Nach einem Brand in einem großen Rechenzentrum in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi fürchten mehrere Unternehmen den dauerhaften Verlust wichtiger Datenbestände. Wie Reuters berichtet, könnte bei einigen Kunden sogar jahrzehntelang gespeichertes Material unwiederbringlich verloren gegangen sein.
Betroffen ist ein Rechenzentrum von STT Global Data Centres India, einem Gemeinschaftsunternehmen des singapurischen Konzerns ST Telemedia und des indischen Telekommunikationsunternehmens Tata Communications. Das Feuer war Anfang Juni ausgebrochen.
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„Erhebliche Schäden“ durch Feuer
In einem Schreiben an einen Kunden, das Reuters einsehen konnte, heißt es, der Brand habe in Teilen der Anlage „erhebliche Schäden“ verursacht. Die Schwere der Zerstörungen erschwere die Wiederherstellung von Daten und Systemen erheblich. Fernsehbilder vom Tag des Brandes zeigten laut Reuters ausgebrannte Serverracks, zerstörte elektrische Anlagen und eingestürzte Deckenelemente.
Die Ursache des Feuers ist bislang nicht abschließend geklärt. Die Feuerwehr von Neu-Delhi erklärte nach Angaben von Reuters, der Brand sei im Bereich von Lithium-Batterieeinheiten ausgebrochen.
Unternehmen vermisst Daten aus mehr als zwei Jahrzehnten
Besonders schwer getroffen wurde nach eigenen Angaben das indische Unternehmen Matrix Cellular, das internationale SIM-Karten anbietet. Firmenchef Gaurav Khanna sagte Reuters, sein Unternehmen habe möglicherweise den Zugriff auf mehr als 20 Jahre gesammelter Betriebs- und Geschäftsdaten verloren. Dazu gehörten Kundendaten, Nutzungsinformationen, Support-Historien sowie Abrechnungs- und Lieferantendaten.
„Wenn es eine Sicherungskopie gibt, hätte sie inzwischen wiederhergestellt werden müssen“, sagte Khanna laut Reuters. Mehr als 20 Tage nach dem Brand seien die Daten weiterhin nicht verfügbar.
Auch Google-Dienste betroffen
Der Brand hatte offenbar auch Auswirkungen auf die Infrastruktur von Google Cloud in Indien. Eine mit dem Vorgang vertraute Person sagte Reuters, einige der seit Anfang Juni gemeldeten Netzwerkstörungen stünden in Zusammenhang mit dem Vorfall im Rechenzentrum. Google selbst hatte auf seiner Störungsseite von einem Brand in einem Rechenzentrum eines Drittanbieters berichtet, ohne den Betreiber namentlich zu nennen.
In einer Mitteilung vom 23. Juni warnte Google seine Kunden weiterhin vor möglichen Verzögerungen bei Netzwerkdiensten, bis die betroffene Anlage vollständig wiederhergestellt sei.
Tata verweist auf Notfallpläne
STT Global Data Centres India erklärte laut Reuters, die Auswirkungen seien nach ersten Erkenntnissen auf einen einzelnen Serverbereich und die zugehörige Infrastruktur begrenzt. Kunden würden, wo möglich, auf alternative Kapazitäten umgestellt. Tata Communications teilte mit, die Dienste aller Kunden wiederhergestellt zu haben, die zusätzliche Backup- und Wiederherstellungsdienste gebucht hätten. Weitere Maßnahmen zur Datenrettung würden fortgesetzt.
Der Konzern wirbt damit, weltweit rund 300 Unternehmen aus der Fortune-500-Liste zu seinen Kunden zu zählen und Verbindungen zu einem Großteil der globalen Cloud-Anbieter bereitzustellen.
Untersuchung läuft
Nach Angaben von Reuters wird derzeit eine unabhängige technische Untersuchung durchgeführt. Die Analyse der Brandursache und des Schadensausmaßes soll nach Angaben des Betreibers noch mehrere Wochen dauern.
Für viele betroffene Unternehmen bleibt damit vorerst unklar, ob ihre Daten vollständig wiederhergestellt werden können oder dauerhaft verloren sind.
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