Die weltgrößten Öltanker-Eigner haben vor einem Einbruch des Marktes gewarnt. Die Reeder rechnen demnach mit einem deutlichen Rückgang der Charterraten, sollten sich die USA und der Iran auf eine Wiederöffnung der Meerenge einigen. Grund sind massive Bestellungen neuer Schiffe, finanziert aus den Rekordgewinnen während der Blockade der Straße von Hormus. Das berichtet die britische Financial Times.
Seit Beginn des Iran-Kriegs im Februar hat die faktische Blockade der Straße von Hormus der Branche Rekordeinnahmen beschert. Nach Angaben des Schiffsmaklers Clarksons, die die Financial Times zitiert, stiegen die Gewinne im ersten Quartal auf 36 Milliarden US-Dollar. Der bisherige Rekord aus dem Jahr 2022 lag bei 26 Milliarden Dollar.
Knappheit treibt die Frachtraten
Die hohen Gewinne resultieren dabei vor allem aus einer Verknappung der verfügbaren Tankerkapazitäten. Mehr als 160 Öltanker sitzen derzeit im Persischen Golf fest, weil die Meerenge faktisch unpassierbar ist. Dadurch steht weltweit weniger Schiffsraum zur Verfügung, was die Charterraten in die Höhe trieb.
Außerdem werden Schiffe derzeit rund um das Kap der Guten Hoffnung umgeleitet, um Angriffe der Huthi-Miliz im Roten Meer zu vermeiden. Die längeren Routen binden weitere Kapazitäten und verstärken den Effekt.
Bestellrekord bei Neubauten
Ein Teil der Gewinne floss in Bestellungen neuer Schiffe. Die Zahl der in diesem Jahr georderten größten Öltanker übertreffe bereits den Wert eines kompletten Jahres und sei die höchste seit Beginn der Aufzeichnungen, berichtet die Financial Times unter Berufung auf das Datenunternehmen AXSMarine.
„Es ist sicher, dass der Markt irgendwann einbricht“, sagte Alexander Saverys, Vorstandschef der Reederei CMB Tech, der Zeitung. Der Markt habe „viel zu viele Schiffe bestellt“. Auch der griechische Tanker-Eigner Harry Vafias mahnte zur Vorsicht: Es habe sehr viele Investitionen in Gebraucht- und Neubauten von Tankern gegeben.
Raten bereits unter Höchstwerten
Die Tagesraten für Tanker sind den Angaben zufolge bereits von ihren Höchstwerten zu Kriegsbeginn zurückgegangen. Damals lag der Durchschnittspreis für die Anmietung eines Tankers bei rund 163.000 Dollar pro Tag, für die größten Schiffe mit einer Ladekapazität von etwa zwei Millionen Barrel sogar bei rund 387.000 Dollar. Zuletzt seien die Raten in Erwartung einer Wiederöffnung der Meerenge auf 55.000 bis 95.000 Dollar gefallen, weiter über dem Durchschnitt der vergangenen Jahre von 30.000 bis 40.000 Dollar.
Andere Branchenvertreter halten die Sorgen für übertrieben. Maria Angelicoussis, Vorstandschefin der Angelicoussis Group, sagte der Financial Times, den jüngsten Bestellungen sei eine Phase der Unterversorgung vorangegangen. Angeliki Frangou, Chefin der griechischen Reederei Navios Partners, sagte, sinkende Frachtraten durch übermäßige Neubestellungen würden durch nationale Sicherheitserwägungen zur Sicherung der Energieversorgung abgemildert.
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