Iran-Krieg

Bericht: USA schleusen verdeckt Öl durch die Straße von Hormus – 15 bis 20 Tanker pro Nacht

Das US-Militär koordiniert offenbar verdeckt Tankerfahrten durch die Straße von Hormus. Pro Tag sollen so 15 bis 20 Schiffe die Meerenge passieren.

4 Min
Im Golf von Oman, entlang der Schifffahrtsrouten zwischen der Straße von Hormus und dem Arabischen Meer Tanker und Frachtschiffe zu sehen.

Im Golf von Oman, entlang der Schifffahrtsrouten zwischen der Straße von Hormus und dem Arabischen Meer Tanker und Frachtschiffe zu sehen.

© Uncredited/AP

In den vergangenen Wochen sollen jede Nacht 15 bis 20 Tanker durch die Straße von Hormus gefahren sein. Gesteuert wird das Ganze vom US-Militär. Das berichtet das amerikanische Nachrichtenportal Axios unter Berufung auf zwei US-Regierungsvertreter.

Ziel der verdeckten Operation: Trotz des Krieges mit dem Iran soll wieder mehr Öl auf den Weltmarkt gelangen und ein weiterer Anstieg des Ölpreises verhindert werden. Rund zehn Millionen Barrel Öl pro Tag würden so aus dem Golf transportiert, erklärten US-Vertreter gegenüber Axios.

Wie die nächtliche Öl-Operation abläuft

Die US-Streitkräfte organisieren dabei nicht nur die Durchfahrt bereits beladener Tanker. Auch leere Schiffe werden aus dem Arabischen Meer in den Golf geleitet, wo sie Öl aufnehmen und anschließend wieder durch die Meerenge zurückfahren, so Axios.

Koordiniert wird die Sonderoperation nach Axios-Angaben aus dem Hauptquartier der US-Armee in Fort Bragg im Bundesstaat North Carolina. Von dort werde täglich eine Liste der Schiffe erstellt, die den Golf verlassen, sowie der leeren Tanker, die hineinfahren.

Die Schiffe fahren dann in einem festen Zeitfenster in zwei großen Reihen – eine hinein, eine hinaus. Sie nutzen dabei den südlichen Kanal der Meerenge, nahe der Küste des Omans. Die US-Luftwaffe schütze die Schiffe mit Kampfjets vor iranischen Marschflugkörpern und Drohnen, berichtet Axios.

„Wir kontrollieren die südliche Fahrrinne der Straße von Hormus seit zwei Monaten“, zitiert Axios einen der US-Vertreter. Die iranischen Revolutionsgarden könnten zwar stören, „aber sie kontrollieren die Meerenge nicht. Wir tun das.“

Bericht: Iranische Radar- und Überwachungssysteme geschwächt

Vorausgegangen war laut Axios eine zweiwöchige US-Militärkampagne, bei der Irans Radar- und maritime Überwachungssysteme geschwächt wurden. Das habe die Fähigkeit des Iran eingeschränkt, den Verkehr im südlichen Kanal zu überwachen. Übrig geblieben seien einige wiederhergestellte Radaranlagen und „Späher“ in kleinen Schnellbooten der Revolutionsgarden.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Die Folge: Weil die Iraner weitgehend „blind“ seien, feuerten sie Drohnen und Marschflugkörper nur ungefähr in die Richtung, in der Schiffe vermutet werden, so die Axios-Quellen. Einige Schiffe wurden bei iranischen Angriffen getroffen, doch viele konnten dem Bericht zufolge vom US-Militär gestoppt werden. Erst diese Woche hätten US-Kräfte acht iranische Drohnen und zwei Marschflugkörper abgeschossen, sagte einer der US-Vertreter gegenüber Axios.

Schiffe, die die Meerenge mit US-Unterstützung passieren, schalten laut der New York Times in der Regel ihre Transponder aus, um vom Iran nicht entdeckt zu werden. Für Unternehmen, die Schiffe verfolgen, sei es dadurch schwierig, den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus vollständig zu erfassen.

Angriffe auf Schiffe und tote Seeleute

Die New York Times berichtet auf Basis von Daten der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO), einer UN-Behörde: Seit Anfang Juni seien mindestens 15 Schiffe auf der Südroute getroffen worden. 16 Seeleute wurden verletzt, zwei getötet. Erst in dieser Woche traf es laut New York Times ein weiteres Schiff nahe dem Oman – ein Besatzungsmitglied starb, so die britische Schifffahrtsbehörde UKMTO.

Auch für die USA ist der Einsatz mit erheblichen logistischen Herausforderungen verbunden. Nach der starken Beschädigung eines Marinestützpunkts in Bahrain müssen US-Nachschubschiffe laut New York Times nun bis zur winzigen Insel Diego Garcia im Indischen Ozean fahren – über fünf Tage pro Strecke.

Ein Erfolg mit offenen Fragen

„Es ist einer der überraschenden Erfolge“, sagte Schifffahrtsanalystin Michelle Wiese Bockmann der New York Times. Gleichzeitig bleibt die Bedrohung durch den Iran bestehen: Teheran fordert dauerhafte Kontrolle über den Schiffsverkehr in der Meerenge und ist laut New York Times weiterhin in der Lage, seine Angriffe auf die Schifffahrt zu eskalieren.

Wie viel Öl wirklich durchkommt, ist unklar. Während die von Axios zitierten US-Vertreter von fast zehn Millionen Barrel täglich sprachen, ging Wiese Bockmann laut New York Times von deutlich niedrigeren Werten aus: rund vier Millionen Barrel im Juni und etwa fünf Millionen im Juli.


Ticketshop-Tipps:

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner