Es ist interessant. Unter dem Titel „Von Menschen für Menschen“ reagiert FAZ-Herausgeber Carsten Knop auf die kontrovers diskutierte Entscheidung der FAZ, Texte, die unter Nutzung von KI-Technologien erstellt wurden, tilgen zu lassen. Dabei erhebt er das durch einen Menschen geschriebene Wort zum ultimativen Wert der publizistischen Zukunft in Deutschland.
Nach dem Sprechen, dem Schreiben, dem Drucken, dem Bebildern, dem Vertonen und dem Bewegen von Informationen, sehen wir hier als Gipfel kulturellen Schaffens in 5000 Jahren Kultur- und Innovationsgeschichte erneut das Festhalten am Manuellen. Doch nicht nur die FAZ, auch die Holtzbrinck-Medien Zeit, Handelsblatt und der Berliner Tagesspiegel, selbst die NZZ aus der Schweiz mit ihrem deutschen Ableger sind von einem immer schnelleren technologischen Fortschritt offensichtlich heillos überfordert.
Kontamination durch KI-Tools
In den letzten Tagen waren teils hysterische (oder gar ängstliche) Reaktionen in deutschen Schreibstuben zu beobachten. Im Furor wurden Texte verbannt, denen Kontamination durch KI-Tools nachgewiesen werden konnte.
Das deutsche Medienpublikum durfte sogar an einer längst überwunden geglaubten stalinistischen Tradition teilhaben: der öffentlichen Selbstbezichtigung. Der Rauswurf des Herausgebers des Berliner Tagesspiegel, Stephan-Andreas Casdorff, ging mit seiner öffentlichen Entschuldigung zum Einsatz von KI einher. Wie zu Zeiten der Inquisitionen oder kommunistischer Säuberungsprozesse. Was umso interessanter ist, denn ein kluger Gedanke bleibt ein kluger Gedanke. Egal ob mit dem Griffel in den Stein geritzt oder mit Large Language Models produziert.
Journalisten reagieren auf KI wie Deutschland auf die Zukunft: Lieber hysterisch sein
Mathias Döpfner, Chef des Axel-Springer-Verlages, retournierte diese Überreaktionen besonnen mit einem süffisanten, zudem KI-generierten Text: „Die Maschinen-Stürmer von der FAZ: Willkommen im Jahr 2026!“. Man könnte meinen, in ihm die aktuell einzig vernünftige Stimme im Kanon des deutschen Medien-Establishments wahrzunehmen. Was wiederum die Süddeutsche Zeitung dazu bewog, über Döpfner zu titeln: „Quatsch vom Chef“.
Die Speerspitze des medialen Haltungsadels
SZ-Medienkolumnist und Speerspitze des medialen Haltungsadels Stefan Niggemeier bediente das bekannte Muster, mangelnde Substanz und fehlenden Mut durch Polemik und Diskreditierung zu ersetzen. Kein unbekanntes und international zugleich wenig geschätztes Charaktermerkmal deutscher Publizistik.
Um den Reigen der Wortmeldungen vollständig zu machen, fehlt zurzeit noch eine substanzarme, selbstgerechte, dafür umso lautere Wortmeldung der Taz. Wie so häufig.
KI und Kinder: Warum die große Angst der Eltern in Wahrheit übertrieben ist
Was für ein hanebüchener Unsinn passiert da erneut in den deutschen Medien! Mich erinnert das an die Diskussion um die Jahrtausendwende, als das Internet als temporäre Erscheinung, als gänzlich überbewertet diskutiert wurde. Die Pioniere jener Zeit wurden nicht minder polemisch diskreditiert als die der heutigen. Als wir vor mittlerweile fast sieben Jahren den Berliner Verlag übernahmen, waren wir erschrocken über die Rückwärtsgewandtheit der medialen Arbeitskultur, über das Alter der eingesetzten Technologien und über die mangelnde Bereitschaft, Neues zu wagen. Eine Minderheit technikaffiner Mitarbeiter war unser natürlicher Verbündeter, um die notwendige Transformation, auch und insbesondere durch Technologieeinsatz, erfolgreich zu gestalten. Mittlerweile bilden diese Mitarbeiter die Mehrheit in der Ostdeutschen Medienholding.
Maschinen lieber stürmen statt sie beherrschen
Schon damals wurden wilde Geschichten über den Umbau des Berliner Verlages verbreitet, als wir erklärten, mit Automatisierung Effizienzgewinne heben zu wollen, Nachrichten zu identifizieren, zu klassifizieren und zu publizieren. Der Impuls im deutschen Mediengeschäft, Maschinen lieber stürmen statt sie beherrschen zu wollen, ist in meiner Beobachtung also tief verwurzelt.
Uns ging es darum, schneller und objektiver zu publizieren. Mit weniger Aufwand bessere Ergebnisse zu erzielen und aus Fehlern schneller zu lernen. Permanent das Verhältnis von „Veränderungen“ zu „Zeit“ zu optimieren, um Arbeitsabläufe und Arbeitsergebnisse effizienter zu gestalten. Was eine agile Organisation eben ausmacht. So wie in jeder Industrie, die sich in einem fairen Wettbewerb um bessere Angebote gegenüber Kunden nicht mit Meinung oder Haltung, sondern mit sachlichen Ergebnissen behaupten muss.
Spätestens mit dem Start der Ostdeutschen Allgemeinen konnten wir beweisen, wie weit wir gekommen sind. Aus dem laufenden Betrieb waren wir in der Lage, ein neues Produkt zu planen, zu implementieren und deutschlandweit auszurollen. Wir betreiben die Ostdeutsche Allgemeine mit einem Kernteam von 30 Mitarbeitern und viel Technologie. Alle Systeme müssen per definitionem KI-Komponenten beinhalten. Können sie dies nicht gewährleisten, werden sie aus unserem Tech-Stack verbannt. So publizieren wir allein in diesem Medium rund 100 Artikel pro Tag, die wir auf zwei digitalen Kanälen taggleich ausspielen und einmal wöchentlich drucken.
Publizistische Verantwortung liegt weiter beim Menschen
Diesen hohen Effizienzgrad können wir nur erreichen, weil wir Automatisierung als Wert begreifen, nicht als Gefahr. Und dadurch, dass unsere Mitarbeiter mit diesen Technologien kompetent und verantwortlich interagieren. Aktuell produzieren wir bereits einen signifikanten Anteil unserer Inhalte mittels automatisierter Verfahren, während der Anteil der im Knop’schen Sinne manuell erstellten Inhalte weiter sinken wird. Dass die publizistische Verantwortung dabei weiter beim Menschen liegt, ist kein Widerspruch, sondern eine Selbstverständlichkeit.
Denn wir wissen, dass ein Werkzeug immer nur ein Werkzeug in der Hand eines Menschen ist. Die Fähigkeiten und die Motivation des Menschen, ein Werkzeug zu nutzen, entscheiden über die Ergebnisse. Nie das Werkzeug für sich. Eine Binsenweisheit, nur halt noch nicht vollständig verstanden in allen deutschen Schreibstuben.
Strategisches Ziel der Ostdeutschen Medienholding ist, in der Arbeitszeit Freiräume für Kreativität zu schaffen und repetitive Arbeiten weitgehend zu eliminieren. Ein Arbeitsumfeld für freie, selbstbestimmte und mutige Menschen zu gestalten, die Neues wagen wollen. Die zu schätzen wissen, dass KI-Technologien ihre Möglichkeiten erweitern, so wie vor 30 Jahren das Internet ihr Wissen und auch ihre Arbeitseffizienz multipliziert hat. Und die dabei ihrer Verantwortung, objektiv und wahrheitsgemäß zu informieren, gerecht werden.
Technik- und Veränderungsskepsis in der deutschen Politik
Diese Entwicklung kann man beklagen und skandalisieren oder als Chance begreifen. Doch aufhalten werden wir sie alle miteinander nicht, selbst wenn wir wollten. Wir in der Ostdeutschen Medienholding allerdings begrüßen diese Veränderungen und fokussieren uns auf die Chancen, nicht auf die Risiken.
Denn der Zustand Deutschlands könnte viel mehr mit der grassierenden Technik- und Veränderungsskepsis sowohl in der deutschen Politik als auch in den Medien zu tun haben, als mit Russen, Rechten oder Reichen. Die häufig genug als Ausrede inmitten dieser Fortschrittsangst herhalten müssen.
Daher, um einen konstruktiven Beitrag zur Diskussion zu liefern, stellen wir gerne unsere KI-Richtlinie anderen Verlagen hier zur Verfügung.
KI-Richtlinie der Ostdeutschen Medienholding
Diese Richtlinie kumuliert unsere Erfahrungen der letzten sechs Jahre, und vielleicht ist sie ein gemeinsamer Startpunkt für einen konstruktiven Ansatz, statt Maschinen zu stürmen und Fortschritt verlangsamen zu wollen. Wir nehmen gerne Vorschläge zur Verbesserung entgegen.
Für die Erregungskurve mancher Mitarbeiter unserer Mitbewerber sei angemerkt, dass auch dieses Dokument mithilfe von KI entwickelt wurde. Doch es wurde von Menschen qualifiziert und freigegeben.
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