Die Preise für Lebensmittel in Deutschland sind seit Anfang 2020 nach Angaben der Bundesregierung deutlich stärker gestiegen als die allgemeine Inflation.
Von Januar 2020 bis Mitte 2025 hätten sich die Lebensmittelpreise um insgesamt 36,3 Prozent erhöht, berichtete die Rheinische Post unter Berufung auf eine Antwort des Bundeslandwirtschaftsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linken-Fraktion. Die allgemeine Inflation habe im selben Zeitraum lediglich 22 Prozent betragen.
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Besonders kräftig fielen die Steigerungen laut Ministerium bei Geflügelfleisch, vielen Molkereiprodukten und Eiern, Speisefetten und Speiseölen sowie Zucker aus. „Geringfügiger fiel die Teuerung dagegen beim Obst, Fischen, Fischwaren und Meeresfrüchten sowie Getränken und Fertiggerichten aus“, heißt es in der Antwort.
Die Linken-Politikerin Ina Latendorf sieht Handlungsbedarf auf wettbewerbspolitischer Ebene. Es sei erstaunlich, „dass sich die Bundesregierung weigert, in die Marktmacht der vier Supermarkt-Riesen einzugreifen oder auch nur eine regulatorische Maßnahme zu ergreifen“, sagte sie der Zeitung. Nötig seien eine Preisbeobachtungsstelle und eine Begrenzung der Gewinnmargen der Lebensmittelkonzerne, um einer neuen Preisspirale frühzeitig die Anreize zu entziehen. Aus sozialen Gründen sei zudem eine Streichung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel geboten.
In der Koalition wird laut Rheinischer Post erwogen, den allgemeinen Mehrwertsteuersatz von 19 auf 22 Prozent zu erhöhen, um bis zu 30 Milliarden Euro zusätzlich einzunehmen. Im Gegenzug könne der Steuersatz für Lebensmittel, der derzeit in der Regel bei sieben Prozent liegt, auf null gesenkt werden. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) soll im Haushaltsausschuss des Bundestags nach Teilnehmerangaben auf die Frage, ob er eine höhere Mehrwertsteuer ausschließen könne, geantwortet haben, die Anhebung sei „nicht mein Ziel“.
Die Verbraucherorganisation Foodwatch verweist auf die Machtkonzentration im Lebensmittelhandel. Die vier großen Unternehmen Edeka, Rewe, Aldi und Lidl-Kaufland deckten zusammen mehr als 85 Prozent des deutschen Marktes ab, teilte die Organisation mit. Obwohl die Rohstoff- und Energiekosten inzwischen teilweise gesunken seien, blieben die Verbraucherpreise für Lebensmittel weiterhin hoch. Foodwatch fordert eine staatliche Preisbeobachtungsstelle, die regelmäßig untersucht, ob Industrie und Handel ungerechtfertigte Gewinne auf Kosten der Verbraucher machen.
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