Das brandenburgische Verkehrsministerium hat wegen des Befalls mit dem Eichenprozessionsspinner rund 45 der insgesamt 1600 Kilometer Wasserwege im Unterspreewald für Paddler gesperrt. Verkehrsminister Robert Crumbach (SPD) und Umweltministerin Hanka Mittelstädt (SPD) informierten in der Gemeinde Schlepzig Anwohner und Vertreter der Tourismusbranche über die Lage.
Crumbach bezeichnete die Sperrung als schwierige Situation für die Urlaubsregion. Die Hauptsaison in den Sommerferien sei der denkbar schlechteste Zeitpunkt, sagte der SPD-Politiker. Der Schritt sei aber notwendig, „weil Gefahr für Leib und Leben besteht, weil die Wasserwege einfach nicht mehr sicher sind“.
Umsturzgefahr durch Bäume
Nach Angaben der Ministerien besteht in dem betroffenen Gebiet die Gefahr, dass Bäume umstürzen und Äste abbrechen. Die Sicherungsarbeiten entlang der Gewässer hätten wegen der giftigen Brennhaare der Raupen und wegen der Hitze eingestellt werden müssen, erklärte der Landesforstbetrieb. Die Brennhaare enthalten ein Nesselgift und können Hautreizungen, Juckreiz, Augenreizungen oder asthmaartige Beschwerden auslösen.
Umweltministerin Mittelstädt sagte, die Ausbreitung des Insekts sei durch den Klimawandel und warme Temperaturen stark angestiegen. Von der Situation seien alle „überrannt“ worden. Die gesperrten Fließe sollen nun rasch kontrolliert und nach und nach wieder freigegeben werden.
Kritik von Bootsverleihern
Bei der Informationsveranstaltung äußerten Bürger Kritik an der Zeitplanung. „Im April haben wir teils Nächte lang nicht geschlafen“, sagte ein Anwohner. Kahnfährmann Mike Böttcher aus Schlepzig sagte, viele Fließe seien gesperrt: „Ich bin der Meinung, man hätte diese Sicherungsarbeiten in der Zeit machen müssen, wo wir keine Touristen haben, also im Winter.“
Der Vorsitzende der Touristinformation Lübbenau, Jörg Schwedtner, berichtete von Stornierungen auch in nicht betroffenen Gebieten. „Wir haben übers Wochenende Stornierungen gehabt in Lübbenau, wo wir gar nicht betroffen sind“, sagte er.
Mittelstädt sprach sich dafür aus, im kommenden Frühjahr ein Biozid gegen die Raupen einzusetzen. Bis zum Herbst sollten landesweit Daten zum Befall erfasst werden. Ziel sei, „dass diese Welle, die uns dieses Jahr ereilt hat, nicht in 2027 noch mal ereilt“. Crumbach kündigte an: „Für nächstes Jahr werden wir es anders machen.“ (mit dpa)
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