Ukraine-Krieg

Nach ukrainischen Angriffen: Putins Hardliner drängen auf Eskalation – Ruf nach Atomwaffen

Ukrainische Drohnen treffen Ziele tief in Russland. Nun fordern nationalistische Hardliner von Wladimir Putin ein Ende der Gespräche mit den USA und eine Eskalation des Krieges.

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Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Besuch des Gromow-Flugforschungsinstituts bei Moskau

Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Besuch des Gromow-Flugforschungsinstituts bei Moskau

© Yuri Kochetkov/imago

Nach den jüngsten ukrainischen Drohnenangriffen tief im russischen Hinterland wächst der Druck auf Kremlchef Wladimir Putin aus dem nationalistischen Lager. Russische Hardliner fordern ein Ende der Gespräche mit den USA, eine deutliche Ausweitung des Krieges gegen die Ukraine und teilweise sogar den Einsatz taktischer Atomwaffen. Das geht aus einer Analyse der Nachrichtenagentur Reuters hervor, die sich auf Äußerungen einflussreicher nationalistischer Akteure, Kreml-nahe Quellen und Einschätzungen von Experten stützt.

Auslöser sind nach Reuters die ukrainischen Angriffe der vergangenen Wochen auf Ziele in Moskau, St. Petersburg und auf der Krim. Hinzu kommen russischen Angaben zufolge tödliche Angriffe auf Reisebusse. Die zunehmende Reichweite ukrainischer Drohnen habe die Debatte darüber verschärft, wie Russland sein riesiges Staatsgebiet schützen könne, ohne seine Kriegsziele aufzugeben.

Forderungen nach härterem Vorgehen

Besonders scharfe Töne kommen von prominenten Vertretern des nationalistischen Spektrums. Der Unternehmer Konstantin Malofejew stellte nach einem ukrainischen Angriff auf eine Raffinerie in Moskau öffentlich die Frage, warum Russland seine taktischen Atomwaffen nicht einsetze. Reuters zufolge forderten andere nationalistische Kommentatoren zudem die Bombardierung weiterer ukrainischer Städte, Angriffe auf europäische Fabriken, in denen Drohnen für die Ukraine produziert werden, oder eine vollständige Mobilmachung. Einige verlangten außerdem, die von den USA vermittelten Gespräche über eine mögliche Beilegung des Krieges endgültig abzubrechen.

Der nationalistische Blogger Juri Barantschik schrieb auf Telegram, Washington habe den ukrainischen Angriffen grünes Licht gegeben. Deshalb habe Russland „keine andere Wahl“, als den Druck weiter zu erhöhen. Reuters weist darauf hin, dass solche Stimmen in Russland zwar einflussreich seien, sich aber innerhalb der vom Kreml gesetzten Grenzen bewegten.

Kreml hält an diplomatischer Option fest

Trotz der lautstarken Forderungen hält der Kreml nach Einschätzung von Reuters bislang an seiner bisherigen Linie fest. Drei hochrangige russische Regierungsvertreter erklärten zwar in dieser Woche, die Gespräche mit den USA hätten bislang keine greifbaren Ergebnisse gebracht. Moskau wirft der US-Regierung vor, Zusagen aus dem Gipfeltreffen zwischen Putin und Donald Trump im vergangenen Jahr nicht umgesetzt zu haben. Dennoch habe Putin die Forderungen nach einem vollständigen Abbruch der Kontakte bisher nicht übernommen.

Auch die radikalsten Vorschläge der Hardliner macht sich der Kreml bislang nicht zu eigen. Allerdings verschärfte Russland zuletzt seine Luftangriffe auf militärische Ziele in Kiew. Bereits im April veröffentlichte das russische Verteidigungsministerium zudem die Adressen mehrerer europäischer Unternehmen, denen es die Herstellung von Drohnen für die Ukraine vorwarf. Beobachter werteten dies als Warnsignal.

Experten sehen wachsenden innenpolitischen Druck

Analysten zufolge spiegeln die Forderungen vor allem die Nervosität nationalistischer Kreise wider. Die ukrainischen Angriffe zeigten, dass selbst weit entfernte Ziele in Russland erreichbar seien. Gleichzeitig könnten die öffentlichen Eskalationsforderungen den Handlungsspielraum des Kremls einschränken, weil sie Erwartungen an eine noch härtere Kriegsführung schürten, obwohl Moskau die Möglichkeit einer diplomatischen Lösung offiziell weiter offenhalten wolle.

Putin selbst gab sich zuletzt demonstrativ gelassen. Er erklärte am Dienstag, Russland stehe kurz davor, die ostukrainische Stadt Kostjantyniwka einzunehmen. Zudem zeigte er sich überzeugt, dass sich die politischen Kräfteverhältnisse in Europa langfristig zugunsten Russlands verändern würden.

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Soldaten stellen Putins Kurs infrage

Die Kritik aus den eigenen Reihen kommt für den Kreml zu einem heiklen Zeitpunkt. Erst am Freitag sorgte ein ehemaliger russischer Frontsoldat mit einem millionenfach angesehenen Video für Aufsehen. Alexander Lunin forderte eine Live-Audienz bei Präsident Wladimir Putin, um ihm „die ganze Wahrheit“ über den Krieg zu sagen. Andernfalls, drohte er, werde sich die Armee gegen den Kreml wenden. Die Wortwahl weckte Erinnerungen an den Wagner-Aufstand im Sommer 2023, als Söldner unter Jewgeni Prigoschin zeitweise Richtung Moskau marschierten.

Kremlsprecher Dmitri Peskow bestätigte, das Video zur Kenntnis genommen zu haben. Lunin wirft seinen Vorgesetzten vor, Soldaten auszubeuten, zu quälen und an der Front zu „verheizen“. Ob seine Aussagen tatsächlich Rückhalt in der Armee haben, ist unklar. Der Fall zeigt jedoch, dass die öffentliche Kritik am Krieg und an der militärischen Führung selbst in Russland zunimmt – obwohl Opposition und unabhängige Medien seit Jahren weitgehend ausgeschaltet sind.

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