Energieversorgung

Nur 49 Prozent gefüllt: Deutschlands Gasspeicher sind auf historischem Tiefstand

Deutschlands Gasspeicher sind so leer wie nie. Die Regierung erwartet keine Mangellage. Für Verbraucher könnte es trotzdem teuer werden.

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Füllen sich die deutschen Gasspeicher noch vor dem Winter? (Archivbild)

Füllen sich die deutschen Gasspeicher noch vor dem Winter? (Archivbild)

© Jan Woitas/dpa

Die deutschen Gasspeicher haben Mitte August einen historischen Tiefstand erreicht. So gering gefüllt wie in diesem Sommer waren sie zu dieser Jahreszeit noch nie – zumindest nicht seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2011.

Darauf hat der Branchenverband Initiative Energien Speichern (Ines) hingewiesen. Aktuell liegt der Füllstand nach Angaben von Ines bei 49 Prozent. Vor einem Jahr waren es zum selben Zeitpunkt noch 67 Prozent.

Eine Gasmangellage sei nach aktuellem Erkenntnisstand nicht zu erwarten, teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit.

Wie leer sind die Gasspeicher aktuell?

„Der aktuelle Gasspeicherfüllstand ist mit Abstand der tiefste Füllstand zu dieser Zeit, der seit Aufzeichnung der Speicherfüllstände in Deutschland aufgetreten ist“, sagte Ines-Geschäftsführer Sebastian Heinermann der Deutschen Presse-Agentur. „Es handelt sich somit um einen historischen Tiefstand.“

Auch europaweit sind die Speicher schwächer gefüllt als sonst. Der EU-Durchschnitt liegt bei knapp 62 Prozent, vor einem Jahr waren es 74,8 Prozent.

Gebucht sind derzeit 78 Prozent der deutschen Speicherkapazitäten. Gebuchte Kapazität bedeutet allerdings nicht, dass auch tatsächlich Gas eingespeichert wird.

Warum die Speicher vor dem Winter kaum befüllt werden

Der Grund liegt vor allem im Preis. Die Gaspreise sind in diesem Sommer infolge des Iran-Krieges ungewöhnlich hoch. Die faktische Blockade der Straße von Hormus hat das weltweite Angebot an Flüssigerdgas verringert.

Der Preis für europäisches Erdgas erreichte Mitte der Woche das höchste Niveau seit der Anfangsphase des Iran-Krieges.

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Für Händler lohnt sich das Einspeichern deshalb kaum. Die Beschaffungskosten liegen laut Ines häufig über den Preisen, die sich für den Winter erzielen lassen. Ein wirtschaftlicher Anreiz zum Auffüllen fehlt damit weitgehend.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sieht das ähnlich. „Gas teurer einzuspeichern, als über Termingeschäfte verkauft werden kann, birgt das Risiko von Verlusten“, erklärte BDEW-Chefin Kerstin Andreae.

Droht im Winter eine Gasmangellage?

Trotz der niedrigen Füllstände sieht die Bundesregierung derzeit keine akute Gefahr. Eine Gasmangellage sei im kommenden Winter nach aktuellem Erkenntnisstand nicht zu erwarten, teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit. Auch die EU-Kommission und Energieexperten teilen laut den Angaben diese Einschätzung.

Die Versorgungssicherheit lasse sich nicht allein am Speicherfüllstand ablesen, betont das Ministerium. Gas komme vor allem über Pipelines aus Norwegen, über LNG-Terminals und aus europäischen Nachbarländern. Die deutschen LNG-Terminals werden aktuell zum Großteil aus den USA beliefert.

Selbst wenn alle gebuchten Kapazitäten bis zum Winter vollständig gefüllt würden, würde die Menge laut Ines bei extrem tiefen Temperaturen nicht ausreichen, um die Versorgung vollständig abzusichern.

Was der Gasspeicher-Tiefstand für die Preise bedeutet

Spürbar ist die Lage bereits bei den Preisen. Nach Daten des Vergleichsportals Verivox lagen die günstigsten Angebote für Neukunden Anfang März noch bei rund acht Cent pro Kilowattstunde, inzwischen sind es zehn Cent. „Mit der Zeit werden aber auch die Preise für Bestandskunden erhöht“, erwartet Verivox-Experte Thorsten Storck.

Wer soll die Speicher füllen? Für Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sind vor allem die Gasunternehmen und Händler in der Pflicht. Staatliche Eingriffe lehnt ihr Haus ab.

„Staatliche Gaskäufe können zusätzliche Nachfrage schaffen, Preise erhöhen und private Einspeicherung verdrängen“, erklärte das Ministerium.

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