Die USA prüfen nach schweren iranischen Angriffen auf Militärstandorte im Nahen Osten offenbar eine Verlagerung von Teilen ihrer Präsenz am Persischen Golf. Dabei werde auch Israel als möglicher Standort erwogen, berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf US-Regierungsbeamte. Hintergrund seien Schäden an der Naval Support Activity Bahrain, der einzigen US-Marinebasis im Nahen Osten und Sitz der Fünften Flotte.
Nach einer Analyse des Wall Street Journal auf Grundlage von Satellitenbildern, Aufnahmen aus sozialen Medien und Gesprächen mit aktuellen und früheren US-Militärangehörigen trafen iranische Raketen und Drohnen die Basis bei Manama deutlich härter, als das Pentagon bislang öffentlich eingeräumt hat. Beschädigt worden seien unter anderem das Hauptquartier der Fünften Flotte, Kasernen, Lagerhallen, ein Trinkwassertank sowie zwei Satellitenkommunikationsanlagen. Die reinen Baukosten der Schäden auf der Basis schätzt das Journal auf rund 400 Millionen US-Dollar.
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Pentagon spricht von Schutz der Soldaten
Das US-Militär erklärte laut dem Bericht, auf der Basis in Bahrain sei niemand getötet worden. Der Betrieb sei nicht wesentlich beeinträchtigt worden. Ein Sprecher des US-Zentralkommandos Centcom sagte dem Wall Street Journal, der Schutz von Menschen sei gegenüber dem Schutz von Gebäuden priorisiert worden. Die Strategie habe funktioniert.
Die Angriffe waren Teil der iranischen Vergeltung nach Beginn der gemeinsamen amerikanisch-israelischen Bombardierungen gegen den Iran am 28. Februar. Nach Angaben des Wall Street Journal traf der Iran im Verlauf des Krieges mindestens 20 amerikanische Standorte in der Region, darunter Militäranlagen und diplomatische Einrichtungen.
Israel als möglicher Ausweichstandort
Nach Angaben amerikanischer Regierungsbeamter prüft Washington nun, die Basis in Bahrain umzubauen, Kommandostrukturen unter die Erde zu verlegen und beschädigte Gebäude teils nicht wieder aufzubauen. Auch eine Verringerung der US-Präsenz in Kuwait und Saudi-Arabien werde erwogen. Teile der militärischen Fähigkeiten könnten weiter westlich stationiert werden, außerhalb der Reichweite iranischer Raketen und Drohnen. Israel sei einer der Standorte, die diskutiert würden.
Während des Iran-Krieges hatte Israel bereits zahlreiche US-Flugzeuge aufgenommen, darunter Kampfjets und Tankflugzeuge. Nach Angaben der Times of Israel standen seit der Vorbereitung des Krieges Dutzende US-Maschinen am Flughafen Ben Gurion, was auch den zivilen Flugverkehr beeinträchtigt habe.
Golfstaaten fürchten neue Unsicherheit
Die mögliche Verlagerung hätte erhebliche Bedeutung für die Sicherheitsarchitektur im Nahen Osten. Bahrain, Kuwait, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate sind seit Jahrzehnten zentrale Standorte amerikanischer Militärpräsenz. Zugleich haben die iranischen Angriffe gezeigt, wie verwundbar diese Basen gegenüber präziseren Raketen und Drohnen geworden sind.
US-Außenminister Marco Rubio reiste in dieser Woche in die Golfregion, um Verbündete nach dem jüngsten US-Iran-Abkommen zu beruhigen. Reuters berichtete, Rubio habe den Vereinigten Arabischen Emiraten und Kuwait zugesichert, die Regierung in Washington werde die Sicherheit seiner Partner nicht gefährden. Die Golfstaaten sorgen sich demnach vor allem, dass ein Abkommen mit Teheran Irans Raketenprogramm und die Rolle seiner Verbündeten in der Region nicht ausreichend begrenzt.
Milliardenkosten nach dem Iran-Krieg
Der finanzielle Schaden für die USA ist offenbar erheblich. Das Center for Strategic and International Studies schätzte die Gesamtkosten des Krieges laut Wall Street Journal zuletzt auf rund 40 Milliarden US-Dollar. Darin enthalten seien auch Schäden an amerikanischen Basen, die das Institut auf 2,2 bis 5,1 Milliarden US-Dollar veranschlagt habe.
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