Am Ende waren die Briefwähler ausschlaggebend. Octavian Ursu (CDU) bleibt Oberbürgermeister der Stadt Görlitz. Nach dem vorläufigen Wahlergebnis kommt der Amtsinhaber auf 55,8 Prozent der Stimmen. Sebastian Wippel (AfD) erreicht 44,2 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 56,8 Prozent.
13.986 Wähler sprachen sich für Ursu aus, der von einem breiten Bündnis aus CDU, Bündnis 90/Die Grünen, dem Verein Motor Görlitz e.V. sowie der Wählervereinigung Bürger für Görlitz unterstützt wurde. Auf Sebastian Wippel entfielen 11.089 Stimmen.
Frühe Auszählungen aus den Wahllokalen sahen zunächst Sebastian Wippel vorne. Erst mit dem Auszählen der Briefwahlstimmen konnte Ursu aufholen. Insgesamt waren rund 43.600 Görlitzer wahlberechtigt; die Stimmabgabe war zwischen 8 und 18 Uhr in 36 Wahlbezirken im Stadtgebiet sowie in zwölf Briefwahlbezirken im Briefwahlbüro in der Jägerkaserne möglich.
Sebastian Wippel spricht von schmutzigem Wahlkampf
In einem ersten Statement äußerte sich der unterlegene AfD-Kandidat enttäuscht. Es sei ein schmutziger Wahlkampf gewesen, sagte Wippel der OAZ. Er, seine Familie und seine Partei seien üblen Diffamierungen ausgesetzt gewesen. „Sachen wurden aus dem Zusammenhang gerissen; Worte umgedreht, uminterpretiert und skandalisiert“, sagte der AfD-Politiker. Man habe versucht, ihn in eine neonazistische Ecke zu drängen. Das sei jedoch fernab der Realität.
Sebastian Wippel (AfD) unterlag in der Stichwahl: Er sprach von einem schmutzigen Wahlkampf
© Sebastian Kahnert/dpa
Trotzdem kündigt der Vorsitzende der AfD-Fraktion im Görlitzer Stadtrat an, „vernünftige Oppositionspolitik“ zu machen. Man werde die Politik des Bündnisses um Ursu im Stadtrat kontrollieren. „Über 11.500 Wähler haben gezeigt, dass sie einen echten Wechsel wollen.“ Dafür sei er dankbar.
Stichwahl nach knappem ersten Wahlgang
Notwendig wurde der zweite Wahlgang, weil beim ersten Urnengang am 10. Mai keiner der Bewerber die absolute Mehrheit erzielen konnte.
Ursu erhielt mit 12.750 Stimmen 49,1 Prozent und verfehlte die erforderliche Marke damit knapp. Wippel kam auf 11.512 Stimmen, was einem Anteil von 44,3 Prozent entsprach. Die weiteren Bewerber Sabine Christian (Die Linke) mit 3,4 Prozent und der parteilose Hagen Jeschke mit 3,2 Prozent verzichteten auf eine erneute Kandidatur. Im zweiten Wahlgang genügte die einfache Mehrheit.
Octavian Ursu wurde 1967 in Bukarest geboren und kam nach einem Musikstudium 1990 nach Görlitz, wo er als Solo-Trompeter der Neuen Lausitzer Philharmonie am Theater Görlitz tätig war. Seit 2009 gehört er dem Görlitzer Stadtrat an, das Amt des Oberbürgermeisters bekleidet er seit 2019.
Sein Herausforderer Sebastian Wippel, Jahrgang 1982 und gebürtiger Görlitzer, ist von Beruf Polizist. Er ist seit 2013 Mitglied der AfD und sitzt seit 2014 im sächsischen Landtag, wo er als innenpolitischer Sprecher der AfD-Fraktion fungiert.
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Die Konstellation erinnert an die Oberbürgermeisterwahl im Juni 2019. Auch damals trafen Ursu und Wippel in einer Stichwahl aufeinander. Ursu setzte sich seinerzeit mit 55,2 Prozent gegen Wippel durch, der auf 44,8 Prozent kam. Nun soll Ursu die Geschicke von Sachsens sechstgrößter Stadt für weitere sieben Jahre lenken.
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