US-Präsident Donald Trump hat dem Iran zunächst mit der Übernahme zentraler Teile seiner Energieindustrie und neuen Angriffen gedroht. Wenige Stunden später sagte er die angekündigten Schläge überraschend wieder ab. Zuvor hatte Trump erklärt, die Vereinigten Staaten würden künftig die „vollständige Kontrolle“ über die iranischen Öl- und Gasmärkte übernehmen.
Konkret nannte Trump die strategisch wichtige Insel Kharg im Persischen Golf. „Irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft werden wir Kharg Island und andere Punkte der Ölinfrastruktur übernehmen und die vollständige Kontrolle über ihre Öl- und Gasmärkte erlangen“, schrieb der Republikaner. Dies solle ähnlich funktionieren wie in Venezuela, wo dies nach Trumps Worten „hervorragend“ für beide Länder laufe. Gleichzeitig kündigte er an, die USA würden den Iran in der Nacht „sehr hart“ treffen.
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Trump sagt Angriffe überraschend ab
Nur wenige Stunden nach seinen scharfen Drohungen kündigte Trump überraschend eine Kursänderung an. In einem neuen Beitrag auf Truth Social erklärte der US-Präsident, die für Donnerstagabend geplanten Angriffe auf den Iran seien abgesagt worden. „Aufgrund der Tatsache, dass die Gespräche mit der Islamischen Republik Iran bis zur höchsten Ebene der iranischen Führung gebracht und genehmigt wurden, habe ich als Präsident der Vereinigten Staaten die für heute Abend geplanten Angriffe und Bombardierungen gegen den Iran abgesagt“, schrieb Trump.
Nach seinen Angaben seien die wesentlichen Punkte einer Vereinbarung inzwischen von allen beteiligten Seiten grundsätzlich gebilligt worden. Trump nannte dabei neben den USA und dem Iran auch Israel, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, die Türkei, Pakistan, Bahrain, Kuwait, Jordanien und Ägypten. Mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan wolle er ebenfalls zeitnah sprechen, erklärte er später am Abend im Weißen Haus.
Die amerikanische Seeblockade gegen iranische Öllieferungen bleibe jedoch bestehen, bis die Vereinbarung endgültig unterzeichnet sei. Zeit und Ort einer Unterzeichnung würden in Kürze bekanntgegeben, erklärte Trump.
Trump spricht von Einigung binnen Tagen
Kurze Zeit später ging Trump noch einen Schritt weiter. Vor Journalisten im Oval Office erklärte der US-Präsident laut Reuters, er rechne bereits in den kommenden Tagen mit einer formellen Vereinbarung zur Beendigung des Krieges mit dem Iran. „Wir haben gerade eine großartige Einigung im Krieg mit dem Iran erzielt“, sagte Trump. Die Straße von Hormus werde offiziell wieder geöffnet, sobald die Vereinbarung unterzeichnet sei. Dies könne „sehr bald, vielleicht schon am Wochenende in Europa“ geschehen.
Nach Angaben des US-Präsidenten enthält die Vereinbarung auch Regelungen zum iranischen Atomprogramm. „Am wichtigsten ist, dass wir eine Vereinbarung haben, wonach der Iran niemals eine Atomwaffe haben wird“, sagte Trump laut Reuters. Genau dies sei das eigentliche Ziel der militärischen Auseinandersetzung gewesen. Unabhängig bestätigen ließen sich die Angaben des US-Präsidenten zunächst nicht. Aus Teheran lag zunächst keine Stellungnahme vor, die Trumps Darstellung einer kurz bevorstehenden Vereinbarung bestätigte.
Kharg ist das Herzstück von Irans Ölexporten
Die Insel Kharg gilt als wirtschaftliche Lebensader des Iran. Übereinstimmenden Berichten zufolge werden über die Insel normalerweise rund 90 Prozent der iranischen Rohölexporte abgewickelt. Die tiefen Gewässer rund um die Insel ermöglichen das Beladen großer Supertanker. In Washington wurde Kharg deshalb wiederholt als zentraler Knotenpunkt der iranischen Ölversorgung bezeichnet.
Nach Informationen von CNN vertreten Teile der US-Regierung seit längerem die Auffassung, dass eine Kontrolle über Kharg die finanziellen Grundlagen der iranischen Revolutionsgarden massiv schwächen würde. Die Insel steht deshalb seit Beginn der militärischen Konfrontation zwischen den USA, Israel und dem Iran im Fokus strategischer Überlegungen.
Experten zweifeln an einer tatsächlichen Besetzung
Unklar blieb zunächst, ob Trump mit seiner Ankündigung eine militärische Besetzung der Insel oder Angriffe auf die dortige Infrastruktur meint. Militärexperten verwiesen gegenüber CNN darauf, dass eine tatsächliche Einnahme von Kharg einen erheblichen Einsatz von Bodentruppen erfordern würde. Einen solchen Schritt hat die Trump-Regierung bislang vermieden.
Die US-Streitkräfte führten in den vergangenen Monaten zwar wiederholt Angriffe auf militärische Einrichtungen auf der Insel durch. Die für den iranischen Ölexport entscheidenden Terminals und Verladeanlagen wurden nach CNN-Informationen bislang jedoch bewusst verschont.
Iran droht mit schärferer Reaktion
Die Drohung Trumps erfolgt vor dem Hintergrund neuer gegenseitiger Angriffe. Die iranischen Revolutionsgarden erklärten am Donnerstag, in der Nacht erneut US-Stützpunkte in der Region angegriffen zu haben. Die Angriffe seien eine Reaktion auf die jüngsten amerikanischen Luftschläge gegen Ziele im Iran.
Ein hochrangiger iranischer Vertreter sagte CNN in Teheran, der Iran werde auf weitere Angriffe „noch härter“ reagieren. Außenminister Abbas Araghtschi erklärte nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Irna, die jüngsten US-Angriffe hätten eine zuvor vereinbarte Feuerpause faktisch bedeutungslos gemacht.
Trump spricht seit Jahrzehnten von Kharg
Bemerkenswert ist, dass Trump die Einnahme der Insel nicht zum ersten Mal ins Spiel bringt. In einem Interview mit dem britischen Guardian aus dem Jahr 1988 erklärte Trump, ein Angriff auf amerikanische Soldaten oder Schiffe würde ihn dazu veranlassen, „Kharg Island einzunehmen“. Mit seinen jüngsten Äußerungen geht Trump jedoch deutlich weiter als bisher. Erstmals stellte er offen eine amerikanische Kontrolle über zentrale Teile der iranischen Energieindustrie und deren Exportmärkte in Aussicht.
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