Der syrische Präsident Ahmed al-Scharaa hat einen militärischen Einsatz seines Landes gegen die Hisbollah im Libanon ausgeschlossen. Damit widersprach er öffentlich Äußerungen von US-Präsident Donald Trump, der Syrien erneut als möglichen Akteur im Kampf gegen die von Deutschland und den USA als Terrororganisation eingestufte Miliz ins Gespräch gebracht hatte.
„Die Lösung für den Libanon wird nicht durch Krieg und die Bombardierung von Städten kommen“, sagte Scharaa dem arabischen Sender Al Mashhad. Syrien suche „wirtschaftliche Kanäle zwischen dem Libanon und Syrien, keine militärischen“. Das berichteten die Times of Israel und die Jerusalem Post unter Berufung auf das Interview.
Trump hatte zuvor in einem Interview mit Fox News seine Frustration über den Verlauf des Krieges zwischen Israel und der Hisbollah deutlich gemacht. „Ich bin enttäuscht, dass Israel die Hisbollah nicht ausschalten kann“, sagte der US-Präsident. Mit Blick auf den Konflikt fügte er hinzu: „Ich bin kurz davor, es Syrien zu übergeben.“
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Syrien setzt auf Diplomatie
Scharaa bemühte sich anschließend, die Äußerungen Trumps einzuordnen. Der US-Präsident habe seine Sorge über die Lage im Libanon zum Ausdruck gebracht, sagte er. Seine Worte seien jedoch missverstanden worden. „Er sprach über Syriens Rolle bei der Suche nach einer sicheren und friedlichen Lösung. Die Menschen verstanden das so, als würde Syrien morgen früh in den Libanon einmarschieren“, erklärte Scharaa.
Der syrische Präsident betonte, sein Land wolle die staatlichen Institutionen des Libanon stärken und nach politischen Lösungen suchen. Selbst Gespräche mit der Hisbollah schloss er nicht aus. Auf die Frage, ob er mit der Miliz an einem Tisch sitzen würde, antwortete er: „Wenn das den Interessen des Libanon dient und Syriens Interessen schützt, warum nicht?“
Trump kritisiert Israel zunehmend
Die Äußerungen sind Teil einer zunehmend schärferen Kritik Trumps an Israels Vorgehen im Libanon. Bereits beim G7-Gipfel hatte der US-Präsident erklärt, Israel führe den Krieg gegen die Hisbollah zu lange. „Israel kämpft zu lange gegen die Hisbollah und zu viele Menschen werden getötet“, sagte Trump damals. Zudem kritisierte er die Zerstörungen durch israelische Luftangriffe und erklärte, man müsse nicht jedes Wohnhaus zerstören, um einzelne Kämpfer zu treffen.
Auch Vizepräsident JD Vance hatte zuletzt gewarnt, der Konflikt im Libanon könne die laufenden Gespräche zwischen den USA und dem Iran gefährden.
Krieg im Libanon belastet Iran-Gespräche
Der Zeitpunkt der Debatte ist brisant. Vertreter der USA und des Iran verhandeln derzeit in der Schweiz über eine langfristige Vereinbarung nach den jüngsten militärischen Auseinandersetzungen zwischen beiden Ländern. Die US-Regierung befürchtet offenbar, dass eine weitere Eskalation im Libanon die Gespräche belasten könnte. Trump machte die Hisbollah und deren Unterstützer in Teheran am Wochenende erneut direkt verantwortlich.
Auf seiner Plattform Truth Social forderte er den Iran auf, die „Stellvertreter“ im Libanon sofort zu stoppen. Andernfalls würden die USA den Iran erneut angreifen und „noch härter“ treffen als zuvor.
Netanjahu verteidigt Israels Vorgehen
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wies die Kritik zurück. Bei einer Konferenz in Jerusalem verteidigte er die israelische Sicherheitszone im Süden des Libanon und verglich das Vorgehen mit einer möglichen Reaktion der USA auf Bedrohungen an ihren Grenzen. Israel befinde sich nicht im Krieg mit dem Libanon, sondern mit der Hisbollah, sagte Netanjahu. Die Miliz terrorisiere den Libanon und strebe die Zerstörung Israels an.
Zugleich berichteten israelische Medien, dass die israelische Armee ihre politische Führung dränge, die Verhandlungen mit der libanesischen Regierung zu intensivieren. Ziel sei es, die Hisbollah weiter zu isolieren und eine politische Lösung zu erreichen, bevor möglicher Druck aus Washington die militärischen Optionen einschränken könnte.
Al-Scharaa vermeidet neue Front
Für Scharaa kommt die Debatte zu einem heiklen Zeitpunkt. Seit dem Sturz von Baschar al-Assad Ende 2024 bemüht sich die neue syrische Führung um internationale Anerkennung und den Wiederaufbau des Landes.
Die Hisbollah hatte im syrischen Bürgerkrieg jahrelang auf der Seite Assads gekämpft. Dennoch macht Scharaa deutlich, dass Syrien keine neue militärische Front eröffnen will. Stattdessen setzt die Regierung in Damaskus nach eigenen Angaben auf Diplomatie, wirtschaftliche Zusammenarbeit und politische Stabilisierung des Nachbarlandes.
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