Im Konflikt zwischen den USA und dem Iran ist nach Angaben Pakistans der finale Text eines Friedensabkommens ausgehandelt. Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif schrieb am Freitag auf der Plattform X, beide Seiten arbeiteten nun an den nächsten Schritten. „Der Frieden war noch nie so nah wie jetzt“, erklärte Sharif.
Zugleich warnte er vor einer Desinformationskampagne von Kräften, die das Abkommen zu Fall bringen wollten. Islamabad vermittelt seit Wochen zwischen Washington und Teheran.
Irans Außenminister Abbas Araghtschi hatte kurz vorher ebenfalls auf X erklärt, beide Parteien seien einer Einigung „nie näher gewesen“. Er fügte hinzu, Medien sollten bis zum vollständigen Abschluss der Gespräche „Abstand von Spekulationen über den Inhalt nehmen“. Die Inhalte würden zu gegebener Zeit bekannt gegeben werden.
US-Regierung sieht Einigung in Reichweite
Ein US-Regierungsvertreter äußerte sich in einem Telefonat mit Journalisten in Washington zuversichtlich über einen baldigen Abschluss. „Wir sind noch nicht ganz über die Ziellinie, aber wir sind sehr nah dran“, sagte er laut der Nachrichtenagentur AFP. Die Wahrscheinlichkeit einer Unterzeichnung in den kommenden Tagen bezifferte er auf 80 bis 85 Prozent. Ort und Datum stünden noch nicht fest, Europa sei aber eine Möglichkeit.
Die Abmachung sehe eine erhebliche Lockerung von Sanktionen und die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte vor. Im Gegenzug werde sich Teheran bereit erklären, sein Atomprogramm abzubauen und sein atomares Material zu übergeben. Der Weg habe sich zu ebnen begonnen, als der Iran eingewilligt habe, die Entsorgung seines angereicherten Urans konkret festzulegen.
Die diskutierte Übereinkunft schließe auch den Libanon ein, wo sich Israel und die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz seit Beginn des Iran-Krieges bekämpfen. „Sie umfasst den Libanon, sie umfasst den Iran, sie umfasst die Golfstaaten und sie umfasst Israel“, sagte der Regierungsvertreter.
Trump weist Berichte über Vertragsinhalte zurück
US-Präsident Donald Trump wies zuvor auf seiner Plattform Truth Social Berichte über Inhalte eines am Freitag angeblich geleakten Abkommens scharf zurück. Die von der iranischen Seite an Medien durchgestochenen Bedingungen hätten nichts mit den schriftlich vereinbarten Inhalten zu tun, schrieb Trump. Die Führung in Teheran verhalte sich „sehr unehrenhaft“, ein Handeln in gutem Glauben sei mit ihr nicht möglich.
Die staatliche iranische Nachrichtenagentur Mehr hatte zuvor unter Berufung auf eine Quelle aus dem Verhandlungsumfeld einen 14-Punkte-Entwurf veröffentlicht. Demnach seien eine sofortige Einstellung der Kampfhandlungen an allen Fronten einschließlich des Libanon, die Aufhebung der US-Seeblockade binnen 30 Tagen sowie die Wiedereröffnung der Straße von Hormus innerhalb derselben Frist vorgesehen.
Hinzu kämen eine Aussetzung der Sanktionen gegen den iranischen Öl- und Petrochemiehandel, ein Abzug der US-Streitkräfte aus der Region und Wiederaufbauhilfen von mindestens 300 Milliarden US-Dollar. Während einer 60-tägigen Verhandlungsphase über ein endgültiges Abkommen sollten 24 Milliarden Dollar an eingefrorenen iranischen Geldern freigegeben werden. Das iranische Raketenprogramm und die Unterstützung verbündeter Gruppen seien von der Tagesordnung gestrichen.
Unterzeichnung am Wochenende möglich
Nach Berichten von Reuters und Bloomberg könnte ein sogenanntes Memorandum of Understanding bereits am Sonntag unterzeichnet werden, möglicher Ort sei Genf. Man stehe in engem Kontakt mit den USA und dem Iran und habe die Schweiz als Ort für eine mögliche Unterzeichnung vorgeschlagen, falls die Parteien zustimmten, teilte das Schweizer Außenministerium AFP am Freitagabend mit.
Unterzeichnen sollen offenbar US-Vizepräsident JD Vance und der Sprecher des iranischen Parlaments, Mohammed Bagher Ghalibaf.
Trump hatte am Donnerstag im Weißen Haus erklärt, geplante Luftangriffe auf den Iran abgesagt zu haben, weil das Abkommen vorliege. Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu teilte laut Reuters mit, Israel sei nicht Vertragspartei eines etwaigen Memorandums. Die Aussicht auf eine Einigung ließ am Freitag die Aktienkurse in Europa steigen, während die Ölpreise nachgaben.
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