über die genauen Koordinaten eines bedeutenden Ziels auf ukrainischem Gebiet. Die Aussagen wurden von den ukrainischen Nachrichtenportalen European Pravda und Ukrainska Pravda aufgegriffen.

Hintergrund sind Äußerungen des ukrainischen Drohnenkommandeurs Robert „Magyar“ Browdi. Dieser hatte erklärt, die ukrainischen Streitkräfte hätten bereits 500 potenzielle Ziele in Belarus identifiziert und Lukaschenko vor einer stärkeren Einmischung in den Ukraine-Krieg gewarnt. „Sie haben vielleicht 500 Ziele identifiziert. Dafür danke ich ihnen sogar“, sagte Lukaschenko daraufhin laut Pul Pervogo. „Denn wir haben ebenfalls 500 Ziele für sie. Und wir haben ein strategisch wichtiges Ziel mit präzisen Koordinaten.“

Ukrainischer Drohnenkommandeur nennt 500 Ziele

Browdi hatte die Angaben wenige Tage zuvor auf Facebook veröffentlicht. Dort erklärte der Kommandeur der ukrainischen Streitkräfte für unbemannte Systeme, die ersten 500 Ziele in Belarus seien bereits erfasst worden. Konkrete Angaben machte er nicht.

Zugleich riet er Lukaschenko, sich nicht stärker in den Krieg einzumischen. Die Angaben des ukrainischen Militärs lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen.

Ukraine verstärkt Grenze zu Belarus

Die gegenseitigen Drohungen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Beziehungen zwischen Kiew und Minsk wieder stärker in den Fokus rücken. Belarus gilt als engster Verbündeter Russlands und stellte bereits zu Beginn der Invasion 2022 sein Staatsgebiet für Angriffe auf die Ukraine zur Verfügung.

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Die Ukraine hat ihre Sicherheitsmaßnahmen an der Nordgrenze zuletzt massiv verschärft. Der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU sprach vor wenigen Tagen von Maßnahmen „beispiellosen Ausmaßes“. Neben der Armee sind auch Nationalgarde, Polizei und Grenzschutz beteiligt. Ziel sei es, Sabotage, Infiltrationen und mögliche Angriffe aus Belarus zu verhindern.

Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte nach einem Treffen mit Militär- und Geheimdienstvertretern, die Ukraine bereite sich auf „jeden möglichen Verlauf feindlicher Aktionen“ vor. Russland versuche weiterhin, Belarus tiefer in den Krieg hineinzuziehen. Selenskyj warnte die Führung in Minsk vor „Konsequenzen“, sollte es zu neuen Angriffen auf ukrainisches Gebiet kommen.

Sorge vor neuer Front im Norden

Zusätzliche Besorgnis lösten zuletzt gemeinsame russisch-belarussische Übungen mit taktischen Atomwaffen aus. Nach Angaben des Kremls nahmen daran zehntausende Soldaten teil. Das ukrainische Außenministerium bezeichnete die Stationierung russischer Nuklearwaffen in Belarus als Gefahr für die regionale Sicherheit.

Während der Manöver erklärte Lukaschenko, Belarus sei bereit, Russland „auf jede erdenkliche Weise“ zu verteidigen. Zugleich betonte er, sein Land wolle nicht direkt in den Krieg hineingezogen werden. Voraussetzung sei allerdings, dass es keine „Aggression gegen belarussisches Territorium“ gebe.

Lukaschenko wies Befürchtungen über eine neue Front jedoch zurück. Nach seinen Angaben habe das ukrainische Militär kein Interesse an einem Krieg mit Belarus. Eine Ausweitung der Kämpfe würde für die Ukraine eine zusätzliche Front von rund 1000 Kilometern bedeuten. „Die ukrainischen Militärs wollen keinen Krieg mit Belarus“, sagte Lukaschenko. „Sie verstehen, dass dies eine weitere tausend Kilometer lange Front bedeuten würde.“

Macron warnte Lukaschenko

Erst vor wenigen Tagen hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in einem Telefonat mit Lukaschenko davor gewarnt, Belarus tiefer in Russlands Krieg gegen die Ukraine hineinzuziehen. Trotz der verschärften Sicherheitslage halten viele ukrainische Militärbeobachter eine unmittelbare Großoffensive aus Belarus derzeit für eher unwahrscheinlich. In Kiew wächst jedoch die Sorge, Russland könne ukrainische Kräfte im Norden binden oder eine zusätzliche Bedrohung für die Regionen Kiew und Tschernihiw aufbauen.

Ob die jüngsten Drohungen konkrete militärische Folgen haben könnten, ist derzeit unklar. Weder Belarus noch die Ukraine veröffentlichten Belege für die jeweils genannten Zielkoordinaten oder Zielobjekte.

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