Russland

Putin über Nord Stream 2: „Wir drücken den Knopf, und das Gas fließt“

Der russische Präsident Wladimir Putin erklärt, Gaslieferungen über Nord Stream 2 hingen von „Entscheidungen der Regierung der Bundesrepublik“ ab. Technisch seien sie möglich.

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Der russische Präsident Wladimir Putin

Der russische Präsident Wladimir Putin

© Vyacheslav Prokofyev/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa

Der russische Präsident Wladimir Putin hat erklärt, dass die Aufnahme von Gaslieferungen über die Ostseepipeline Nord Stream 2 kurzfristig möglich sei. „Eine Leitung ist erhalten geblieben und kann genutzt werden“, sagte er laut der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass am Donnerstag beim Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg. Es bedürfe „lediglich Entscheidungen der Regierung der Bundesrepublik“.

Die Leitung unterliege US-Sanktionen, so Putin. Sollte Deutschland eine Einigung über eine Aufhebung von Sanktionen erreichen, „drücken wir den Knopf, und das Gas fließt. Schon morgen“. Russland könne bis zu 28 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr liefern, andernfalls werde man andere Märkte beliefern, erklärte der russische Präsident laut Reuters bei einem Treffen mit Vertretern internationaler Nachrichtenagenturen.

Deutschland lehnt Wiederinbetriebnahme ab

Die Bundesregierung hat mehrfach erklärt, eine mögliche Wiederinbetriebnahme nicht zu unterstützen. So sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) etwa bei einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Mai 2025 mit Blick auf den Ukraine-Krieg: „Ich sage für die Bundesrepublik Deutschland: Wir werden in diesem Zusammenhang alles tun, damit Nord Stream 2 eben nicht wieder in Betrieb genommen werden kann.“

Die EU hat im vergangenen Juli im Rahmen von Sanktionen gegen Russland zudem ein vollständiges Transaktionsverbot für Nord Stream 1 und 2 verhängt, „einschließlich der Lieferung von Waren oder Dienstleistungen“, und „verhindert damit die Fertigstellung, Instandhaltung, den Betrieb und jede zukünftige Nutzung der Nord Stream 1- und 2-Pipelines“, wie aus einer EU-Mitteilung hervorgeht.

Die dänische Energiebehörde hatte im Januar 2025 mitgeteilt, eine Genehmigung für Arbeiten an der Nord Stream 2 Pipeline erteilt zu haben. Die beschädigte Pipeline sollte demnach technisch gesichert werden, um „weitere Gasaustritte sowie das Eindringen von sauerstoffhaltigem Meerwasser“ zu verhindern, hieß es.

„Die beschädigte Nord-Stream-2-Leitung A enthält schätzungsweise noch etwa 9 bis 10 Millionen Standardkubikmeter Erdgas“, teilte die dänische Energiebehörde zu diesem Zeitpunkt mit. „Die zweite Nord-Stream-2-Leitung (Leitung B) ist intakt und mit Gas auf etwa 54 bar Druck gefüllt (abgesenkt von ursprünglich 103 bar).“

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Pipelines durch Explosionen beschädigt

Die Nord-Stream-Pipelines wurden am 26. September 2022 durch mehrere Explosionen in der Ostsee beschädigt. Drei der vier Stränge wurden zerstört. Der Anschlag beendete die direkten russischen Gaslieferungen nach Deutschland über die Ostsee und gilt als einer der folgenschwersten Sabotageakte gegen kritische Infrastruktur in Europa der vergangenen Jahrzehnte.

Die deutschen Ermittlungen konzentrieren sich inzwischen auf mehrere ukrainische Staatsbürger. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft soll eine Gruppe die Operation von der Segeljacht „Andromeda“ aus vorbereitet haben. Gegen den ehemaligen ukrainischen Offizier Serhii K. läuft in Deutschland ein Strafverfahren.

Die Vorwürfe sind bislang nicht rechtskräftig festgestellt. Deutsche Ermittler gehen nach bisherigen Erkenntnissen von einer ukrainischen Spur aus und sehen Hinweise darauf, dass die Tat von staatlichen Stellen gesteuert worden sein könnte. Wer den Anschlag letztlich angeordnet, finanziert oder politisch verantwortet hat, ist jedoch weiterhin ungeklärt. Die ukrainische Führung weist eine staatliche Beteiligung zurück.

In einem Verfahren vor dem Londoner High Court argumentierten die Versicherer Lloyd's und Arch Insurance laut Reuters zuletzt, geopolitische Experten gingen übereinstimmend davon aus, dass die Sprengungen nur von staatlichen Akteuren aus der Ukraine, Russland oder den USA – oder von ukrainischen Akteuren mit staatlicher Unterstützung – ausgeführt worden sein könnten. Die Anwälte der Nord Stream AG hielten dagegen, kein Experte könne bislang belastbar benennen, welche Regierung – falls überhaupt eine – hinter dem Anschlag gestanden habe. Eine abschließende gerichtliche Feststellung zur Urheberschaft liegt bis heute nicht vor.

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