Autoindustrie

Sachsens Wirtschaftsminister kritisiert VW: „Zwickau ist nicht Wolfsburgs verlängerte Werkbank“

In Sachsen stehe „die Wiege des deutschen Automobilbaus“, so Dirk Panter. Der Wirtschaftsminister formuliert deutliche Erwartungen an die Zukunft des Standorts.

3 Min
VW will massiv Personal abbauen und Werke schließen. Auch Zwickau ist als Standort in Gefahr. 8000 Menschen arbeiten dort.

VW will massiv Personal abbauen und Werke schließen. Auch Zwickau ist als Standort in Gefahr. 8000 Menschen arbeiten dort.

© Jan Woitas/dpa

Gestern tagte der VW-Aufsichtsrat in Wolfsburg bis in die späten Abendstunden – jedoch ohne konkretes Ergebnis zu Standort-Schließungen bzw. Stellenabbau. Deshalb hagelt es Kritik von allen Seiten. Branchenexperte Prof. Ferdinand Dudenhöffer: „Wie zu erwarten, wurden keine Beschlüsse beim VW-Aufsichtsrat getroffen, sondern nur allgemeine Ziele – die eigentlich zum großen Teil schon bekannt waren – kommuniziert.  Kein Wort zu Werken, kein Wort zur Beschäftigung.“

Sachsens Wirtschafts- und Arbeitsminister Dirk Panter (SPD) richtet daher scharfe Worte an die Konzernzentrale in Wolfsburg: „Ich erwarte von VW eine echte Zukunftsperspektive für Zwickau, fordere Wertschätzung für die Leistung der Beschäftigten und appelliere an die in den Konzerngrundsätzen festgeschriebene gesellschaftliche Verantwortung. Zwickau ist nicht die verlängerte Werkbank Wolfsburgs, sondern ein VW-Standort, der mit Weitsicht, Engagement und Veränderungsbereitschaft zum langjährigen Erfolg des Gesamtkonzerns beigetragen hat.“

Audi kommt aus Zwickau

Panter erinnert auch an die Geschichte des Automobilbaus in Deutschland, die einst in Sachsen mitgeschrieben wurde: „Dort, wo vor rund 120 Jahren die sächsische Automobilgeschichte und die Erfolgsstory von Audi begonnen haben, müssen die Bänder weiterlaufen! Wir als Freistaat sagen mit großem Selbstbewusstsein: VW hat nur mit Sachsen eine Zukunft – Zwickau kann Transformation!“

Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) fordert die Konzernführung auf, eine echte Zukunftsperspektive für Zwickau zu präsentieren.

Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) fordert die Konzernführung auf, eine echte Zukunftsperspektive für Zwickau zu präsentieren.

© Jan Woitas/dpa

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Für den sächsischen Wirtschaftsminister ist klar, was jetzt aus Wolfsburg kommen muss. „Es braucht tragfähige Konzepte, die konkurrenzfähig sind und von den Kunden nachgefragt werden. Die Beschäftigten in Zwickau – das habe ich bei meinen Gesprächen erfahren – sind durchaus bereit, Veränderungen zu akzeptieren, wenn sie eine echte Zukunftsperspektive bekommen. Denn warum sollte man in Deutschland Werke schließen und Kapazitäten abbauen, wenn wir mit anderen Standorten genauso konkurrieren könnten? Und das können wir in Zwickau bereits! Ich bin sicher, das Werk ist das effizienteste Fahrzeugproduktionswerk von VW in Deutschland!“

Neben der Gefahr für die rund 8000 VW-Mitarbeiter in Zwickau selbst  wäre eine Schließung auch eine Katastrophe für die gesamte Region. Dort arbeiten rund 50.000 Menschen in der Zulieferindustrie für den Automobilbau.

VW müsse schneller, innovativer und kosteneffizienter bei seinen Fahrzeugen werden. Der Eindruck bei der sächsischen Staatsregierung sei, dem Konzern fehle eine tragfähige Strategie für die Zukunft. „Kürzen allein ist keine Strategie“, so Panter, der weiter für die drei sächsischen VW-Standorte kämpfen will und dabei besonders für Zwickau.

Niedersachsen lehnt Pläne ebenfalls ab

Das wird in Niedersachsen, dem Stammwerk von VW, ganz genauso gesehen. Das Land äußerte sich auch bereits ablehnend zu den Plänen. Werksschließungen seien keine Zukunftsstrategie, so Niedersachsens Vize-Regierungschefin Julia Willie Hamburg (Grüne). Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD), der dem VW-Aufsichtsrat angehört, sprach von einer „sehr intensiven“ Sitzung bis in den späten Donnerstagabend.  Der Vorstand habe „ein wirklich breites Paket vorgelegt“.  Daran müsse nun weiter gearbeitet werden.

Allerdings räumt er ein: „Tatsächlich ist die Frage, wann Entscheidungen getroffen werden, noch unklar.“ Zugleich bekräfigte Lies: „Das Schließen von Werken ist kein Zukunftskonzept. Wir brauchen eine Zukunftsperspektive für unsere Standorte.“

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