Die Mieten beim Bochumer Wohnungskonzern Vonovia sind im ersten Halbjahr 2026 um durchschnittlich 3,6 Prozent gestiegen. Der Anstieg speist sich aus Mieterhöhungen im Bestand, aus Modernisierungen und aus der Neuvermietung. Das geht aus einer von Vonovia am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung zum aktuellen Halbjahresbericht hervor.
Vonovia ist mit rund 528.000 eigenen Wohnungen der größte private Wohnungskonzern Europas. Das im DAX notierte Unternehmen mit Sitz in Bochum ist aus der früheren Deutsche Annington hervorgegangen. 2015 übernahm es den Konkurrenten Gagfah, 2021 folgte die Deutsche Wohnen.
Schwerpunkte des Bestands liegen in Berlin, im Ruhrgebiet, in Dresden, Kiel und im Rhein-Main-Gebiet. Kleinere Bestände hält der Konzern in Österreich und Schweden. Die Aktien befinden sich überwiegend in Streubesitz institutioneller Investoren. Größter Einzelaktionär ist der norwegische Staatsfonds Norges Bank.
Berliner Mieten steigen im Schnitt um 4,8 Prozent
Bereits im Juni 2026 hatte Vonovia angekündigt, in Berlin die Mieten zahlreicher Wohnungen zu erhöhen. Betroffene Mieter des Konzerns und der Tochter Deutsche Wohnen zahlen im Schnitt 4,8 Prozent mehr, also rund 35 Cent je Quadratmeter. Die maximale Erhöhung liegt nach Unternehmensangaben bei etwa 70 Euro im Monat. Damit bleibe der Konzern unter der im Berliner Mietspiegel ausgewiesenen Steigerung von rund 6,9 Prozent.
Bei finanzieller Überlastung wolle Vonovia Einzelfalllösungen prüfen. Das gelte etwa dann, wenn Mieter mehr als 30 Prozent ihres Nettohaushaltseinkommens für die Miete aufwenden müssten.
Der neue Berliner Mietspiegel wurde im Mai 2026 veröffentlicht. Er weist die ortsüblichen Vergleichsmieten aus und eröffnet Vermietern den rechtlichen Spielraum für Mieterhöhungen im Bestand.
Der Mietspiegel weist einen Median der Nettokaltmieten von 7,71 Euro je Quadratmeter aus, 50 Cent mehr als im Mietspiegel 2024. Die Durchschnittsmiete von Vonovia in Berlin lag Ende März bei 8,23 Euro je Quadratmeter. Vorstandschef Luka Mucic hatte zuletzt erklärt: „Bei Vonovia wohnen die Menschen zu fairen Preisen.“
Derzeit geht die Linke mit einer bundesweiten Kampagne unter dem Motto „Schluss mit der Vonovia-Abzocke“ gegen den Konzern vor.
Kritik von der Berliner Mietergemeinschaft
Rainer Balcerowiak, Pressesprecher der Berliner Mietergemeinschaft, kritisiert den Konzern. Gegenüber dieser Redaktion erklärte er: „Vonovia gehört seit vielen Jahren zu den aggressivsten Mietpreistreibern in der Hauptstadt, was bei einem börsennotierten Immobilienkonzern quasi zur geschäftlichen DNA gehört“, sagte Balcerowiak.
Umso dringender wäre es, den im September 2021 mit großer Mehrheit erfolgreichen Volksentscheid zur Vergesellschaftung großer privater Wohnungsunternehmen endlich umzusetzen.
Ertragskennzahlen bestätigt
Der Konzern bestätigte seine Ertragsprognose für das laufende Jahr. Erwartet werden nach Unternehmensangaben ein Ergebnis zwischen 2,95 Milliarden und 3,05 Milliarden Euro sowie ein bereinigtes Vorsteuerergebnis zwischen 1,9 und 2,0 Milliarden Euro.
Das bereinigte Vorsteuerergebnis lag im ersten Halbjahr nach Unternehmensangaben bei 962,3 Millionen Euro und damit 2,6 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Konzerngewinn nach Steuern stieg dagegen um 31,3 Prozent auf knapp 1,07 Milliarden Euro.
Der auf die Vonovia-Aktionäre entfallende bereinigte Gewinnanteil sank hingegen um 4,9 Prozent auf 771,6 Millionen Euro. Je Aktie waren das 0,91 Euro, ein Rückgang um 7,7 Prozent. Den Verkehrswert des Gesamtportfolios bezifferte der Konzern mit 85,7 Milliarden Euro.
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