Die spanische Hotelkette Meliá hat am Freitag ihre gesamten Geschäftstätigkeiten in Kuba eingestellt. Wie das Unternehmen der spanischen Börsenaufsicht CNMV mitteilte, hat die portugiesische Tochtergesellschaft Ilha Bela Gestão e Turismo zum 24. Juli sämtliche Dienstleistungen für Verwaltung und Vermarktung von 34 Hotels auf der Karibikinsel eingestellt.
Meliá begründete den Schritt mit „erheblichen operativen, rechtlichen sowie wirtschaftlich-finanziellen Schwierigkeiten“ beim Kuba-Geschäft, die eine minimale Stabilität des Betriebs unmöglich machten. Die Hotelgruppe kündigte an, die finanziellen Folgen der Entscheidung nach dem handelsrechtlichen Vorsichtsprinzip zu bewerten, das eine zurückhaltende Ansetzung von Vermögenswerten vorschreibt. Details sollen mit den Halbjahreszahlen 2026 veröffentlicht werden.
Die staatliche kubanische Tageszeitung Juventud Rebelde führte die Entscheidung ebenfalls auf die von Präsident Donald Trump verhängten neuen Strafmaßnahmen zurück und verweist auf die seit mehr als 60 Jahren bestehende US-Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade.
Pionier der Tourismusöffnung
Meliás Kuba-Geschichte begann am 10. Mai 1990 mit der Eröffnung des Sol Palmeras in Varadero. Der mallorquinische Konzern zählte damit zu den Pionieren der Öffnung des staatlich geprägten Tourismussektors für ausländische Partner und den internationalen Tourismus während der als Sonderperiode in Friedenszeiten bezeichneten schweren Wirtschaftskrise des Inselstaats.
Mit dem Kollaps der Sowjetunion und der Auflösung des Wirtschaftsverbunds RGW der sozialistischen Staaten hatte Havanna schlagartig rund 80 Prozent seines Außenhandels eingebüßt.
Der kubanische Tourismussektor entwickelte sich in der Folge zur „Lokomotive der Wirtschaft“ und zum wichtigsten Devisenbringer des Landes. Wichtigster Quellmarkt ist Kanada. Viele Arbeitsplätze und Familieneinkommen hängen direkt oder indirekt von der Branche ab.
Varadero zählt zu den kubanischen Ferienregionen, in denen Meliá Hotels verwaltete.
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Meliá weitete sein Geschäft in Kuba später über Managementverträge und Gemeinschaftsunternehmen auf mehrere Ferienregionen aus. Nach Unternehmensangaben umfasste das Portfolio zuletzt rund 14.000 Zimmer in Ferienregionen wie Varadero, Cayo Santa María und der Altstadt von Havanna.
Bereits Anfang Mai hatte der Konzern laut Juventud Rebelde mitgeteilt, dass rund die Hälfte der Hotelkapazitäten infolge der US-Sanktionen stillgelegt sei. Die Auslastung lag im ersten Quartal 2026 nur noch bei 34,1 Prozent, deutlich unter dem weltweiten Konzernschnitt von 58,8 Prozent.
Sanktionen treffen Meliás kubanische Partner
Die Verschärfung der US-Blockade unter Präsident Trump trifft Meliá vor allem über seine kubanischen Vertragspartner. Im Mai belegten die USA den Militärkonzern Gaesa mit Sanktionen, über dessen Tourismussparte Gaviota die Kette 15 Häuser führte. Am 13. Juli setzten die USA auch das kubanische Tourismusministerium auf die Sanktionsliste, das nach Angaben der Nachrichtenagentur AP Geschäftspartner bei mehr als einem Dutzend der von Meliá noch betriebenen Hotels war.
Die kubanische Regierung bezeichnete das Vorgehen Washingtons als „Erstickungsstrategie gegen das kubanische Volk“. Gaesa sei „keine Parallelstruktur zum kubanischen Staat“, sondern eine „erwiesenermaßen wirksame Antwort gegen die wirtschaftliche Blockade“.
Zugleich erlaubt eine Verordnung des Weißen Hauses vom 1. Mai Sanktionen gegen ausländische Unternehmen in mehreren Sektoren der kubanischen Wirtschaft sowie in weiteren vom US-Finanzministerium bestimmten Bereichen. Damit drohen der Verlust des Zugangs zum US-Finanzmarkt, die Sperrung von Vermögenswerten und Einreiseverbote für Verantwortliche.
Mit dem Rückzug von Meliá endet auch die Präsenz der drei großen spanischen Ketten in Kuba: Iberostar und Barceló hatten kürzlich ihren Ausstieg angekündigt. Zudem verließ die kanadische Blue Diamond die Insel, die nach Angaben des unabhängigen kubanischen Nachrichtenportals elTOQUE mindestens 50 Häuser betrieb.
Auch andere Branchen sind betroffen: Der kanadische Bergbaukonzern Sherritt International setzte im Mai seine direkte Beteiligung an Gemeinschaftsunternehmen aus, nachdem Washington den Nickelproduzenten Moa Nickel sanktioniert hatte.
Tourismussektor bricht ein
Zwischen Januar und April 2026 kamen laut kubanischem Statistikamt ONEI nur 328.608 internationale Besucher nach Kuba, ein Rückgang um 56 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Anfang 2026 hatten die USA zudem eine Ölblockade gegen die Insel verhängt. Seit Januar drohen sie Staaten, die Kuba mit Öl beliefern, mit zusätzlichen Zöllen. Zuletzt erreichte im März ein russischer Tanker die Insel mit Treibstoff.
Die auf die politische Destabilisierung Kubas zielende Politik hat die Wirtschafts- und Energiekrise im Land verschärft. Strom ist nur noch für wenige Stunden am Tag verfügbar, Lebensmittel verderben, Pumpen zur Wasserversorgung können nicht betrieben werden, auch das Gesundheitswesen ist stark beeinträchtigt. Die Uno und andere internationale Organisationen warnen vor einer humanitären Krise.
Von der Nachrichtenagentur Reuters und dem unabhängigen kubanischen Nachrichtenportal elTOQUE befragte Ökonomen erwarten deutliche Einbußen. Der an der American University in Washington lehrende kubanische Ökonom Ricardo Torres sagte elTOQUE, die drei ausgeschiedenen Ketten hätten gemeinsam die besten Hotels des Landes verwaltet.
Der Ökonom Miguel Alejandro Hayes schätzte, dass zwischen 5000 und 25.000 Menschen direkt oder indirekt betroffen sein könnten, besonders in Tourismusorten wie Havanna, Varadero und Trinidad.
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