Fifa-Krise

Nach Kritik an Infantino: Fifa feuert Top-Manager Lamour

Wenige Wochen nach seiner öffentlichen Kritik am Investorenplan von Präsident Gianni Infantino verliert Betriebsdirektor Kevin Lamour seinen Posten beim Weltfußballverband.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Fifa-Präsident Gianni Infantino will sich im März 2027 erneut zur Wahl stellen.

Fifa-Präsident Gianni Infantino will sich im März 2027 erneut zur Wahl stellen.

© Yolanda Ruiz/imago

Der Weltfußballverband Fifa hat sich von seinem Betriebsdirektor (COO) Kevin Lamour getrennt. Die Arbeitsbeziehung sei am Montag beendet worden, teilte ein Fifa-Sprecher mit. Der Verband danke Lamour für zwei Jahre Dienst und wünsche ihm alles Gute, weitere Angaben werde man nicht machen. Zuerst hatte der britische Sender Sky News über die Personalie berichtet.

Als Betriebsdirektor gehörte der Franzose seit November 2024 der obersten Führungsebene der Fifa an und war für das operative Geschäft des Verbandes zuständig. Er nahm an den Sitzungen des Fifa-Rats teil und verantwortete mehrere zentrale Projekte.

Vor seinem Wechsel zur Fifa hatte Lamour als Mitarbeiter des früheren Uefa-Präsidenten Michel Platini in der europäischen Fußballpolitik gearbeitet und 2016 zum Wahlkampfteam Infantinos gehört.

Lamour hatte im Juli öffentlich Fifa-Präsident Infantino angegriffen. Dessen Vorhaben, einen Anteil an den Vermarktungsrechten der Weltmeisterschaft und weiterer Turniere an private Investoren zu verkaufen, bezeichnete er als „das Projekt einer einzelnen Person“. Die Belegschaft sei über den Plan getäuscht worden, sagte Lamour laut Reuters. Aufgabe der Fifa sei es, dem Fußball zu dienen, nicht den persönlichen Interessen einer Einzelperson.

Streit um Milliarden-Beteiligung

Infantinos Vorstoß war auf breiten Widerstand gestoßen. Vorgesehen war laut Reuters, eine Tochtergesellschaft im Wert von 20 Milliarden US-Dollar zu gründen und daran bis zu 20 Prozent an Finanzinvestoren zu verkaufen, um 4,2 Milliarden US-Dollar einzunehmen.

Die 55 europäischen Verbände drohten mit einem Boykott aller Fifa-Wettbewerbe, sollte das Modell umgesetzt werden. Infantino zog den Plan nach dem Rücktritt seines Beraters Carlos Cordeiro zurück, der das Vorhaben als schlechtes Geschäft für den Fußball bezeichnet hatte.

Bereits Anfang August hatte sich die Fifa-Geschäftsleitung nach einer Krisensitzung in der marokkanischen Hauptstadt Rabat demonstrativ hinter Infantino gestellt. Der Weltverband räumte dabei erstmals Fehler beim Umgang mit dem Investorenmodell ein und entschuldigte sich bei den Mitgliedsverbänden. Zugleich kündigte die Fifa an, künftig keine „Angriffe auf ihre Integrität, gute Führung und ordnungsgemäßen Verfahren“ mehr zu dulden.

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Der Sitz des Fußball-Weltverbands Fifa in Zürich

Der Sitz des Fußball-Weltverbands Fifa in Zürich

© Joeran Steinsiek/imago

Die Fifa mit Sitz in Zürich ist der Weltverband des Fußballs. Sie richtet die Weltmeisterschaft der Männer und Frauen aus und vermarktet die Medien- und Sponsorenrechte an diesen Turnieren. An ihrer Spitze steht seit 2016 der Schweizer Infantino, der 2019 und 2023 im Amt bestätigt wurde. Organisatorisch gliedert sich die Fifa in sechs Kontinentalverbände, darunter die europäische Uefa, die asiatische AFC und die nord- und mittelamerikanische Concacaf.

Stimmen gegen Infantinos Wiederwahl mehren sich

Uefa, AFC und Concacaf verlangten laut Reuters eine unabhängige Überprüfung von Infantinos Amtsführung. Der schottische Fußballverband kündigte an, Infantino bei der Präsidentenwahl im März nicht zu unterstützen, wie Sky News berichtete.

Die Menschenrechtsorganisation FairSquare wandte sich an das Governance-Komitee der Fifa mit der Forderung, Infantino für eine vierte Amtszeit für nicht wählbar zu erklären.

Auch politisch geriet Infantino zuletzt unter Druck. Der kanadische Premierminister Mark Carney erklärte, er habe kein Vertrauen mehr in den Fifa-Chef, und bezeichnete die mangelnde Einbeziehung führender Mitarbeiter als „fatalen“ Fehler.

Rückhalt erhält Infantino weiterhin von den Verbänden in Afrika und Südamerika sowie von US-Präsident Donald Trump. Die Präsidentenwahl ist für den 18. März 2027 angesetzt, ein Gegenkandidat ist bisher nicht bekannt.

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