Alien-Krankheiten

Quarantänestation auf dem Mond soll die Erde vor außerirdischen Krankheuten schützen

Was passiert, wenn eine Raumsonde mit Marsproben abstürzt – und dabei freisetzt, was die Erde noch nie gesehen hat? Forscher haben eine radikale Antwort.

4 Min
Können hier mögliche Killerkeime aus dem All zurückgehalten werden?

Können hier mögliche Killerkeime aus dem All zurückgehalten werden?

© Jens Büttner/dpa

Eine Quarantänestation auf dem Mond – klingt nach Science-Fiction, ist aber ein ernst gemeinter wissenschaftlicher Vorschlag. Zwei Forscher wollen den Erdtrabanten zur ersten Verteidigungslinie gegen mögliche außerirdische Keime machen.

Alle Proben, die künftige Missionen vom Mars oder anderen Himmelskörpern zur Erde bringen, sollen zuerst dorthin – in ein hochsicheres, vollautomatisches Labor. Der Gedanke dahinter: Sollte in solchen Proben tatsächlich unbekanntes Leben stecken, käme es niemals direkt mit unserem Planeten in Kontakt. Der Mond würde als „Firewall" wirken. Wie realistisch ist diese Idee? Und was steckt wirklich dahinter?

Was genau schlagen die Forscher vor?

Hinter dem Vorschlag stehen Frederick I. Moxley von den Strategic Threat Analysis and Research Laboratories in Idaho und Anthony Ricciardi, Professor für Biologie an der McGill University. Ihr Fachbeitrag erschien in der Zeitschrift Ambio.

Ihr Kernargument: Extraterrestrisches Material vom Mond, Mars oder von noch weiter entfernten Zielen soll nicht direkt zur Erde transportiert werden. Stattdessen soll es zuerst in eine sichere Quarantäne- und Forschungseinrichtung auf dem Mond gelangen.

Der Umgang mit den Proben soll dort ausschließlich über hochentwickelte Robotersysteme laufen. So würde die Gefahr einer versehentlichen Freisetzung oder eines Kontakts mit Menschen minimiert.

„Die Menschheit tritt in eine neue Ära der Weltraumforschung ein, aber unsere Strategien zum planetaren Schutz haben nicht Schritt gehalten mit den Risiken", warnt Mitautor Moxley.

Warum überhaupt die Sorge vor Keimen aus dem All?

Ob es außerirdisches Leben gibt, ist völlig unbewiesen. Trotzdem, so die Forscher, wären die Folgen unkalkulierbar, sollte je eine neue Lebensform in die Biosphäre der Erde gelangen.

Als Vergleich ziehen sie invasive Arten heran. „Jahrzehntelange Forschung hat gezeigt, wie ein Organismus, der zur falschen Zeit am falschen Ort eingeführt wird, sich unkontrolliert ausbreiten kann", sagt Ricciardi, ein Experte für biologische Invasionen. Die Folgen seien möglicherweise verheerend und unumkehrbar.

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Es geht aber nicht nur um hypothetisches Alien-Leben. Ein zweites, sehr konkretes Risiko ist die sogenannte Rückkontamination: Astronauten könnten mutierte Versionen irdischer Erreger zurückbringen. Ein reales Beispiel liefert die Raumstation ISS, wo das Bakterium Enterobacter bugandensis in mehrere multiresistente Stämme mutierte.

Warum ausgerechnet der Mond?

Die Forscher argumentieren, dass kein Labor auf der Erde eine vollständige Eindämmung garantieren kann – selbst nicht auf der höchsten Sicherheitsstufe. Deshalb schlagen sie eine völlig neue Kategorie vor: sogenannte BSL-X-Einheiten für extremophile Organismen.

Der Mond bietet aus ihrer Sicht einen entscheidenden Vorteil: seine natürliche Isolation. Ein Absturz oder eine Fehlfunktion eines Rückkehr-Raumschiffs würde die Erde nicht direkt gefährden.

Rückenwind bekommt die Idee durch die Pläne der Nasa. Nach dem Start von Artemis II priorisiert die Behörde den Aufbau von Infrastruktur direkt auf der Mondoberfläche. Bis 2030 soll am Südpol schrittweise ein dauerhaftes Basislager entstehen.

Wie realistisch ist das Ganze wirklich?

Hier folgt der Dämpfer: Es handelt sich um einen rein wissenschaftlichen Vorschlag – nicht um ein offizielles Vorhaben. In keinem der bekannten Pläne für künftige Mondbasen ist eine solche Anlage vorgesehen.

Kosten, technische Machbarkeit und internationale Zuständigkeit sind völlig ungeklärt. Der Betrieb müsste unter extremen Bedingungen laufen: Vakuum, starke Temperaturschwankungen, abrasiver Mondstaub und hohe Strahlung.

Viele Wissenschaftler schätzen das reale Risiko zudem als sehr gering ein – schlicht, weil es bislang keinerlei Beweise für außerirdisches Leben gibt. Die Nasa selbst bewertet die Gefahr durch die von Marssonden gesammelten oberflächennahen Proben als äußerst gering.

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