Am Landgericht Magdeburg hat unter hohen Sicherheitsvorkehrungen der Prozess gegen einen 29-jährigen FCM-Anhänger begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten unter anderem versuchten Mord an einem Polizisten vor. Er soll bei den schweren Ausschreitungen während des Zweitligaspiels zwischen dem 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresden am 24. Januar eine führende Rolle eingenommen und einen Pflasterstein auf Beamte geworfen haben.
Zum Prozessauftakt äußerte sich der Angeklagte nicht zu den Vorwürfen. Er wurde von Spezialkräften der Justiz in Hand- und Fußfesseln in den Saal geführt. Der Prozess wird an diesem Dienstag fortgesetzt.
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FCM-Fans griffen beim Spiel gegen Dresden Polizisten an
Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft heizte der Angeklagte die aggressive Stimmung unter den Fans an. In der Halbzeitpause seien zunächst 50 bis 60 vermummte FCM-Anhänger auf die Polizeikette zugekommen, rund 200 weitere gewaltbereite Fans seien nachgerückt. Es sei „Verreckt, Drecksbullen“ und „Wir bringen euch um“ gerufen worden. Die Fans hätten Pflastersteine und herausgerissene Sitzschalen geworfen. Es seien mehr als 70 Polizisten verletzt worden.
Der 29-Jährige soll laut Anklage einen etwa 15 Kilogramm schweren Pflasterstein „aus blindem Hass“ in Richtung der Beamten geschleudert haben. Ein Polizist wurde am linken Auge getroffen und erlitt eine Platzwunde. Er habe tödlich verletzt werden können, so die Anklage. Neben versuchtem Mord wird dem Angeklagten schwerer Landfriedensbruch, gefährliche Körperverletzung und tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte vorgeworfen. Er sitzt seit Ende Januar in Untersuchungshaft.
Fan-Teilausschluss und Geldstrafe für FCM bereits verhängt
Das Innenministerium Sachsen-Anhalt teilte mit, die Anklage wegen versuchten Mordes verdeutliche die besondere Schwere der Tatvorwürfe. Eine eigens eingerichtete Ermittlungsgruppe richte sich derzeit gegen mehr als 130 tatbeteiligte Personen.
Der DFB-Kontrollausschuss verhängte gegen den 1. FC Magdeburg einen Teilausschluss von Zuschauern beim Heimspiel gegen den SV Darmstadt 98 sowie eine Geldstrafe von 186.600 Euro. Nach Angaben einer Vereinssprecherin sind bislang vier Stadionverbotsverfahren abgeschlossen, ein weiteres läuft. Die Deutsche Polizeigewerkschaft Sachsen-Anhalt hatte nach den Krawallen Geisterspiele für mindestens ein Jahr in Magdeburg gefordert.
Verein verurteilt Vorfälle „aufs Schärfste“
Der 1. FC Magdeburg hatte die Vorfälle in einer Stellungnahme „aufs Schärfste“ verurteilt. Gewalt habe beim Club keinen Platz, teilten Aufsichtsrat, Präsidium und Geschäftsführung mit. Die Ereignisse vom 24. Januar widersprächen den Werten des Vereins in jeder Form.
Nach Darstellung des Clubs versuchten Magdeburger Fans vor dem Ende der ersten Halbzeit sowohl über den Innenraum als auch den Stadionumlauf gewaltsam in Richtung des Gästeblocks vorzudringen, nachdem zuvor zwei Raketen und vier Böller aus dem Dresdner Block in den Heimbereich abgeschossen worden seien. Anschließend sei es zur Konfrontation mit den Polizeikräften gekommen, die den Ordnungsdienst hinter der Nordtribüne unterstützten.
Durch die einsetzende Halbzeitpause seien weitere Zuschauer aus den angrenzenden Blöcken in den Umlauf geströmt und hätten sich teils an den Auseinandersetzungen beteiligt. Nach den dem Verein vorliegenden Informationen habe es sich nicht um einen vorab geplanten Angriff gehandelt, sondern um eine Situation, die sich „dynamisch und unkontrolliert verselbstständigt“ habe.
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