Am Käthe-Kollwitz-Gymnasium in Berlin-Prenzlauer Berg diskutieren Schüler am Donnerstag mit einem Vertreter des Bundesverteidigungsministeriums über eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht. Anlass ist die Debatte über stockende Personalzahlen bei der Bundeswehr.
Zu Gast bei der Podiumsdiskussion unter dem Titel „Niemand hat Bock auf Kaserne – Kommt jetzt also die Wehrpflicht, Herr Staatssekretär?“ ist nach Angaben der Schule Staatssekretär Jan Stöß aus dem Bundesverteidigungsministerium. Stöß ersetzt den ursprünglich angekündigten Staatssekretär Nils Hilmer. Als weiterer Gast nimmt der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Friedensrats, Ulrich Klotzek, teil. Er ist ehemaliger DDR-Oppositioneller und soll „der Frage nach Kampfbereitschaft eine neue Dimension“ verleihen. Die Veranstaltung in der Aula beginnt um 11.00 Uhr, rund 200 Schüler werden im Publikum erwartet.
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Schüler debattieren über Notwendigkeit von Wehrpflicht
Hintergrund der Debatte ist das Ziel der Bundeswehr, bis 2035 auf 460.000 Soldaten anzuwachsen. Das Institut der deutschen Wirtschaft prognostizierte nach Angaben der Veranstalter Ende vergangenen Jahres, dass bei Fortsetzung des aktuellen Kurses knapp die Hälfte dieser Zielmarke verfehlt werden dürfte. Der Verteidigungsminister habe erklärt, nur so lange von einer Pflicht absehen zu wollen, wie die Personallücke durch Freiwillige geschlossen werden könne, heißt es in der Mitteilung der Schule. Das Gymnasium ist nach der Künstlerin Käthe Kollwitz (1867–1945) benannt, die als Pazifistin galt und deren Sohn im Ersten Weltkrieg fiel.
Die Schüler beschäftigen sich nach Angaben der Initiatoren im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Jugend debattiert mit den Argumenten für und gegen eine Wehrpflicht. Während ein Teil einen Wehrdienst aus Sorge vor Zwang ablehne, äußerten andere Verständnis für eine Pflicht. „Wenn Russland Krieg führt, China seinen Nachbarstaat bedroht und die USA einen Präsidenten kidnappen, müssen alle mithelfen – persönliche Gefühle außen vor“, wird die Schülerin Maite B. in der Pressemitteilung zitiert.
Die Aufrüstung der Bundeswehr in Verbindung mit einer möglicherweise drohenden Wehrpflicht bleibt ein präsentes Thema unter jungen Menschen in Deutschland. Bundesweit ist seit Monaten die Initiative Schulstreik gegen Wehrpflicht aktiv. Die Bundeswehr verschickt an junge Erwachsene Fragebögen zum Wehrdienst, deren Beantwortung für Männer verpflichtend ist, sowie werbliche Postkarten an 16-Jährige.
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