Nach dem drastischen Einbruch des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus droht eine weitere Eskalation an einer der wichtigsten Handelsrouten der Welt. Die vom Iran unterstützten Huthi im Jemen haben mit einer Sperrung des Bab al-Mandab gedroht. Die Meerenge verbindet den Golf von Aden mit dem Roten Meer und führt weiter zum Suezkanal.
Mohammed al-Farah, Mitglied des politischen Büros der Huthi-Bewegung Ansar Allah, stellte eine gemeinsame Blockade beider Meerengen in Aussicht. Voraussetzung seien eine weitere Verschärfung der Lage und neue Angriffe Saudi-Arabiens auf den Jemen, berichtete der iranische Staatssender Press TV.
„Sollte sich die derzeitige Situation verschärfen, werden die Straße von Bab al-Mandab und die Straße von Hormus in einer operativen Allianz geschlossen“, sagte al-Farah. Der Ölpreis könnte dann nach seiner Darstellung auf 200 US-Dollar pro Barrel steigen. Eine unabhängige Grundlage für diese Prognose nannte er nicht.
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Mehrere von Reuters befragte Nahostexperten sehen in der Drohung den Versuch Teherans, den Druck auf Washington über die Golfregion hinaus zu erhöhen. Belegt ist eine direkte iranische Anweisung an die Huthi jedoch nicht. Der Nahostwissenschaftler Fawaz Gerges sagte der Nachrichtenagentur, der Iran signalisiere den USA, dass er beide Meerengen gleichzeitig bedrohen könne. Damit entwickele sich der Krieg von einer direkten militärischen Konfrontation zu einer Gefahr für die Seewege, auf denen ein großer Teil des weltweiten Energiehandels beruht.
Andreas Krieg vom King’s College London bezeichnete eine Sperrung des Bab al-Mandab als eine weitere „nukleare Option“ Teherans nach Hormus. Der Iran dürfte diesen Schritt nach seiner Einschätzung erst erwägen, wenn die Revolutionsgarden eine Rückkehr zu einem umfassenden Krieg für unvermeidbar hielten.
Abdulaziz Sager vom saudi-arabischen Gulf Research Center äußerte sich zurückhaltender. Die Huthi verfügten weiterhin über die militärischen Fähigkeiten, den Schiffsverkehr zu stören. Ohne eine klare Anweisung aus Teheran sei eine weitreichende Eskalation aber unwahrscheinlich. Ein Angriff auf die Handelsroute könnte zudem eine größere Militäraktion der USA und ihrer Verbündeten gegen die Huthi auslösen.
Täglich 5,4 Millionen Barrel Öl durch die Meerenge
Durch den Bab al-Mandab wurden nach Angaben der US-Energiebehörde EIA im ersten Quartal 2026 täglich durchschnittlich 5,4 Millionen Barrel Rohöl und Ölprodukte transportiert. Die Meerenge ist zudem eine zentrale Verbindung für den Containerverkehr zwischen Asien und Europa.
Die Huthi haben bereits gezeigt, dass sie den Verkehr durch das Rote Meer erheblich beeinträchtigen können. Nach Beginn des Gaza-Kriegs im Oktober 2023 griff die Miliz Handelsschiffe mit Raketen und Drohnen an. Sie erklärte, Schiffe mit Verbindungen zu Israel ins Visier zu nehmen. Große Reedereien wichen daraufhin auf die deutlich längere Route um das Kap der Guten Hoffnung im Süden Afrikas aus. Die Folge waren längere Lieferzeiten und höhere Transportkosten.
Die USA und Großbritannien reagierten mit Luftangriffen auf Stellungen der Huthi. Eine multinationale Marinemission sollte Handelsschiffe im Roten Meer schützen.
Verkehr durch Straße von Hormus eingebrochen
Eine Bedrohung beider Meerengen träfe die Schifffahrt in einer bereits angespannten Lage. Der Verkehr durch die Straße von Hormus ging zwischen dem 10. und 12. Juli nach von Reuters zitierten Daten des Dienstes MarineTraffic um rund 52 Prozent gegenüber der Vorwoche zurück. Mehrere Tanker wurden in den vergangenen Tagen angegriffen. Zugleich setzten die USA ihre Angriffe auf iranische Ziele fort und kündigten eine erneute Blockade iranischer Häfen an. Der Iran schleuste unterdessen nach Recherchen von Bloomberg mehrere mit Sanktionen belegte Supertanker mit ausgeschalteten Transpondern durch die Meerenge.
Der Krieg hatte Ende Februar mit gemeinsamen Angriffen Israels und der USA auf den Iran begonnen. Seitdem weitete er sich auf mehrere Länder der Region aus. Der Iran griff amerikanische Militärstützpunkte an, während die USA ihre Angriffe auf iranische Militäranlagen und Infrastruktur vertieften.
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