Müller vor der WM

25 Kapseln, kein Alkohol, Lewandowskis Diät: Müller mit 36 – und warum Deutschland kein Titelfavorit ist

Thomas Müller hat seinen Körper radikal umgebaut. Die WM-Euphorie bremst er trotzdem aus: Das DFB-Team erinnere ihn eher an 2010 als an 2014.

4 Min
Thomas Müller beim Superum-Launch in München: Der 36-Jährige spricht über Kapseln, Schlaf und seine WM-Premiere als TV-Experte.

Thomas Müller beim Superum-Launch in München: Der 36-Jährige spricht über Kapseln, Schlaf und seine WM-Premiere als TV-Experte.

© IMAGO/Sven Simon

Thomas Müller ist 36, frisch getrennt, im Begriff, seine Karriere neu zu erfinden – und wirkt dabei so wach wie selten zuvor. Am Montag trat der frühere Bayern-Star in München erstmals nach dem Bekanntwerden seines Ehe-Aus öffentlich auf: beim Markenlaunch des Nahrungsergänzungsmittel-Herstellers Superum, dessen Botschafter er ist. Was er dort sagte, geht weit über Vitaminpillen hinaus.

Walnüsse, Olivenöl – und 25 Kapseln vor dem Frühstück

Müller hat seinen Alltag radikal umgestellt. Den Schlaf optimiert, den Alkohol gestrichen – auch das Gläschen Wein zum Abendessen ist Geschichte. „Ich lasse Dinge weg, die den Schlaf verhindern“, sagt er. „Da wacht man am Ende schon anders auf.“ Beim Frühstück greift er zu Walnüssen und einem Schluck Olivenöl – plus einer beeindruckenden Menge an Supplementen. „Ich nehme am Tag 20 bis 25 Kapseln“, verrät er. Die Ernährung müsse nicht immer schmecken: „Ich esse viele Sachen, die müssen auch nicht immer schmecken.“

Den entscheidenden Anstoß für diesen Wandel gab ein ehemaliger Teamkollege. Robert Lewandowski sei damals seiner Zeit weit voraus gewesen. „Er hat sich schon damals sehr viel mit dem Thema beschäftigt“, so Müller. Als er die Buchweizengrütze des Polen probierte, habe es bei ihm Klick gemacht: „Ich habe zwar nicht mehr Tore geschossen, aber ich habe mich dann mehr damit beschäftigt, weil ich einen Unterschied gemerkt habe.“

Premiere als TV-Experte – und ein Versprechen an die Fans

In wenigen Tagen fliegt Müller wieder über den Atlantik. Nicht als Spieler: Bei der WM in den USA, Mexiko und Kanada gibt er sein Debüt als Experte für MagentaTV. „Die Lust ist groß“, sagt er. „Es ist für mich auch das erste Mal in einer anderen Rolle. Deswegen bin ich auch leicht nervös.“ Eine Sache weiß er bereits: Er muss kürzertreten. „Ich muss mich deutlich verändern, damit es für das Fernsehen passt. Meine Antworten sind noch viel zu lang, da wären wir schon 14 Mal in der Werbung.“

Kritik an der Nationalmannschaft werde er trotzdem nicht scheuen: „Die Jungs wissen, dass ich sie unterstütze, ich aber auch kritisch sein werde.“

Deutschland kein Titelfavorit – Müller dämpft die WM-Euphorie

Von einem gebuchten Finale will Müller nichts wissen. Der Weltmeister von 2014 sieht klare Parallelen zu einem anderen Turnier – einem, das deutlich schlechter endete: „Wo ich schon eher Parallelen zu einer WM 2010 sehe als zu der 2014er, ist, dass diese Mannschaft als solche jetzt nicht super gemeinsam gereift ist, sondern der Weg beginnt eigentlich irgendwo erst.“ Und: „Es schreit jetzt für mich nicht schon nach: Oh ja, Finale ist gebucht.“

Der Unterschied zu 2014? Damals hätten die entscheidenden Spieler ihren Zenit erreicht. „Wir hatten vom Gefühl her die Spieler, die Achse, die waren alle so ein bisschen mehr an ihrem Höhepunkt dran.“ Heute hingegen stecke das Team voller Versprechen, aber noch nicht voller Reife: „Jetzt hast du sehr viele talentierte Spieler – Musiala, Wirtz, wie sie alle heißen – die alle so ein bisschen auf dem Weg sind.“

Den Titelfavoriten sieht Müller woanders: in Spanien.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Vorrunde kein Problem – aber der Weg liegt noch vor ihnen

Ein frühes Scheitern wie 2018 und 2022 erwartet Müller nicht. Die Vorrunde habe „den Charakter, als Mannschaft gut ins Turnier zu finden“ – ein Aus gegen Curaçao, Elfenbeinküste oder Ecuador sei für ihn kein realistisches Szenario.

Bitter findet er den Ausfall von Bayern-Talent Lennart Karl, der wegen eines Muskelbündelrisses passen muss: „Ich hätte Lenny gerne gesehen, weil er quirlig ist und etwas ins Spiel bringt, das wir gut hätten brauchen können.“ Für Karl wäre es die WM als Durchbruchsturnier geworden – wie für Müller selbst 2010, als er sich kurz vor dem Turnier bei einem Fahrradsturz beinahe das Schlüsselbein gebrochen hätte. „Ich hatte einen Fahrradsturz, habe einen vierfachen Salto gemacht und bin auf das Schlüsselbein gefallen.“ Ohne Folgen, wie man weiß.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner