Kliniksanierung in MV

Warnow-Klinik in der Insolvenz: Was der Umbau für Mitarbeiter und Patienten bedeutet

Das Krankenhaus Bützow ist insolvent. Der Betrieb läuft dennoch normal weiter, alle Behandlungen finden statt. Der Grund für die Krise liegt in der Krankenhausreform.

5 Min
Die Warnow-Klinik in Bützow ist für die sehr ländliche Region mit weiten Wegen zu den nächsten Krankenhäusern sehr wichtig.

Die Warnow-Klinik in Bützow ist für die sehr ländliche Region mit weiten Wegen zu den nächsten Krankenhäusern sehr wichtig.

© Katja Frick/Ostdeutsche Allgemeine Zeitung

Die Warnow-Klinik Bützow südlich von Rostock hat den nächsten Schritt ihrer Sanierung eingeleitet: Insolvenz in Eigenverwaltung. Doch anders als das Wort vermuten lässt, bedeutet die Insolvenz keinen Stillstand. Der Krankenhausbetrieb läuft nach Angaben der Klinik unverändert weiter, alle Behandlungen finden statt, die 191 Beschäftigten bleiben im Dienst.

Für Patienten aus dem Bützower Land ändert sich zunächst nichts. Hintergrund sind seit Jahren anhaltende finanzielle Schwierigkeiten und die laufende Krankenhausreform des Bundes. Die Klinik will sich zu einer sektorenübergreifenden Versorgungseinrichtung (SÜV) umbauen – doch dafür fehlen bislang die bundesweiten Finanzierungsregeln.

Was „Insolvenz in Eigenverwaltung“ hier bedeutet

Es handelt sich ausdrücklich nicht um eine Regel-Insolvenz. Bei der Insolvenz in Eigenverwaltung behält die reguläre Geschäftsführung die Regie und setzt die Sanierung selbst um.

Das Verfahren wurde laut Mitteilung der Klinik eröffnet, offiziell vollzogen zum 1. August. Es ist der zweite Teil eines länger angelegten Prozesses.

Bereits im Mai 2026 hatte die Klinik ein Schutzschirmverfahren eingeleitet, um Sanierungsschritte unter gerichtlichem Schutz vorzubereiten. Löhne und Gehälter wurden in dieser ersten Phase über die Arbeitsagentur abgesichert.

Für Geschäftsführer Dr. Marco Krüger ist das Verfahren ein „klares Signal des Vertrauens in den Sanierungskurs der Geschäftsführung“.

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Der Kern des Problems: zwischen zwei Systemen

Das eigentliche Problem liegt in der Struktur der bundesweiten Krankenhausreform. Nach den neuen Vorgaben könne die Klinik, wie sie ist,  nicht dauerhaft kostendeckend betrieben werden, so Marcus Krüger.

Die Klinik steckt damit zwischen zwei Versorgungssystemen fest. Das bisherige, auf Fallpauschalen basierende Krankenhausmodell trägt sich für den künftig geplanten Auftrag wirtschaftlich nicht mehr.

Der ältere Gebäudeteil der Warnow-Klinik in Bützow im Landkreis Rostock.

Der ältere Gebäudeteil der Warnow-Klinik in Bützow im Landkreis Rostock.

© Katja Frick/Ostdeutsche Allgemeine Zeitung

Gleichzeitig kann die Umstellung auf die SÜV noch nicht erfolgen, weil die bundeseinheitlichen Vergütungsregelungen dafür fehlen. Zwischen der Deutschen Krankenhausgesellschaft und den Kostenträgern gibt es dazu laut Gesundheitsministerium bislang keine Einigung.

Was eine SÜV ist – und was in Bützow geplant ist

Eine sektorenübergreifende Versorgungseinrichtung verbindet an einem Standort stationäre Basisversorgung mit ambulanten, pflegerischen und koordinierenden Angeboten. Sie wurde geschaffen, um kleinere Krankenhäuser im ländlichen Raum dauerhaft zu erhalten.

Die Warnow-Klinik hat die Umwandlung für alle 71 Betten beantragt. Vorgesehen sind Schwerpunkte in der konservativen inneren Medizin, der Akutgeriatrie und der spezialisierten stationären Palliativmedizin.

Den Antrag auf Änderung des Versorgungsauftrags reichte die Klinik laut Gesundheitsministerium am 24. Juli 2026 ein. Alle Leistungsangebote sollen bis zur Umwandlung bestehen bleiben.

Der Streit um den Zeitplan

Ein zentraler Kritikpunkt betrifft den Zeitpunkt des Umbaus. Nach den bundesrechtlichen Vorgaben ist eine Umwandlung zur SÜV nur noch zum Jahreswechsel möglich.

Landesgesundheitsministerin Stefanie Drese (SPD) kritisiert diese Regelung wiederholt scharf. „Diese Regelung ist, zumindest in der Transformationsphase, realitätsfremd und gefährdet gewollte Anpassungsprozesse“, so die Ministerin. In Mecklenburg-Vorpommern betreffe das mit Bützow und Crivitz zwei kleinere Krankenhäuser, die sich „vorbereitet und auf eine unterjährige und kurzfristige Ausweisung als SÜV eingestellt haben“.

Das Krankenhaus Crivitz wurde wegen drohender Schließung 2021 vom Landkreis Ludwigslust-Parchim übernommen und gehört seit 2023 zu den vom Kreis getragenen Lup-Kliniken.

Wann der Umstieg für die Warnow-Klinik Bützow gelingt, ist offen. Krüger nennt den 1. Januar 2027, „vielleicht aber auch erst zum 1. Januar 2028“. Im schlimmsten Fall droht damit eine mehrjährige Finanzierungslücke.

Auch die Politik ringt um die Richtung

Die Debatte reicht über den Zeitplan hinaus. Kritik an den grundsätzlichen Bedingungen für kleine Kliniken kommt auch aus der mitregierenden Linken.

Gesundheitsministerin Stefanie Drese hält am eingeschlagenen Weg fest. Sie betont: „Ziel ist es und bleibt es, den Krankenhausstandort Bützow mit diesem Übergang zum SÜV langfristig zu sichern und als wohnortnahen Versorgungsanker für die Region zu erhalten.“

Verhandlungen über einen Sicherstellungszuschlag

Um die Übergangszeit zu überbrücken, ist die Klinik auf einen sogenannten Sicherstellungszuschlag angewiesen. Diese Ausgleichszahlung soll unterfinanzierten Häusern die Versorgung in ländlichen Regionen sichern.

Die Verhandlungen mit den regionalen Krankenkassen laufen. Krüger rechnete noch im laufenden Monat mit Rückmeldungen und ging davon aus, das Verfahren im August erfolgreich abschließen zu können, „damit Bützow ein Krankenhausstandort bleibt“.

Zusammenfassung

Die Warnow-Klinik-Bützow-Insolvenz ist kein Zusammenbruch, sondern ein geordnetes Sanierungsinstrument. Der Betrieb läuft weiter, die Versorgung ist gesichert, und die 191 Beschäftigten bleiben beschäftigt.

Die Kernpunkte:

Insolvenz in Eigenverwaltung, keine Regelinsolvenz – die Geschäftsführung bleibt am Ruder. Ziel ist der Umbau zur sektorenübergreifenden Versorgungseinrichtung mit Schwerpunkten in Innerer Medizin, Geriatrie und Palliativmedizin.

Größtes Hindernis: fehlende bundeseinheitliche Vergütungsregeln und ein starrer Zeitplan, der Umwandlungen nur zum Jahreswechsel erlaubt. Ob aus der Krise ein tragfähiger Neustart wird, entscheidet sich weniger vor Ort als in Berlin.

Wer im Bützower Land lebt oder Angehörige in der Klinik behandeln lässt, sollte die weitere Entwicklung verfolgen – vor allem den Ausgang der Verhandlungen über den Sicherstellungszuschlag.

FAQ – Häufige Fragen und Antworten darauf

Ist die Warnow-Klinik Bützow noch geöffnet?
Ja. Der Krankenhausbetrieb läuft nach Angaben der Klinik unverändert weiter, alle Behandlungen finden statt. Bis zum Jahresende läuft der Betrieb uneingeschränkt.

Was bedeutet Insolvenz in Eigenverwaltung?
Anders als bei einer Regelinsolvenz behält die reguläre Geschäftsführung die Regie und setzt die Sanierung selbst um. Eine vom Amtsgericht Rostock bestellte Sachwalterin überwacht das Verfahren im Interesse der Gläubiger.

Was passiert mit den Mitarbeitern?
Die 191 Beschäftigten bleiben im Dienst. Entlassungen oder personelle Einschnitte sind nicht vorgesehen.

Was ist eine sektorenübergreifende Versorgungseinrichtung (SÜV)?
Eine SÜV verbindet an einem Standort stationäre Basisversorgung mit ambulanten, pflegerischen und koordinierenden Leistungen. Sie soll vor allem im ländlichen Raum kleinere Krankenhäuser dauerhaft erhalten.

Wann soll der Umbau erfolgen?
Das ist offen. Möglich ist laut Geschäftsführer Krüger der 1. Januar 2027, eventuell aber auch erst der 1. Januar 2028 – abhängig von den noch fehlenden bundesweiten Vergütungsregeln.

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