Lange gingen viele Astronomen davon aus, dass die Erde in einigen Milliarden Jahren von der alternden Sonne verschluckt wird. Eine neue Studie europäischer Forscher zeichnet nun jedoch ein anderes Bild: Unter bestimmten Voraussetzungen könnte unser Planet den gewaltigen Umbau der Sonne überstehen und den ausgebrannten Stern sogar weiter umkreisen.
Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler um den Astrophysiker Mathias Esseldeurs in einer Studie, die im Fachjournal Astronomy & Astrophysics veröffentlicht wurde. Die Autoren betonen jedoch, dass das endgültige Schicksal der Erde weiterhin nicht sicher vorhergesagt werden kann. Es hängt entscheidend davon ab, wie sich die Sonne in ihrer letzten Lebensphase entwickelt.
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Warum die Sonne überhaupt zur Gefahr wird
Nach heutigem Stand der Astrophysik wird die Sonne in etwa fünf Milliarden Jahren ihren Wasserstoffvorrat im Kern aufgebraucht haben. Sie bläht sich dann zunächst zu einem Roten Riesen auf und verliert in ihrer letzten Entwicklungsphase große Mengen an Masse. Am Ende bleibt ein Weißer Zwerg zurück.
Wie sich diese Entwicklung auf die Erde auswirkt, ist dagegen seit Jahren Gegenstand wissenschaftlicher Debatten. Frühere Modelle kamen häufig zu dem Ergebnis, dass unser Planet von der immer größer werdenden Sonne verschluckt wird. Die neue Studie zeichnet nun ein anderes Bild: Merkur und Venus gelten weiterhin als verloren, für die Erde sehen die Autoren dagegen unter bestimmten Voraussetzungen gute Chancen auf ein Überleben. Gleichzeitig betonen sie, dass das endgültige Schicksal unseres Planeten wegen bestehender Unsicherheiten beim Masseverlust der Sonne weiterhin offen ist.
Ein Wettstreit zweier Kräfte entscheidet
Ob die Erde überlebt, hängt nach Angaben der Forscher von einem empfindlichen Gleichgewicht zweier gegensätzlicher Effekte ab. Einerseits verliert die alternde Sonne enorme Mengen an Masse. Dadurch wird ihre Anziehungskraft schwächer und die Erde könnte langsam auf eine weiter außen liegende Umlaufbahn wandern. Andererseits wirken sogenannte Gezeitenkräfte. Die aufgeblähte Sonne übt eine Bremswirkung auf den Planeten aus und könnte ihn dadurch wieder näher an sich heranziehen.
Welche dieser beiden Kräfte am Ende überwiegt, entscheidet nach den Berechnungen der Wissenschaftler darüber, ob die Erde verschluckt wird oder entkommt.
Neue Modelle verändern die Prognose
Frühere Studien gingen meist davon aus, dass die Gezeitenkräfte stärker wirken. In diesen Modellen geriet die Erde während der letzten Entwicklungsphase der Sonne in deren Hülle und wurde verschlungen.
Die neue Untersuchung verwendet modernere Berechnungen der Gezeitenkräfte. Nach diesem Modell fällt deren Einfluss schwächer aus. Gleichzeitig könnte der Masseverlust der Sonne groß genug sein, damit sich die Erdumlaufbahn ausreichend nach außen verschiebt. Dadurch würde die Erde nach den Berechnungen nicht von der alternden Sonne verschluckt. Nachdem sich die Sonne zunächst zu einem Roten Riesen aufgebläht und später ihre äußeren Hüllen abgestoßen hat, bliebe nur noch ihr heißer Kern als Weißer Zwerg zurück. Diesen Sternrest könnte die Erde auch danach weiter umkreisen.
Forscher geben dennoch keine Entwarnung
Trotz des neuen Ergebnisses warnen die Autoren davor, das Schicksal der Erde bereits als geklärt anzusehen. Noch immer bestehen erhebliche Unsicherheiten darüber, wie viel Masse die Sonne in ihrer letzten Lebensphase tatsächlich verlieren wird. Fällt dieser Masseverlust geringer aus als angenommen, steigt nach den Berechnungen die Wahrscheinlichkeit, dass die Erde am Ende doch von der Sonne verschluckt wird.
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