Rohstoffe

Bericht: US-Firma sucht Lithium direkt unter VW-Batteriefabrik

Europa sucht nach Wegen aus der Rohstoffabhängigkeit von China. Ein US-Unternehmen will nun ausgerechnet unter großen Batteriefabriken in Deutschland und Polen nach Lithium bohren.

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Ein historisches Bergwerk im Erzgebirge. Mit neuen Lithiumprojekten hoffen Unternehmen auf eine stärkere europäische Rohstoffversorgung.

Ein historisches Bergwerk im Erzgebirge. Mit neuen Lithiumprojekten hoffen Unternehmen auf eine stärkere europäische Rohstoffversorgung.

© Rainer Weisflog/imago

Ein US-Start-up plant einem Medienbericht zufolge die Erschließung möglicher Lithiumvorkommen unter wichtigen Standorten der europäischen Batterieindustrie. Das Unternehmen Atana Elements hat nach Angaben der Financial Times Explorationsrechte für rund 600.000 Hektar Fläche in Deutschland und Polen erworben. Die Gebiete umfassen unter anderem Salzgitter in Niedersachsen sowie die polnische Stadt Breslau (Wrocław), wo große Batteriefabriken für die europäische Autoindustrie stehen.

In Salzgitter betreibt die Volkswagen-Batterietochter PowerCo ihre zentrale Zellfabrik. In Breslau befindet sich eines der größten Batteriewerke Europas des südkoreanischen Konzerns LG Energy Solution. Beide Standorte benötigen große Mengen Lithium für die Produktion von Batteriezellen für Elektroautos.

Europa sucht Alternativen zu China

Lithium gilt als einer der wichtigsten Rohstoffe für die Energiewende. Zwar kommt das Metall weltweit vergleichsweise häufig vor, bei der Verarbeitung von Lithiumchemikalien dominiert jedoch China den Weltmarkt. Die Europäische Union und die USA bemühen sich deshalb seit Jahren, eigene Lieferketten aufzubauen.

„Man sieht, dass Europa zunehmend nervös wird, woher diese Mineralien künftig kommen sollen“, sagte Atana-Chef Tom Wilson der Financial Times. Als Gründe nannte er die Energiekrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine, den Handelskonflikt mit China und die Unsicherheit rund um die Straße von Hormus.

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Der Ansatz des Unternehmens: Rohstoffe möglichst dort gewinnen, wo sie später auch benötigt werden. „Plötzlich liegen diese Mineralien direkt unter den Märkten, die sich Sorgen um ihre Versorgung machen“, sagte Wilson.

Künstliche Intelligenz soll Rohstoffe aufspüren

Atana wurde erst im Jahr 2025 im US-Bundesstaat Texas gegründet und spezialisiert sich auf die Suche nach kritischen Rohstoffen für die Energiewende. Das Unternehmen wertet dafür große Mengen historischer Daten aus der Öl-, Gas-, Geothermie- und Bergbauindustrie aus und kombiniert diese mit Verfahren der Künstlichen Intelligenz. Auf diese Weise identifizierte Atana nach eigenen Angaben potenzielle Lithiumvorkommen in Deutschland und Polen – ausgerechnet in Regionen, in denen bereits große Batteriefabriken für die europäische Autoindustrie stehen.

Das Unternehmen ging aus der Lithiumfirma Lilac Solutions hervor, die Technologien zur Gewinnung von Lithium aus salzhaltigen Tiefenwässern entwickelt. Unterstützt wird Atana unter anderem vom chilenischen Bergbaukonzern Antofagasta. Zu den Investoren der Vorgängerfirma gehört auch der Venture-Capital-Arm von BMW.

Hoffnung auf heimisches Lithium für Europas Batterien

Nach Unternehmensangaben könnten die beiden Projekte in Salzgitter und Breslau zusammen über einen Zeitraum von rund 20 Jahren bis zu 26 Millionen Tonnen Lithium liefern. Damit ließe sich ein erheblicher Teil des künftig steigenden Bedarfs der europäischen Batterieindustrie decken. Die Angaben beruhen allerdings bislang ausschließlich auf geologischen Modellen und historischen Datensätzen. Ob tatsächlich förderbare Vorkommen vorhanden sind, muss erst durch Probebohrungen nachgewiesen werden.

Fachleute mahnen deshalb zur Vorsicht. Gegenüber der Financial Times wiesen Analysten darauf hin, dass sich die Vorhaben noch in einem sehr frühen Stadium befinden. Unklar sei sowohl die tatsächliche Größe der Lagerstätten als auch die Frage, ob sich eine Förderung wirtschaftlich rechnen würde.

Hinzu kommen umfangreiche Genehmigungsverfahren. Bevor erste Bohrungen beginnen können, müssen die zuständigen Behörden Umwelt- und Sicherheitsprüfungen abschließen. Erst danach wird entschieden, ob die Erkundung der möglichen Lithiumvorkommen überhaupt starten darf.

Nachfrage nach Lithium steigt rasant

Der Vorstoß erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem Experten einen starken Anstieg des Lithiumbedarfs erwarten. Nach Daten der Internationalen Energieagentur (IEA) ist die Nachfrage in diesem Jahrzehnt bereits um durchschnittlich rund 30 Prozent pro Jahr gewachsen.

Prognosen verschiedener Rohstoffanalysten gehen davon aus, dass sich die weltweite Nachfrage innerhalb der kommenden zehn Jahre gegenüber dem heutigen Niveau vervielfachen wird. Das Beratungsunternehmen Wood Mackenzie warnte bereits im Frühjahr, dass die derzeit geplanten Förderprojekte den Bedarf spätestens ab Mitte der 2030er Jahre voraussichtlich nicht mehr decken können.

Für die europäische Autoindustrie wäre eine erfolgreiche Förderung in Deutschland und Polen daher ein wichtiger Schritt. Volkswagen wollte sich laut Financial Times nicht zu den Plänen äußern. BMW erklärte, eine frühere Beteiligung seines Venture-Capital-Arms an Lilac Solutions sei nicht mit konkreten Liefervereinbarungen verbunden gewesen.

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