Polen

Nord Stream: Tusk spricht sich gegen Strafverfolgung von Verdächtigen aus

Polens Ministerpräsident spricht sich gegen eine strafrechtliche Verfolgung der Nord-Stream-Verdächtigen in Deutschland aus. In Kroatien wurde für einen Verdächtigen Untersuchungshaft angeordnet.

3 Min
Donald Tusk, Ministerpräsident von Polen

Donald Tusk, Ministerpräsident von Polen

© Kay Nietfeld/dpa

Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk hat sich erneut gegen eine strafrechtliche Verfolgung der Verdächtigen im Fall der gesprengten Nord-Stream-Pipelines durch Deutschland ausgesprochen, wie TVP World berichtet. „Diejenigen, die diese Pipeline gebaut haben, sollten sich schämen, nicht diejenigen, die sie außer Betrieb gesetzt haben“, sagte Tusk demnach.

Hintergrund ist die Festnahme des ukrainischen Verdächtigen Vladimir Z. in Kroatien. Z. war am Mittwoch in der kroatischen Stadt Pula auf Grundlage eines Europäischen Haftbefehls festgenommen worden. Ein Gericht in Pula ordnete laut AFP am Donnerstag Untersuchungshaft an. Als Grund wurde laut dem Bericht Fluchtgefahr genannt. Über eine mögliche Auslieferung muss demnach das zuständige kroatische Gericht entscheiden.

Tusk: Deutschland änderte seine Haltung „zu spät“

Die Bundesanwaltschaft verdächtigt Z., gemeinsam mit weiteren Personen Sprengsätze an den Pipelines angebracht zu haben. Ihm werden unter anderem das gemeinschaftliche Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, verfassungsfeindliche Sabotage und die Zerstörung von Bauwerken vorgeworfen, wie AFP berichtet.

Z. bestreitet laut TVP World eine Beteiligung und gibt an, sich zum Zeitpunkt der Explosionen in der Ukraine aufgehalten zu haben. Er war dem Bericht zufolge bereits im September 2025 in Polen festgenommen worden; ein polnisches Gericht lehnte seine Auslieferung nach Deutschland jedoch ab. „Und das zu Recht. Der Fall ist abgeschlossen“, schrieb Tusk damals auf X.

Medienberichten zufolge soll er am Set des Films „Snake Island“ festgenommen worden sein, der von den Nord-Stream-Anschlägen inspiriert sein soll. Diese Angaben konnte AFP nach eigenen Angaben zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Der polnische Ministerpräsident betonte laut TVP World nun, Polen habe das Projekt Nord Stream 2 von Beginn an abgelehnt und versucht, dessen Bau zu verhindern. Deutschland habe damals eine andere Position vertreten und seine Haltung „zu spät“ geändert, so Tusk.
Er fügte hinzu: „Deutschland sollte sicherlich nicht diejenigen strafrechtlich verfolgen, die in einer Situation, in der ihr Land angegriffen wurde, den einen oder anderen Schritt ergreifen. Ich werde meine Meinung dazu nicht ändern.“

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Anklage gegen weiteren Verdächtigen

Die Nord Stream-Pipelines wurden bei Explosionen im September 2022 schwer beschädigt. Die deutschen Ermittler gehen laut AFP davon aus, dass die Pipelines dadurch dauerhaft für den Gastransport unbrauchbar gemacht werden sollten, um Russland Einnahmen aus dem Erdgasgeschäft zur Finanzierung des Ukraine-Kriegs zu entziehen.

Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft erklärte Anfang Juli, es gebe bisher keine Anhaltspunkte für eine mögliche Beteiligung des ukrainischen Staates, wie der Kyiv Independent berichtete. Die Ukraine sei „bereit, bei der Aufklärung der vollständigen Wahrheit über die Umstände mitzuwirken“.

Gegen einen weiteren Verdächtigen, Serhii K., hatte die Bundesanwaltschaft nach eigenen Angaben bereits am 30. Juni 2026 vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg Anklage erhoben. Der Ukrainer war im August 2025 in Italien festgenommen und im November nach Deutschland überstellt worden. (mit AFP)

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