Der Privatjet von Fifa-Präsident Gianni Infantino könnte während der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko nach Berechnungen der französischen Beratungsfirma Greenly zwischen 300 und 500 Tonnen Kohlendioxid verursachen. Das berichtete die britische Zeitung The Guardian. Greenly ist auf die Berechnung von CO₂-Bilanzen spezialisiert.
Der 56-jährige Schweizer hat binnen sieben Tagen zehn Spiele in acht Städten besucht, darunter Mexiko-Stadt, Guadalajara, Los Angeles, San Francisco, Vancouver, Seattle, Kansas City und Houston. Möglich macht das ein Privatjet, den der Sponsor Qatar Airways dem Fußball-Weltverband Fifa zur Verfügung stellt.
Pro Flugstunde so viel CO₂ wie ein Mensch im Jahr
Schon eine Flugstunde in dieser Maschine verursache ungefähr so viel Kohlendioxid wie ein durchschnittlicher Mensch in einem ganzen Jahr, erklärte Greenly laut Guardian. Sollte Infantino bis ins Achtelfinale täglich zwei Städte ansteuern und anschließend die acht Viertelfinalspiele besuchen, summiere sich der Ausstoß seines Jets auf eine „plausible Spanne von 300 bis 500 Tonnen“. Das entspreche dem jährlichen CO₂-Fußabdruck von 35 bis 55 Französinnen und Franzosen.
Die Fifa verteidigte die Reisepraxis ihres Präsidenten gegenüber dem Guardian. Führungskräfte entschieden zwischen Linien- und Privatflügen „auf Basis dessen, was am effizientesten und kostengünstigsten ist“. Die Reisekosten übernehme in allen Fällen der Verband. Bereits Mitte Juni hatte das Blatt berichtet, Infantino plane, bei der laufenden WM nach Möglichkeit zwei Partien pro Tag zu besuchen. Begünstigt wird das durch die Ausweitung des Turniers von 32 auf 48 Mannschaften und von 64 auf 104 Spiele.
Stadien über drei Länder verteilt
Die 16 Spielorte liegen in drei Ländern und vier Zeitzonen, zwischen den am weitesten entfernten Stadien liegen rund 4.500 Kilometer. David Gogishvili, Geograf an der Universität Lausanne, sprach gegenüber der Nachrichtenagentur AFP von einem „Nachhaltigkeitsparadox“. Durch die Nutzung bestehender, aber geografisch weit auseinanderliegender NFL-Stadien habe die Fifa ein Reisemodell geschaffen, das im Kern auf emissionsintensiven Flugverkehr angewiesen sei.
Eine Studie unter Beteiligung des New Weather Institute, einer britischen Denkfabrik zu Klima- und Wirtschaftsfragen, hatte bereits im Juli 2025 geschätzt, die WM 2026 werde rund neun Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente verursachen und damit fast doppelt so viel wie der historische Durchschnitt der Turniere zwischen 2010 und 2022. Etwa 7,7 Millionen Tonnen entfielen demnach allein auf den Flugverkehr.
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