Die Deutsche Bahn muss auf hochbelasteten Fernverkehrsstrecken künftig zwischen 25 und 40 Prozent der Kapazitäten an andere Anbieter überlassen, hat die Bundesnetzagentur entschieden. Das geht aus einem veröffentlichten Beschluss der Behörde hervor. Die Vergabe der sogenannten Trassen, also festgelegter Strecken zu bestimmten Zeiten, erfolgt über die Bahn-Infrastrukturtochter DB InfraGo.
Die Entscheidung kommt vor allem einem prominenten Wettbewerber zugute: Der italienische Hochgeschwindigkeitsanbieter Italo möchte in den deutschen Fernverkehr einsteigen und dafür 3,6 Milliarden Euro investieren.
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Behörde verspricht sich niedrigere Preise durch Wettbewerb
Netzagentur-Chef Klaus Müller teilte mit, Wettbewerber wie Italo oder FlixTrain müssten viel Geld in neue Fahrzeuge investieren, hätten bisher aber nicht verlässlich abschätzen können, ob sie ausreichend Nutzungsrechte auf der Schiene erhielten. Die Wettbewerbsklausel garantiere ein Mindestmaß an Zugang, ohne Kapazitäten für andere Verkehrsarten zu blockieren, so Müller. Die Behörde erwartet durch mehr Wettbewerb niedrigere Ticketpreise für Fahrgäste.
Bislang dominiert die Deutsche Bahn den Fernverkehr mit einem Marktanteil von rund 95 Prozent. Größter Konkurrent ist das Münchner Unternehmen Flix. Italo plant nach eigenen Angaben den Markteintritt in Deutschland für Frühjahr 2028. Vorgesehen sind 30 Hochgeschwindigkeitszüge für 56 tägliche Verbindungen, zunächst auf den Strecken München–Frankfurt–Köln–Dortmund im Stundentakt sowie München–Berlin–Hamburg im Zweistundentakt.
Bahn warnt vor dünnerem Flächenangebot
Die Deutsche Bahn hat wiederholt vor einem solchen Eingriff gewarnt. Auf den umkämpften Schnellstrecken verdiene der Konzern das Geld, mit dem Angebote in weniger nachgefragten Regionen finanziert würden. Bahn-Chefin Evelyn Palla erklärte Anfang Juni, neue Wettbewerber wollten vor allem Geld verdienen und würden sich auf die wirtschaftlich attraktivsten Verbindungen zwischen den Metropolen konzentrieren. Dadurch werde Flächenangebot verdrängt.
Auch die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG hatte sich kritisch geäußert. Laut einer EVG-Analyse drohe mindestens 16 Städten die Einstellung oder Ausdünnung von ICE- und IC-Halten, darunter Augsburg, Münster, Freiburg, Osnabrück und Saarbrücken.
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