Der Oberste Gerichtshof der USA hat entschieden, dass einzelne Bundesstaaten transgeschlechtliche Athletinnen von Mädchen- und Frauenmannschaften an Schulen und Hochschulen ausschließen dürfen. Mit dem Urteil bleiben entsprechende Gesetze, die in mehr als der Hälfte der US-Bundesstaaten eingeführt worden waren, bestehen.
Wie aus der am Dienstag veröffentlichten Entscheidung hervorgeht, urteilten die Richter mit sechs zu drei Stimmen in zwei Fällen aus West Virginia und Idaho. Die Mehrheitsmeinung verfasste Richter Brett Kavanaugh, dem sich Chief Justice John Roberts sowie die Richter Clarence Thomas, Samuel Alito, Neil Gorsuch und Amy Coney Barrett anschlossen.
Schulen dürften die Teilnahmeberechtigung für Mädchen- und Frauensport am biologischen Geschlecht festmachen, schrieb Kavanaugh. Weder Title IX – das US-Bundesgesetz gegen Geschlechterdiskriminierung im Bildungswesen von 1972 – noch die Gleichheitsklausel des 14. Verfassungszusatzes verlangten eine Umgestaltung des Frauensports in den USA. Die Bundesstaaten verfolgten mit den Regelungen die Ziele Sicherheit und faire Wettkampfbedingungen, hieß es in der Urteilsbegründung.
Hintergrund der beiden Verfahren
Geklagt hatten die Schülerin B. P. J., die in West Virginia auf die Schulmannschaften im Cross-Country-Lauf und Leichtathletik wollte, sowie die Studentin Lindsay Hecox aus Idaho. Beide sind transgeschlechtlich.
Virginia hatte im Jahr 2021 den „Save Women's Sports Act“ verabschiedet, Idaho im Jahr 2020 den „Fairness in Women's Sports Act“. Laut Gericht haben in den vergangenen sechs Jahren 27 US-Bundesstaaten ähnliche Gesetze erlassen.
Liberale Richterinnen widersprechen
Die drei liberalen Richterinnen Sonia Sotomayor, Elena Kagan und Ketanji Brown Jackson stimmten der Mehrheit zwar bei der Auslegung von Title IX zu, widersprachen jedoch bei der Frage der verfassungsrechtlichen Gleichbehandlung.
Sotomayor schrieb in ihrem Sondervotum, das Gericht hätte die Sache zur weiteren Tatsachenklärung an die Vorinstanzen zurückverweisen müssen. Die Mehrheit lasse zentrale Fragen offen, etwa ob transgeschlechtliche Mädchen nach einer Hormonbehandlung tatsächlich einen körperlichen Vorteil behielten.
Die Entscheidung knüpft an ein Urteil aus dem Vorjahr an, mit dem der Supreme Court ein Verbot bestimmter medizinischer Behandlungen für minderjährige transgeschlechtliche Menschen in Tennessee bestätigt hatte.
Weitere Entscheidungen des Supreme Court
Der Oberste Gerichtshof entschied am Dienstag derweil zugunsten einer weitreichenden Auslegung des seit mehr als 150 Jahren geltenden Geburtsrechtsprinzips und wies die Durchführungsverordnung von Präsident Donald Trump zurück. Diese hatte vorgesehen, dass Kinder von Menschen, die sich illegal oder nur vorübergehend in den Vereinigten Staaten aufhalten, nicht automatisch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft erhalten.
Ebenfalls am Dienstag hatte der Oberste Gerichtshof in einem Grundsatzurteil die Befugnisse von US-Präsident Donald Trump deutlich ausgeweitet. Mit sechs zu drei Stimmen entschieden die Richter, dass Präsidenten die Leiter vieler unabhängiger Bundesbehörden künftig ohne besonderen Grund entlassen dürfen. Damit kippte das Gericht einen Präzedenzfall aus dem Jahr 1935, wie die Nachrichtenagenturen AP und Reuters berichteten.
Supreme Court stärkt Donald Trump: Präsident darf Chefs unabhängiger Behörden entlassen
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