Ölmarkt

Straße von Hormus: Ölpreise fallen trotz Angriff auf Frachter

Die Märkte setzen auf einen zunehmenden Tankerverkehr durch die Meerenge. Der Iran beansprucht weiter Kontrolle über die Durchfahrtsrouten.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Handelsschiffe in den Gewässern der Straße von Hormus nahe Khasab: Tausende Seeleute sitzen seit Monaten in der Region fest.

Handelsschiffe in den Gewässern der Straße von Hormus nahe Khasab: Tausende Seeleute sitzen seit Monaten in der Region fest.

© Wen Xinnian/imago

Die Ölpreise sind am Freitag im frühen Handel trotz eines Angriffs auf ein Frachtschiff nahe der omanischen Küste gesunken. An den Märkten überwog die Erwartung, dass wieder mehr Tanker die Straße von Hormus passieren können. Beide wichtigsten Rohölsorten steuern auf einen Wochenverlust von rund sieben Prozent zu.

Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent fiel laut Reuters um 19 Cent auf 75,07 US-Dollar, die US-Sorte WTI gab um 13 Cent auf 71,79 Dollar nach. Am Donnerstag waren die Notierungen noch um mehr als zwei Prozent gestiegen, nachdem ein Frachter südöstlich der omanischen Ortschaft Dahit von einem Geschoss getroffen worden war.

UN-Behörde stoppt Evakuierung der Besatzungen

Nach Angaben der britischen Marinebehörde UKMTO wurde das Schiff an der Steuerbordseite beschädigt. Verletzte oder Umweltschäden seien nicht gemeldet worden. Zwei US-Regierungsvertreter sagten Reuters, der Iran habe auf den Frachter gefeuert, als dieser die Meerenge passieren wollte. Ein US-Vertreter bezeichnete das Schiff gegenüber dem auf den Nahen Osten spezialisierten Nachrichtenportal Al-Monitor als unter singapurischer Flagge fahrenden Containerfrachter, der mit einer iranischen Drohne getroffen worden sei. Eine unabhängige Bestätigung der Urheberschaft liegt nicht vor.

Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation IMO setzte nach dem Angriff ihre erst diese Woche gestartete Evakuierungsaktion für seit Monaten in der Region festsitzende Besatzungen von Schiffen aus. IMO-Generalsekretär Arsenio Dominguez erklärte, das betroffene Schiff sei nicht Teil des Evakuierungsplans gewesen. Die Pause solle es ermöglichen, die Sicherheitsgarantien für die Schiffe auf der Evakuierungsliste erneut zu prüfen. Die Sicherheit der Seeleute habe Vorrang.

Iran beansprucht Kontrolle über Routen

Die iranische Behörde für die Straße von Hormus erklärte nach dem Vorfall auf der Plattform X, eine Durchfahrt außerhalb der von ihr festgelegten Routen sei nicht durch Sicherheitsgarantien gedeckt. Bereits zuvor hatte die Marine der Revolutionsgarden den von Oman und der IMO ausgewiesenen Korridor als „inakzeptabel und vollständig gefährlich“ bezeichnet.

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Trotz der angespannten Lage verließen zuletzt mehr Tanker die Meerenge. Nach Daten der Analysefirma Lloyd’s List Intelligence passierten in der vergangenen Woche 125 Schiffe die Straße von Hormus, in der Woche zuvor waren es 33. Vor Beginn des Konflikts zwischen den USA, Israel und dem Iran Ende Februar hatten täglich durchschnittlich rund 125 Schiffe die Meerenge durchquert, durch die etwa ein Fünftel des weltweiten Ölhandels läuft.

Analysten des Finanzunternehmens Macquarie erwarten laut Reuters, dass sich die Ölpreise in Richtung Vorkriegsniveau normalisieren. Sie prognostizieren demnach für das dritte Quartal Durchschnittspreise von 67 Dollar für Brent und 62 Dollar für WTI, nach 94 und 87 Dollar im zweiten Quartal.

US-Außenminister Marco Rubio bekräftigte am Donnerstag am Rande eines Treffens mit Ministern des Golf-Kooperationsrates in Bahrain, Washington stehe zu der neuen Route. Rubio sagte demnach, die USA sähen ein Problem, wenn Schiffe die Meerenge erneut nicht mehr passieren könnten.

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