In den Vereinigten Staaten ist die Corona-Debatte erneut entbrannt. Veröffentlichte Tagebücher von Anthony Fauci sowie eine hitzige Anhörung im US-Kongress werfen neue Fragen zur Entstehung und zum Umgang mit der Corona-Krise auf.
US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. äußerte sich dazu am Sonntag in einem Interview mit CNN-Moderatorin Dana Bash. Dabei kam es zu scharfen Wortgefechten: Kennedy Jr. warf Medien und Journalisten vor, die Corona-Zeit nicht kritisch genug begleitet zu haben. Faucis Tagebücher zeigten, so sein Vorwurf, dass die Bevölkerung angelogen worden sei.
Corona-Debatte in den USA erneut entbrannt
Besonders beim Thema Impfstoffe eskalierte die Diskussion. „Sie plappern das wie ein Papagei nach“, entgegnete Kennedy Jr., als Bash auf Studien verwies, die den mRNA-Impfstoffen Wirksamkeit und Sicherheit bescheinigen sollen. Diese hätten stattdessen insbesondere bei Kindern „mehr Schaden als Nutzen“ angerichtet, behauptete er.
Noch deutlicher wurde der Gesundheitsminister mit Blick auf Fauci: „Heute wissen wir, dass Anthony Fauci über alles gelogen hat – über Masken, Lockdowns, natürliche Immunität, Impfstoffe und den Ursprung des Virus.“ Zugleich warf er den Medien vor, Menschen dafür „bestraft“ zu haben, dass sie offiziellen Einschätzungen nicht gefolgt seien.
Bash hielt dagegen, Studien legten nahe, dass durch Maßnahmen gegen Fehlinformationen zahlreiche Menschenleben gerettet worden seien. Kennedy Jr. widersprach und erklärte, diese Behauptung sei nicht belegbar.
„Ich sage nicht, dass jede Entscheidung während der Pandemie richtig war. Es war eine beängstigende Zeit, und es wurden Fehler gemacht“, sagte Bash. Kennedy Jr. unterbrach sie: „Sie haben die Menschen verängstigt – das war der Job von CNN.“
Im weiteren Verlauf brachte Bash den starken Anstieg von Masernfällen in den USA zur Sprache und fragte, ob Kennedy Jr. eine Mitverantwortung sehe. „Absolut nicht“, entgegnete er. Es handele sich um einen internationalen Ausbruch, den er nicht verursacht habe.
Angesichts seiner Rolle als „einer der bekanntesten Impfskeptiker der Welt“ forderte Bash ihn auf, sich klar für Impfungen auszusprechen. Kennedy Jr. erklärte daraufhin: „Eltern sollten ihre Kinder gegen Masern impfen lassen. Der Impfstoff ist wirksam und verhindert die Krankheit in etwa 97 Prozent der Fälle.“
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Zu Beginn des Interviews hatte Bash gefragt, ob nicht auch US-Präsident Donald Trump eine Mitverantwortung trage, da Fauci unter dessen Regierung tätig war. Kennedy Jr. widersprach und verwies auf Faucis Tagebücher: Trump habe die Lockdowns beenden wollen. Diese hätten dem Land am meisten geschadet – er sprach von 3,5 Millionen geschlossenen Betrieben sowie von flächendeckenden Schließungen von Kirchen und Schulen. Die USA hätten dabei das schlechteste Ergebnis weltweit erzielt.
Auf Nachfrage präzisierte Kennedy Jr.: „Wir haben die höchste Covid-Sterblichkeit aller Länder.“ Bash widersprach und verwies auf Einschätzungen von „Gesundheitsexperten“, wonach mehrere Faktoren eine Rolle spielten – darunter eine hohe Rate chronischer Erkrankungen, strukturelle Probleme im Gesundheitssystem und Desinformation. Kennedy Jr. beharrte darauf, dass seine Darstellung zutreffe.
Kennedys Auftritt folgte auf eine Anhörung im US-Kongress in der vergangenen Woche. Dort berief sich Anthony Fauci – der von Joe Biden als eine seiner letzten Amtshandlungen „vorsorglich“ begnadigt wurde – mehr als 100-mal auf sein Aussageverweigerungsrecht nach dem fünften Verfassungszusatz, während republikanische Abgeordnete ihn scharf für seine Rolle in der Pandemie kritisierten.
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