Nachdem Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sich trotz des überraschenden WM-Ausscheidens des DFB-Teams in einem X-Post „begeistert“ und „stolz“ zeigte, hat er viel Spott geerntet. Nun legte der Kanzler noch einmal nach, mit einem weiteren Post auf der Plattform: „Erfolge feiern wir gemeinsam. Und in der Niederlage stehen wir zusammen. Das macht uns stark. Wer den Adler auf der Brust trägt, hat unseren Rückhalt verdient und nicht unseren Spott.“
Mit dem Gemeinschaftsgedanken verteidigt Merz sein viel kritisiertes Lob und die tröstenden Worte, kommt damit im Netz aber auch nicht besser an. Einer der Kommentare mit den meisten Likes unter dem neuen Post des Kanzlers lautete: „Merz ist der einzige Deutsche, der einen Elfmeter zweimal verschießen kann.“
Die deutsche Fußballnationalmannschaft ist in der Nacht zum Dienstag in Foxborough nach einem schwachen Auftritt gegen Außenseiter Paraguay und einer Niederlage im Elfmeterschießen überraschend aus der Weltmeisterschaft ausgeschieden. Es hagelte Kritik für Mannschaft und Trainer, nicht aber von höchster Stelle.
Merz entschied sich stattdessen für Lob und aufmunternde Worte. In den sozialen Medien löste seine Reaktion allerdings viel Spott und Häme aus. Die Kanzlerbotschaft verfehlte ihr Ziel – ähnlich wie zahlreiche deutsche Abschlüsse beim enttäuschenden WM-Aus gegen Paraguay.
Merz lobt die Verlierer – meint er das ernst?
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Merz ist „stolz“ auf die Mannschaft, die Spieler sind es nicht
„Auch wenn das Ausscheiden schmerzt: Was für ein Spiel“, schrieb Merz auf der Plattform X. Die Mannschaft habe mit Einsatz und Teamgeist bei dieser WM „unser Land begeistert“. Begeistert dürften die wenigsten Deutschen vom Auftritt des DFB-Teams gewesen sein, das in der ersten Halbzeit nicht einen Schuss aufs Tor zustande brachte und auch sonst mit wenig Überzeugung auftrat. Merz hält dennoch fest: „Wir sind stolz auf euch.“
DFB-Kapitän Joshua Kimmich sah direkt nach dem Ausscheiden klarer als der Kanzler und zeigte sich enttäuscht und schuldbewusst. Man sei gegen einen schwachen Gegner früh ausgeschieden, und das „gerade in einer Zeit, wo es uns, glaube ich, extrem guttun würde in Deutschland, wenn wir was haben, worauf man stolz sein kann“, sagte Kimmich. Die Nationalmannschaft sei das derzeit leider nicht, fügte er an. Zumindest Merz sieht das anders – hat diese Sicht der Dinge mit einem Blick auf die allgemeinen Reaktionen aber eher exklusiv.
Auch Torschütze Kai Havertz hielt fest: „Die letzten Turniere waren nix. Das Einzige, was ich sagen kann, ist: Entschuldigung!“ Gleichzeitig hatten sämtliche WM-Experten nur deutliche Kritik für die Mannschaft übrig.
„Was für ein Spiel“ hat Merz gesehen?
Die Reaktion des Kanzlers auf die Niederlage stieß in den sozialen Medien auf breites Unverständnis. Zahlreiche Nutzer fragten, welches Spiel Merz gesehen habe. Die Wortkombination „Welches Spiel“ entwickelte sich sogar rasch zu einem Trend auf der Plattform X.
In den Kommentaren unter dem Beitrag des Kanzlers hagelte es Spott für die Aussage, persönliche Angriffe waren oftmals inbegriffen: „Wie in der Politik das Versagen bejubeln. Merz in seinem Element.“ Ein anderer Nutzer schrieb: „Von der Nationalmannschaft sind wir maximal so begeistert wie von Ihrer Bilanz als Bundeskanzler.“ Dem Tenor schloss sich ein weiterer Nutzer an: „Genau dieses Schönreden von Pleiten ist das Problem“, was sinnbildlich für den Zustand des Landes stehe. „Leistung ist irrelevant geworden.“
FDP, AfD und BSW schießen gegen Merz
Auch politische Mitbewerber reagierten mit Spott: „Ich weiß gar nicht, was schlimmer war. Das Spiel oder diese Analyse“, schrieb die FDP-Europaabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann auf X.
Der Post wurde aber auch auf Parteiebene für Kritik an der Arbeit des Bundeskanzlers und seiner Regierung genutzt. Auf dem Kanal der AfD hieß es, Merz habe sich so sehr daran gewöhnt, „die miserable Leistung seiner CDU schönzureden, dass er einfach nicht mehr anders kann“. Sevim Dağdelen vom Bundesvorstand des BSW sprach von „Realitätsverlust auf Kanzlerniveau. Genau wie bei seiner Politik“.
Der Kanzler versucht, Optimismus zu verbreiten, wenn niemand ihn hören will und nachdem bereits der schlimmste Fall eingetreten ist. Es bleibt zu hoffen, dass der DFB bei der sportlichen Aufarbeitung des WM-Debakels die Leistung aller Beteiligten kritischer betrachtet.
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