US-Präsident Donald Trump will Fifa-Präsident Gianni Infantino offenbar zum nächsten UN-Generalsekretär machen. Das berichtet die New York Post unter Berufung auf eine Quelle, die dem Präsidenten nahesteht.
Der Diskussion um die Besetzung des mächtigsten Postens der Vereinten Nationen wird damit ein völlig unerwarteter Name hinzugefügt. Der 56-jährige Schweizer Infantino ist Trump im vergangenen Jahr bei der Organisation der Weltmeisterschaft 2026 nähergekommen.
Warum Trump ausgerechnet den FIFA-Chef ins Spiel bringt
Der bisherige UN-Generalsekretär António Guterres aus Portugal tritt Ende Dezember ab. Sein Nachfolger soll noch in diesem Jahr gewählt werden.
Trump ist mit der Arbeit der UN unzufrieden. Er hat wiederholt kritisiert, dass die Organisation bei großen Weltkonflikten aus seiner Sicht untätig bleibe. Seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus hat er die US-Beiträge an die UN massiv gekürzt und sich aus mehreren Unterorganisationen zurückgezogen.
Ein Vertrauter Infantinos an der UN-Spitze könnte Trumps Verhältnis zur Organisation verbessern. Die Nähe der beiden ist gut belegt: Im Dezember 2025 verlieh Infantino Trump den ersten „Fifa-Friedenspreis“.
Trump glaube, dass Infantino „von allen auf der Welt respektiert wird“ und eine „besondere Fähigkeit hat, Menschen zusammenzubringen“, zitiert die New York Post die Quelle. Ob Infantino den Job überhaupt will, ist offen.
Wie der Auswahlprozess funktioniert
Der Weg an die UN-Spitze ist streng geregelt. Kandidaturen laufen ausschließlich über formelle Nominierungen von Mitgliedstaaten, wie aus einem gemeinsamen Schreiben der Präsidenten von Generalversammlung und Sicherheitsrat hervorgeht.
Um Generalsekretär zu werden, bräuchte Infantino zunächst die Zustimmung des 15-köpfigen Sicherheitsrats. Dort haben die fünf ständigen Mitglieder ein Vetorecht. Anschließend müsste die Generalversammlung bestätigen.
Ein Detail könnte Infantino zusätzlich Probleme bereiten: Nach der UN-Charta darf der Generalsekretär keine Weisungen von Regierungen annehmen. Persönliche Nähe zu einem Staatschef sollte im Amt keine Rolle spielen.
Ein Feld voller Konkurrenten – und regionaler Erwartungsdruck
Trumps Plan würde die erwartete Auswahl durcheinanderwirbeln. Viele Mitgliedstaaten gehen davon aus, dass diesmal eine Kandidatin oder ein Kandidat aus Lateinamerika oder der Karibik zum Zuge kommt, da die Region bislang noch nie den UN-Generalsekretär gestellt hat.
Zu den bekannteren Bewerbern zählen laut New York Post Chiles frühere Präsidentin Michelle Bachelet und der Argentinier Rafael Grossi, derzeit Chef der Internationalen Atomenergiebehörde. Ein Insider bezeichnete das Bewerberfeld gegenüber der Zeitung als „langweilig“.
Im offiziellen UN-Schreiben zum Auswahlverfahren aus dem Jahr 2025 wird zudem ausdrücklich bedauert, dass noch nie eine Frau das Amt innehatte. Für Infantino als Kandidaten außerhalb der bevorzugten Region wäre das zwar keine formale Sperre – wohl aber spürbarer politischer Gegenwind.
Massive Kritik – und ein deftiger Gehaltsverzicht
Der Plan stößt auf Widerstand. Der frühere Fifa-Präsident Sepp Blatter, dessen Amtszeit von einem Bestechungsskandal überschattet war, gehört zu jenen, die Infantinos Absetzung fordern. Zuvor hatte Blatter Trumps Einmischung in eine Fifa-Entscheidung scharf verurteilt: „Rote Karten werden nicht durch politische Telefonate aufgehoben.“
Hintergrund war ein Telefonat Trumps mit Infantino, das die Sperre für US-Spieler Folarin Balogun vor dem Spiel gegen Belgien aufhob. Europäische Nationen reagierten empört. Die US-Niederlage gegen Belgien dämpfte den Ärger allerdings.
Sollte Trumps angeblicher Wunsch in Erfüllung gehen, käme auf Infantino ein kräftiger Gehaltsverzicht zu: Bei der FIFA verdient er laut New York Post rund sechs Millionen Dollar im Jahr. Die zuletzt gemeldete Vergütung des UN-Generalsekretärs lag bei etwa 418.000 Dollar.
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