Bei ukrainischen Drohnenangriffen sind nach Angaben aus Kiew zwei russische Ölraffinerien getroffen worden. Neben der Großraffinerie Slavneft-Yanos in Jaroslawl sei auch die Anlage Bashneft-Novoil in Baschkortostan angegriffen worden, erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Das zweite Ziel liegt demnach mehr als 1300 Kilometer von der Front entfernt.
Videos von Einwohnern zeigen ein großes Feuer und dunkle Rauchwolken über Jaroslawl. Das unabhängige russische Medium Astra veröffentlichte mehrere Augenzeugenaufnahmen. Der Kyiv Independent ordnete die Bilder nach eigenen Angaben geografisch dem Gelände von Slavneft-Yanos zu, fast 700 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt.
Selenskyj bezeichnete die Angriffe erneut als ukrainische „Langstreckensanktionen“. Sie sollten Russlands Einnahmen aus dem Ölgeschäft begrenzen, mit denen Moskau den Krieg finanziere. Das Ausmaß der Schäden an beiden Raffinerien ließ sich zunächst nicht unabhängig bestätigen.
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Gouverneur bestätigt ukrainischen Drohnenangriff auf Jaroslawl
Der Gouverneur der Region, Michail Jewrajew, bestätigte einen Angriff ukrainischer Drohnen. Wegen der Gefahr ließen die Behörden zeitweise die Straße von Jaroslawl in Richtung Moskau sperren. Betroffen war die Ausfahrt ab der Kreuzung des Moskowski-Prospekts mit dem südwestlichen Stadtring.
In unmittelbarer Nähe dieser Kreuzung befindet sich die Raffinerie. Jewrajew äußerte sich zunächst weder zu dem mutmaßlich getroffenen Ziel noch zu möglichen Schäden. Einwohner berichteten außerdem von Bränden an Wohnhäusern. Der Kyiv Independent konnte diese Angaben nach eigenen Angaben nicht überprüfen.
Raffinerie Slavneft-Yanos verarbeitet 15 Millionen Tonnen Öl
Slavneft-Yanos zählt Berichten zufolge zu den fünf größten Raffinerien Russlands. Das Unternehmen selbst beziffert die installierte Verarbeitungskapazität auf 15 Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr. Produziert werden unter anderem Benzin, Diesel, Flugtreibstoff, Flüssiggas und Heizöl.
Die Anlage ist bereits mehrfach angegriffen worden. Allein im Mai habe es mindestens vier Attacken am 8., 13., 19. und 22. Mai gegeben. Ende Juli berichtete auch die Nachrichtenagentur Reuters von einem weiteren ukrainischen Angriff auf Ölanlagen in Jaroslawl.
Nach einem der Angriffe im Mai erklärte Selenskyj, die mehr als 700 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernte Anlage habe „große Bedeutung für die Finanzierung des russischen Krieges“ gehabt. Er dankte den ukrainischen Streitkräften und dem Militärgeheimdienst für diese „Demonstration der Gerechtigkeit“.
„Die ukrainischen Langstreckensanktionen wirkten weiter als Antwort auf die russischen Angriffe auf unsere Städte und Dörfer“, schrieb Selenskyj damals auf Telegram.
Nach Wildberries-Angriffen trifft es wieder Russlands Ölindustrie
Die ukrainischen Langstreckenangriffe hatten sich in den vergangenen Wochen nicht allein gegen die Energiebranche gerichtet. Nach einer Auswertung von Reuters wurden seit dem 18. Juli rund ein Dutzend Standorte von Wildberries angegriffen. Der größte russische Onlinehändler wird häufig als russisches Gegenstück zu Amazon bezeichnet.
Zuletzt brannte am 2. August ein Wildberries-Lager in der Region Samara. Zwei Tage zuvor waren bei einem Angriff in Wolgograd sowohl Lagerhallen als auch eine Energieanlage in Brand geraten. Wildberries bestätigte dort ein Feuer in einem eigenen Logistikzentrum.
Parallel setzt die Ukraine ihre Angriffe auf Raffinerien fort. Die Anlage in Rjasan musste nach einem Drohnenangriff Ende Juli die Verarbeitung von Rohöl vollständig einstellen. Branchenvertreter rechneten mit einer Unterbrechung von rund zwei Wochen. Auch Raffinerien in Perm, Tjumen und Sysran stellten zuletzt Anlagen oder die gesamte Produktion ab.
Die häufigeren Angriffe haben nach Angaben von Reuters in Teilen Russlands zu akuten Engpässen geführt. An Tankstellen bildeten sich Warteschlangen, in mehreren Regionen wurde Kraftstoff rationiert. Kiew will mit den Angriffen nach eigenen Angaben die Einnahmen aus Russlands Ölindustrie verringern und damit die Finanzierung des Krieges erschweren.
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