Schuldenkrise

Größer als Griechenland: Venezuela plant größte Staatsumschuldung der Welt

Trotz riesiger Ölreserven steckt Venezuela in einer schweren Wirtschaftskrise. Nun verhandelt die Regierung mit Gläubigern, darunter China und Russland, über einen historischen Schuldenschnitt.

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Delcy Rodríguez treibt die Verhandlungen über eine Umschuldung Venezuelas voran.

Delcy Rodríguez treibt die Verhandlungen über eine Umschuldung Venezuelas voran.

© Bart Maat/AFP

Venezuela steht laut einem Bericht der Financial Times vor der größten Staatsumschuldung der Finanzgeschichte. Das südamerikanische Land will demnach in den kommenden Wochen Verbindlichkeiten von rund 240 Milliarden US-Dollar offenlegen. Die Summe liegt deutlich über bisherigen Schätzungen von 150 bis 200 Milliarden US-Dollar.

Die neue Übergangsregierung unter Delcy Rodríguez arbeitet laut der Zeitung an einem umfassenden Schuldenschnitt, der Venezuela nach Jahren wirtschaftlicher Isolation wieder den Zugang zu internationalen Finanzmärkten ermöglichen soll.

Größer als die Griechenland-Krise

Mit einem Volumen von rund 240 Milliarden US-Dollar würde die geplante Restrukturierung selbst die bisher größte Staatsumschuldung der Geschichte übertreffen. Den bisherigen Rekord hält Griechenland, das während der Eurokrise im Jahr 2012 Schulden von rund 200 Milliarden US-Dollar umstrukturieren musste.

Bei einer Umschuldung verzichten Gläubiger in der Regel auf einen Teil ihrer Forderungen oder akzeptieren längere Rückzahlungsfristen. Ziel ist es, einen Staatsbankrott abzuwenden und dem betroffenen Land wieder eine finanzielle Perspektive zu geben.

Wirtschaft auf ein Drittel geschrumpft

Besonders dramatisch ist die Entwicklung der venezolanischen Wirtschaft. Nach Informationen der Financial Times soll die Regierung die aktuelle Wirtschaftsleistung des Landes auf nur noch rund 100 Milliarden US-Dollar beziffern. Zum Vergleich: 2012, im letzten Amtsjahr von Hugo Chávez, lag die Wirtschaftsleistung noch bei rund 370 Milliarden US-Dollar. Sollte sich die Schätzung bestätigen, entspräche die Verschuldung mehr als dem Doppelten der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes. Ökonomen betrachten eine Schuldenquote von über 200 Prozent als äußerst problematisch.

Schulden bei Investoren, China und Russland

Die Forderungen gegen Venezuela stammen aus verschiedenen Quellen. Allein Staatsanleihen sowie Schulden des staatlichen Ölkonzerns PDVSA summieren sich laut dem Bericht auf rund 100 Milliarden US-Dollar einschließlich aufgelaufener Zinsen.

Hinzu kommen offene Rechnungen gegenüber Ölunternehmen, Entschädigungsforderungen enteigneter Firmen sowie Kredite aus China und Russland. Marktbeobachter schätzen die Verbindlichkeiten gegenüber China auf 10 bis 20 Milliarden US-Dollar, gegenüber Russland auf etwa sechs Milliarden US-Dollar.

Zusammen mit weiteren Forderungen von Unternehmen, Investoren und internationalen Institutionen könnte sich der Schuldenberg nach Angaben der Financial Times auf insgesamt rund 240 Milliarden US-Dollar belaufen.

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Rückkehr an die Finanzmärkte geplant

Die Regierung strebt laut Financial Times eine Einigung mit den Gläubigern noch in diesem Jahr an. Unterstützt wird Caracas dabei von der US-Investmentbank Centerview Partners, die bereits an großen Umschuldungen anderer Staaten beteiligt war.

Allerdings gibt es auch Kritik. Einige Investoren und Vertreter der Opposition befürchten, dass Venezuela ohne die direkte Beteiligung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in eine schwächere Verhandlungsposition geraten könnte. Der IWF bestätigte gegenüber der Zeitung, bislang nicht an den Umschuldungsverhandlungen beteiligt zu sein.

Öl bleibt entscheidend

Ob die Umschuldung gelingt, hängt nach Einschätzung von Investoren vor allem davon ab, ob Venezuela seine Ölproduktion wieder steigern kann. Das Land verfügt über die größten bekannten Erdölreserven der Welt, die Förderung war jedoch unter Nicolás Maduro und infolge internationaler Sanktionen stark eingebrochen.

Nach Angaben der venezolanischen Zentralbank stiegen die Ölexporte im ersten Quartal dieses Jahres zwar wieder auf 5,5 Milliarden US-Dollar. Von früheren Höchstständen ist das Land jedoch weiterhin weit entfernt.

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